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Digital Detox 7 Tipps für eine digitale Entgiftungskur

  • Serie
Einfach mal den Stecker ziehen und offline arbeiten. Digital Detox, die digitale Entgiftung, hilft Arbeits- und Lebenszeit sinnvoller zu nutzen.

Einfach mal den Stecker ziehen und offline arbeiten. Digital Detox, die digitale Entgiftung, hilft Arbeits- und Lebenszeit sinnvoller zu nutzen. © go2 / photocase.de

Smartphone und E-Mails diktieren Ihren Arbeitsalltag? Dann ist es höchste Zeit für Digital Detox. Mit diesen Tipps wehren Sie sich gegen digitale Dauerablenkung.

Es ist manchmal der blanke Wahnsinn: Zwanghaft checkt man alle paar Minuten die E-Mails oder schaut aufs Handy, um sich zu vergewissern, dass man bloß keine Nachricht oder keinen Anruf verpasst hat. Manche bilden sich gar ein, dass das Smartphone in der Tasche vibriert, obwohl es dort ganz still und stumm liegt. Unter dem eingebildeten Vibrationsalarm sollen 68 Prozent aller Handy-Besitzer leiden.  

Warum ist Digital Detox sinnvoll? 

Was das über Handy-Besitzer aussagt? Dass sie ihrem Smartphone ausgeliefert sind. Sie gieren nach seiner Aufmerksamkeit, reagieren mit sklavischer Gehorsamkeit auf jede Regung. Anitra Eggler, Autorin und Expertin für Digital Detox, fordert darum: Hören Sie auf, ein Sklave Ihres Handys zu sein! Sie ist fest überzeugt davon, dass niemand ständig erreichbar sein müsse – außer Notrufzentralen. Sich ständig dem Handy und dem E-Mail-Postfach zu widmen, sei oft nur pseudowichtige Beschäftigung, die Arbeits- und Lebenszeit vernichte.

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Alles gut und schön, aber ein Unternehmen führen ohne Handy und E-Mail – das geht nun mal nicht? Eggler ist überzeugt: Bis zu einem gewissen Maß geht das sehr wohl. Sie gibt in Ihrem Buch „Mail halten!“ handfeste Digital-Detox-Tipps. Manche mögen banal anmuten. Doch in ihrer Summe helfen sie, den Digital-Konsum zu überdenken und zu zügeln.  

1. Erst Pareto, dann E-Mails 

Sie wollen produktiv in den Tag starten? Dann ignorieren Sie Ihr E-Mail-Postfach. Wer Ihnen eine E-Mail schreibt, will meist etwas von Ihnen, auf das Sie reagieren müssen. Na und? Eggler argumentiert: „Ihre Aufgabe ist es, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und das Wichtige zuerst zu erledigen. Das Wichtigste sind nicht die Anliegen von anderen, sondern Ihre eigenen.“ Am besten starte man den Tag, indem man ihn nach dem Pareto-Prinzip plane: Legen Sie 20 Prozent der Aufgaben fest, die Ihnen 80 Prozent des Arbeitsergebnisses liefern. Also erst Pareto, dann E-Mails.   

2. Öffnungszeiten einrichten 

E-Mails können Produktivitätskiller sein. Eine Studie des britischen King’s College belegt, dass bekiffte Menschen IQ-Tests besser lösen als Menschen, die durch E-Mails abgelenkt werden. Von der Grundidee her sind E-Mails zwar ein Segen, glaubt auch Eggler. Doch oft genug „fördern sie blinden Aktionismus, der sich als Produktivität tarnt“. Viel zu oft reagieren wir nur sklavisch auf die Vorgänge im E-Mail-Postfach.

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Um sich nicht ständig von E-Mails ablenken zu lassen, plädiert Eggler für feste Mail-Öffnungszeiten. Sie selbst öffne ihre E-Mails nur montags bis donnerstags, einmal um 11 und einmal um 16 Uhr. Durch dieses radikale Vorgehen habe sie noch keinen einzigen Auftrag verloren, aber Respekt und Sympathie gewonnen. Dass sie nicht ständig erreichbar sei, habe sie ehrlich und freundlich kommuniziert. Und sie ist sich sicher: Dass man lieber arbeite, als sich ständig ablenken zu lassen, freue auch die Kunden.

3. Budgets einrichten 

Selbstdisziplin ist der Schlüssel zu Digital Detox. Und wenn es mit der Selbstdisziplin in der Firma nicht klappt, können Regeln helfen. Eggler schlägt ein E-Mail-Budget vor. Jeder darf täglich maximal 20 Mails senden. Wenn jemand mehr braucht, muss er pro Mail einen vorher festgelegten Geldbetrag in eine Kasse einzahlen, aus der etwa der nächste Betriebsausflug gezahlt wird. Eggler ist sich sicher, dass das Team sehr schnell in der Lage sein wird, weniger E-Mails zu schreiben. Und wenn weder Selbstdisziplin noch Regeln helfen, dann kann es eine entsprechende Systemkonfiguration: IT-Experten können ein E-Mail-Budget relativ einfach einrichten.   

4. Sperrbildschirm als Tabuzone 

Sobald das Handy blinkt, klingelt oder brummt, zieht es unsere Aufmerksamkeit auf sich, reißt uns aus unserer Arbeit und unterbricht Gedankengänge. Darum sollten Sie alles deaktivieren, was Sie ablenkt, zum Beispiel die Push-Funktion, die auf dem Sperrbildschirm anzeigt, dass Ihnen jemand geschrieben hat. Noch radikaler, aber vielleicht noch wirkungsvoller: Löschen Sie WhatsApp. Oder wann wurde Ihnen das letzte Mal eine überlebenswichtige Nachricht per WhatsApp geschickt?

5. Smartphone-Sabbat 

Das Silicon Valley gilt als die Brutstätte für digitale, innovative Ideen. Ausgerechnet von dort kommt dieser Digital-Detox-Tipp: Der HandyFreitag, also keine Handys am Freitag. Der Smartphone-Sabbat gelte laut Eggler als der Geheimtipp für neue Ideen und Mitarbeitermotivation. Warum? Weil endlich niemand mehr auf sein Smartphone reagieren muss und in Ruhe Ideen entwickeln oder sich auf seine Arbeit konzentrieren kann. Eggler empfiehlt: Machen Sie es vor und motivieren Sie Ihre Kollegen mitzumachen.   

6. Mailbox als Türsteher 

Wie oft sind Sie schon ans Handy gegangen, um zu sagen: Ich kann jetzt nicht? Eggler hält das nicht nur für höchst lächerlich, sondern auch für Zeitverschwendung. Dieses Verhalten sei einfach nur unserem Drang geschuldet, auf alles, was das Handy tue, reagieren zu müssen.

Als Gegenmittel empfiehlt sie, die „Mailbox-Ansage zum Türsteher Ihrer Arbeits- und Freizeit zu machen“. Und Türsteher sortieren knallhart aus und reden Klartext. Egglers Ansage lautet darum: „Nach Ihrer Nachricht ist vor meinem Rückruf“. Wenn Sie im Urlaub sind, sollten Sie dies auch auf der Mailbox entsprechend ansagen: „Ich bin im Urlaub und werde in den kommenden zwei Wochen nicht zurückrufen. In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an den Kollegen XYZ.“ 

7. Wecker statt Smartphone 

Gehören Sie auch zu denen, die morgens als erstes nach ihrem Handy auf dem Nachtisch greifen, weil Sie sich schon lange nicht mehr von einem Wecker wecken lassen, sondern vom Smartphone? Ein Fehler. Denn wenn das Handy schon früh morgens so griffbereit daliegt, ist die Verführung groß, Nachrichten zu checken. Also Handy raus aus dem Schlafzimmer.

Und wenn alle Tipps nichts helfen, dann vielleicht eine Reise ins Funkloch: 8 Reiseziele ohne Handyempfang.

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