Working Out Loud Mit dieser Technik netzwerken Sie effektiver
Working out loud hilft Ihnen, sich besser zu vernetzen

© cagkansayin / iStock / Getty Images Plus / Getty Images

Das eigene Wissen möglichst für sich behalten? Das war einmal. Die Methode Working Out Loud verspricht effektiveres Netzwerken durch offenen Wissensaustausch. Wie auch Sie schnell davon profitieren.

Was ist Working Out Loud (WOL)?

Working Out Loud ist eine Selbstlern-Methode, mit der Menschen in einer kleinen Gruppe ein individuelles Ziel verfolgen – und dabei zugleich erfahren, wie sie sich klug mit anderen vernetzen können.

Die Methode beruht auf einer bestimmten Haltung, die unter anderem auf Großzügigkeit setzt: Es geht bei Working Out Loud nicht darum, möglichst schnell viele neue Kontakte zu knüpfen. Sondern darum, zunächst eigenes Wissen und Know-how zu teilen und damit Beziehungen zu Menschen aus dem bereits bestehenden Netzwerk zu intensivieren. Um anschließend von deren Wissen zu profitieren und so eigene Ziele leichter zu erreichen.

Anzeige

Den Ansatz hinter Working Out Loud hat der IT-Berater Bryce Williams in einem Blogbeitrag beschrieben. Der US-Amerikaner John Stepper baute die Methode ab 2016 aus und beschrieb sie in einem Buch, das es inzwischen auch auf Deutsch gibt („Working Out Loud. Wie Sie Ihre Selbstwirksamkeit stärken und Ihre Karriere und Ihr Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten“, Vahlen, 24,90 Euro).

Wie genau funktioniert Working Out Loud?

Working Out Loud ist ein 12-Wochen-Programm. Dabei finden sich vier bis fünf Menschen mit ähnlichen Interessen zu einem sogenannten „Circle“ zusammen. Dieser Circle trifft sich während dieser Zeit in jeder Woche für eine Stunde – virtuell oder persönlich. Die Circles sind selbstorganisiert. Viele entstehen in größeren Unternehmen wie etwa Bosch und Daimler, in denen Mitarbeiter einen Circle bilden, doch es gibt auch unternehmensübergreifende Gruppen zu Working Out Loud.

Wer mitmacht, setzt sich zu Beginn des Programms ein persönliches Ziel, wie etwa, mehr über das Thema Agilität zu lernen oder aber bessere Reden zu halten. Dieses Vorhaben verfolgen die Teilnehmer in den folgenden zwölf Wochen und besprechen Fortschritte und Veränderungen in den Meetings. Die Dramaturgie des Programms ist stets gleich: Die Circle-Beteiligten gehen bei ihren Treffen nach den sogenannten „Circle Guides“ aus einem kostenlosen Arbeitsbuch vor, das mit Informationen und Übungen für einen strukturierten Ablauf sorgt.

Wie finde ich einen Circle von Working Out Loud?

Wer nicht selber einen Circle gründen möchte, kann über die Homepage der deutschen Community von Working Out Loud auf die Suche nach Gleichgesinnten gehen – oder über die WOL-Gruppe bei Facebook einen passenden Circle finden. Daneben gibt es bezahlpflichtige, geführte Programme, die auch die Zusammenstellung der Circles übernehmen.

Was wird während des Programms trainiert?

Das Konzept von Working Out Loud fußt auf fünf Prinzipien und Fähigkeiten, die während des Programms trainiert werden und die dabei helfen sollen, die sogenannte „intrinsische“, also von innen kommende Motivation der Teilnehmer zu stärken.

Working Out Loud, Prinzip 1: Beziehungen

Beziehungen sind der zentrale Begriff bei Working Out Loud. Laut dem WOL-Begründer ist es wahrscheinlicher, Hilfe zu erfahren und Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu erhalten, wenn wir die Beziehungen zu Menschen im eigenen Netzwerk vertiefen. Außerdem befriedigten Beziehungen das menschliche Bedürfnis, sich mit jemandem außerhalb von uns selbst verbunden zu fühlen – und das erhöhe die persönliche Motivation, ein Ziel wirklich zu verfolgen.

Working Out Loud, Prinzip 2: Großzügigkeit

Ein natürliches Geben und Nehmen bildet ein weiteres Grundprinzip von Working Out Loud. Es geht darum, mithilfe eigener Beiträge zunächst anderen etwas zu geben, beispielsweise Anerkennung und Wertschätzung – ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten. Auf Dauer, so Stepper, werde sich das freigiebige Handeln auszahlen, weil Menschen es meist automatisch erwiderten.

Working Out Loud, Prinzip 3: Sichtbare Arbeit

Wer offenlegt, was er wie genau tut – über soziale Medien etwa, eine Mail oder ein Gespräch beim Kaffee –, vergrößert damit nicht nur die eigene Reichweite, sondern erweitert dem WOL-Begründer zufolge auch die Möglichkeiten, Kontakte zu vertiefen. Außerdem steigt auf diese Weise die Wahrscheinlichkeit, Feedback zu erhalten und damit Ideen zu bekommen, wie sich die eigene Arbeit besser erledigen ließe.

Working Out Loud, Prinzip 4: Zielgerichtetes Entdecken

Die Möglichkeiten zum Netzwerken sind unendlich. Daher sollten sie laut Stepper zielgerichtet genutzt werden, um effektive Resultate zu bringen. Deshalb sollte jeder WOL-Teilnehmer sein persönliches Vorhaben für das Programm so wählen, dass es möglichst einfach ist – und in drei Monaten erreichbar. „Ich will Abteilungsleiter werden“ wäre beispielsweise zu groß. „Ich will mehr über gute Führung lernen“ wäre dagegen geeignet. Wer ein solches Ziel vor Augen habe, so der WOL-Begründer, könne seine Aktivitäten daran ausrichten und Working Out Loud zu einer Gewohnheit werden lassen, die später auf jedes Projekt anwendbar sei.

Working Out Loud, Prinzip 5: „Growth Mindset“

„Growth Mindset“ (frei übersetzt: „wachstumsorientierte Denkweise“) beschreibt die Einstellung hinter Working Out Loud: WOL-Teilnehmer sollen bereit sein, aktiv zu lernen. Eine solche Haltung einzunehmen kann Stepper zufolge helfen, offen und neugierig an die Arbeit und das Leben heranzugehen – und widerstandsfähiger gegenüber Rückschlägen zu werden. All das erleichterte wiederum das Durchhalten und damit die Zielerreichung.

Worin liegen die Vorteile von Working Out Loud?

Das Gefühl von Vertrauen und Verbundenheit bildet laut Stepper die Grundlage für Beziehungen zu Menschen, die uns helfen können, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, eine Fähigkeit zu entwickeln oder sich ein neues Thema zu erarbeiten. Und dieses Gefühl lässt sich mit Working Out Loud erzeugen.

Abgesehen davon verbessere Working Out Loud die Motivation des Einzelnen und sorge – in Unternehmen – dafür, dass Menschen innovativer arbeiten und schneller Lösungen für Herausforderungen der modernen Arbeitswelt finden.

Mehr dazu: Innovativer werden: Diesen Fehler müssen Sie vermeiden

Was passiert in den 12 Wochen Working Out Loud?

Das 12-Wochen-Programm soll dabei helfen, die fünf Elemente von Working Out Loud kennenzulernen, einzuüben und zu einer Gewohnheit werden zu lassen – die dann über Jahre hinweg hilft, Vorsätze leichter umzusetzen. Hier die zwölf Schritte.

Schritt 1: Ziel formulieren

Im ersten Meeting formuliert jeder Teilnehmer sein Ziel. Dieses sollte motivierend sein, nicht zu groß und idealerweise messbar. Folgende Fragen helfen, ein solches Ziel zu identifizieren:

  • Worin/Wobei wäre ich gern besser?
  • Worüber möchte ich gern mehr lernen?
  • Von welchen Menschen, die XY wissen oder können, würde ich gern mehr kennen?

Anschließend erstellt jeder im Circle eine Liste mit persönlich bekannten wie unbekannten Kontakten, die ihnen dabei helfen könnten, ihr formuliertes Vorhaben zu erreichen.

Schritt 2: Andere unterstützen

In Meeting zwei sollen sich die Teilnehmer vor Augen führen, wer bereits zu ihren Unterstützern gehört, dann überlegen, womit man selbst diese Menschen weiterbringen könnte – und dies mit einem ersten kleinen Beitrag zu tun. Etwa, indem sie einen Post eines Unterstützers liken.

Schritt 3: Kontakte aufbauen und intensivieren

Im dritten Meeting sollen sich die WOL-Teilnehmer darüber austauschen, wie sich Kontakte zu potenziellen Unterstützern aufbauen oder intensivieren ließen. Und anschließend mit weiteren eigenen Beiträgen in Vorleistung gehen, etwa, indem sie ein Dankeschön an einen Kontakt formulieren.

Schritt 4: Besser kommunizieren

Die Übungen des vierten Meetings drehen sich um die Frage, wie Nachrichten an mögliche Unterstützer formuliert sein sollten. Und wie Beiträge oder persönliche Begegnungen aussehen könnten, um die eigene Kommunikation persönlicher, wertschätzender und effektiver zu gestalten.

Schritt 5: Erfahrungsschatz 

Im fünften Meeting gilt es, darüber nachzudenken, welchen Schatz an Erfahrungen und Know-how die Circle-Mitglieder selbst anzubieten haben. Und wie dieser helfen könnte, die Beziehungen zu anderen Menschen zu intensivieren.

Schritt 6: Sichtbarkeit erhöhen

Meeting sechs dreht sich um die Sichtbarkeit der Circle-Teilnehmer. Die Übungen dienen dazu, die persönliche Online-Präsenz zu verbessern und zu überlegen, wie sich diese nutzen ließe.

Schritt 7: Nächste Schritte planen

Im siebten Meeting geht es um nächste Schritte, Pläne und Möglichkeiten, die die Circle-Beteiligten angehen wollen, wenn das vorab formulierte Vorhaben erreicht ist. Dabei helfen soll ein Brief an das zukünftige Ich, den jeder aus der Gruppe schreibt.

Schritt 8: Neue Gewohnheiten verankern

Meeting acht dient dazu, WOL-Gewohnheiten zu verankern – unter anderem mithilfe einer Checkliste zum Etablieren neuer Routinen und einem Fortschritts-Diagramm, das den Circle-Mitgliedern zeigt, wie gut sie den Austausch mit Unterstützern inzwischen pflegen.

Woche 9: Für Feedback sorgen

Im neunten Meeting tauschen sich alle Mitmachenden darüber aus, welche Formate und Inhalte von Beiträgen geeignet wären, um nützliches Feedback zu erhalten. Eine Übung besteht darin, eine persönliche Top-Ten-Liste zu einem selbstgewählten Thema zu erstellen, die etwa über soziale Netzwerke geteilt werden kann.

Schritt 10: Anstrengungen systematisieren

In Meeting zehn geht es darum, die Anstrengungen zu systematisieren – um etwa einen Überblick über die Liste mit den eigenen Kontakten zu behalten. Außerdem sollen die Circle-Mitglieder lernen, jemanden um etwas zu bitten.

Schritt 11: Überblick gewinnen

Im elften Meeting überlegen die Circle-Mitglieder, welche Unterstützung sie auf dem Weg zur Zielerreichung bereits erfahren haben – und mit welchen Ideen sie weiter vorankommen wollen. Beides dient dazu, einen Überblick über das persönliche Netzwerk zu gewinnen und sich klarzuwerden über die eigene Rolle und Dinge, die sich noch erreichen lassen.

Schritt 12: Zurückblicken

In Meeting zwölf geht es darum, die vergangenen Wochen abschließend Revue passieren zu lassen, unter anderem, indem alle diese zwei Fragen beantworten:

  • Was hat sich geändert?
  • Wie geht es in Bezug auf die neuen Gewohnheiten und Fähigkeiten weiter?

Welche Kritik gibt es an Working Out Loud?

Working Out Loud hat einige Nachteile, die immer wieder für Kritik sorgen. Beispielsweise ist es im Alltag mitunter kaum möglich, über drei Monate hinweg eine Stunde pro Woche zu finden, in der vier bis fünf Menschen gleichzeitig Zeit haben. Auch die Selbstorganisation der Circle macht die Technik schwierig: Es gibt keinen Experten, der bei Fragen weiterhilft. Und: Wer von Working Out Loud profitieren will, muss sich jede Woche durch die entsprechende Einheit im Arbeitsbuch arbeiten. Dies erhöht den Zeitaufwand über die eine Stunde des Meetings hinaus deutlich.

Sie wünschen sich eine weitere Technik, um Vorhaben umzusetzen? Mehr dazu hier: WOOP-Methode: Wie Sie in 4 Schritten jedes Ziel erreichen

100 Ideen, die Ihr Unternehmen voranbringen

Sie wünschen sich motivierte Mitarbeiter, mehr Produktivität oder zufriedene Kunden? Unsere 100 Ideen bringen Sie diesem Ziel näher. Jetzt kostenlos herunterladen! impulse premium
Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Die Redaktion schaltet Kommentare montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr frei. Die Angabe von Name und E-Mail-Adresse ist freiwillig. IP-Adressen werden nicht gespeichert. Mit der Abgabe eines Kommentars stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.)