Betriebliches Gesundheitsmanagement Was ich für die Gesundheit meiner Mitarbeiter tue

  • INSIDER
Obst für die Mitarbeiter? Für Vanessa Weber eine Selbstverständlichkeit. In ihrem Unternehmen gibt es darüber hinaus noch viele weitere Angebote, die die Gesundheit der Belegschaft fördern sollen.

Obst für die Mitarbeiter? Für Vanessa Weber eine Selbstverständlichkeit. In ihrem Unternehmen gibt es darüber hinaus noch viele weitere Angebote, die die Gesundheit der Belegschaft fördern sollen.© napri / photocase.de

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist nicht nur was für große Firmen, sagt Unternehmerin Vanessa Weber. Bei frischem Obst ist für sie noch lange nicht Schluss. Wie sie dafür sorgt, dass ihre Mitarbeiter gesund bleiben.

Kein Unternehmer kann verhindern, dass die eigenen Mitarbeiter krank werden – auch ich nicht. Momentan rollt die Grippewelle durch die Firma, da fallen einige auch mal zwei Wochen oder länger aus. Das lässt sich nicht ändern. Aber wenn ich etwas dafür tun kann, damit meine Leute fit und gesund bleiben, dann will ich das tun.

Dass es bei uns Obst und Mineralwasser kostenlos gibt, außerdem noch Kaffee und Tee, das ist für mich selbstverständlich. Ebenso, dass wir in den Mitarbeitergesprächen darüber reden, wie wichtig es ist, achtsam mit sich selber zu sein.

Anzeige

500 Euro Gesundheitsgeld im Jahr

Ich gehe aber noch einen Schritt weiter: Bei uns kann jeder Mitarbeiter 500 Euro Gesundheitsgeld nutzen. Er kann dieses Geld zum Beispiel nutzen, um zur Ernährungsberatung zu gehen, zum Rückenkurs oder zum Rauchstopp-Coaching. Natürlich brauche eine Rechnung als Nachweis über die Leistung, dann übernehme ich die Kosten.

Leider nehmen nur sehr wenige diese Leistung in Anspruch, eigentlich schade! Aber als Arbeitgeberin kann ich nun mal keinen dazu zwingen, gesund zu leben, Wasser zu trinken und Obst zu essen. Ich kann nur ein Angebot schaffen.

Mein Plan: ein Fitnessraum – und eine Hausbibliothek

Manche unserer Angebote fürs betriebliche Gesundheitsmanagement sind nicht ganz uneigennützig. Ich mache zum Beispiel selbst viel zu wenig Sport, daher habe ich mir überlegt: Wenn gleich nach Feierabend ein Fitnesstrainer in die Firma kommen würde und ein paar Leute mitmachen, raffe ich mich auch eher auf, etwas zu tun.

Deshalb will ich jetzt in der Firma einen großen Schulungsraum einrichten, den wir abends zum Fitnessraum für Zumba, Yoga oder Step Aerobic umfunktionieren können. Wir bauen nämlich um: Meine Eltern haben bisher im Firmengebäude gewohnt, ziehen aber jetzt aus – dadurch haben wir hundert Quadratmeter mehr. Bis Ende des Jahres wollen wir fertig sein mit dem Umbau.

Ich habe schon etliche Ideen, wie wir den zusätzlichen Platz nutzen können: zum Beispiel für einen neuen Pausenraum im Bistro-Stil, in dem man auch mal in entspannter Atmosphäre Besprechungen machen kann. Die Dachterrasse will ich mit Loungemöbeln ausrüsten und mit einem Gasgrill. Einen schönen Platz kriegen soll endlich auch unsere Hausbibliothek: Das ist ein großes Bücherregal, in das jeder im Unternehmen seine ausgelesenen Bücher reinstellen und dafür andere mitnehmen kann.

Tiefenentspannt auf dem Massagesessel

Außerdem will ich einen Entspannungsraum einrichten, mit schöner Fototapete: was zum Wegträumen, vielleicht ein Strand mit Palmen. In den Entspannungsraum will ich dann auch unsere neueste Anschaffung reinstellen: den Entspannungssessel „Brainlight“.

Der Sessel funktioniert so: Du suchst dir ein Programm aus, zum Beispiel „In 15 Minuten fit und munter“ oder „In 15 Minuten entspannt und ruhig“, setzt eine blickdichte Brille auf und Kopfhörer. Dann fährt der Sessel in die Liegeposition, massiert dich am ganzen Körper und das Programm läuft ab.

Du machst die Augen zu und siehst durch die geschlossenen Lider bunte Lichtstimuli, so als hättest du zu lange in die Sonne geguckt. Dazu hörst du über die Kopfhörer positive Zitate und Entspannungsmusik.

Mittelfristig sollen die Programme helfen, die linke und die rechte Gehirnhälfte besser zu vernetzen und die Konzentrations- und die Merkfähigkeit erhöhen, verspricht der Hersteller. Ob da wirklich was dran ist, weiß ich nicht, aber ich hatte einen Stuhl des Herstellers vor Jahren mal im Urlaub ausprobiert und konnte damit richtig schnell entspannen.

Zum Glück „gezwungen“

Im vorigen Jahr gab es dann für unser Unternehmen „Werkzeug Weber“ die Möglichkeit, bei einer Studie mitzumachen: Eine Krankenkasse stellte uns das Gerät sechs Monate kostenlos zur Verfügung. Jeder Mitarbeiter musste mindestens einmal pro Woche für 20 Minuten auf den Sessel gehen. Meine Leute haben dafür zehn Minuten von ihrer Pause geopfert, die anderen zehn Minuten habe ich gesponsert. Am Anfang und am Ende der Studie gab es eine Befragung. Das Ergebnis: Nach den sechs Monaten waren unsere Mitarbeiter entspannter, zwar nicht weltbewegend, aber eine positive Veränderung war zu merken.

Als die Studie im Dezember zu Ende war, habe ich die Mitarbeiter selbst entscheiden lassen, ob wir so einen Sessel anschaffen wollen – der kostet immerhin um die 6000 Euro. Das Ergebnis war positiv, daher haben wir jetzt unseren eigenen Entspannungs-Sessel.

+++ Mehr von impulse regelmäßig ins Postfach? Hier für den Unternehmer-Newsletter anmelden +++

Es ist übrigens schon öfter passiert, dass einer meiner Leute in der Pause auf dem Sessel eingeschlafen ist. Dann fragen die Kollegen: „Wo ist der denn, der kommt gar nicht wieder?“ Ich sehe das als gutes Zeichen: Mit dem Entspannungsprogramm kommt man wirklich runter.

Meine 6 Tipps für mehr Gesundheit im Betrieb:

  1. Verschiedene Angebote machen: Nicht jeder hat Lust auf Yoga, nicht jeder braucht eine Ernährungsberatung. Deshalb kann jeder meiner Mitarbeiter das Gesundheitsgeld so einsetzen, dass er davon profitiert.
  2. Mitarbeiter mitentscheiden lassen: Das beste Angebot bringt nichts, wenn es nicht genutzt wird. Daher habe ich die Mitarbeiter befragt, bevor ich den Entspannungssessel gekauft habe.
  3. Vorbild sein: Ich habe mir vorgenommen, den Sessel mindestens einmal pro Woche zu nutzen und auch regelmäßig zum Fitnesstraining zu gehen. Das motiviert meine Leute hoffentlich, die Angebote ebenfalls zu nutzen.
  4. Sensibilisieren: Verhaltensänderungen hin zum gesünderen Leben fallen anfangs schwer. Daher spreche ich mit meinen Mitarbeitern regelmäßig über das Thema Gesundheit und ermutige sie, gut auf sich zu achten.
  5. Wohlfühlumgebung schaffen: Stress macht krank! Ich bin ganz sicher: Mitarbeiter sind weniger gestresst und arbeiten besser, wenn sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen. Deshalb versuche ich, mit Angeboten wie Grillecke oder Büchertausch, aber auch einer wohnlichen Einrichtung für eine angenehme Atmosphäre im Unternehmen zu sorgen.
  6. Freiräume öffnen: Ich bin überzeugt, dass eine gute Pausenkultur wichtig ist. Wer sagt: „Ich brauch‘ mal zehn Minuten Pause, mir qualmt der Kopf“, muss bei uns nicht bis zum Feierabend warten, sondern kann sich ganz unbürokratisch eine Mini-Auszeit nehmen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *