Büroräume finden „Das Arbeiten im Co-Working-Space ging mir bald auf den Geist“
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Ein Co-Working-Space punktet mit schicken Konferenzräumen - aber passt auch der Rest zu den Bedürfnisses des Teams?

Ein Co-Working-Space punktet mit schicken Konferenzräumen - aber passt auch der Rest zu den Bedürfnisses des Teams?© Westend61 / Getty Images

Innerhalb eines Jahres ist impulse-Blogger Sven Franzen zwei Mal mit seinem Unternehmen umgezogen. Was er bei der Suche nach den perfekten Büroräumen gelernt hat – und warum er schon den nächsten Umzug plant.

Wenn ich heute die Fenster in meinem Büro aufmache, kann ich richtig durchatmen. Wir sitzen in einem Industriegebiet in Neu-Isenburg, südlich von Frankfurt – direkt am Waldrand. Die Luft ist gut, der Autobahnanschluss nicht weit, in der Nähe gibt es Restaurants und einen Park zum Spaziergehen.

Mein Team und ich fühlen uns hier sehr wohl. Obwohl die Gegend auf den ersten Blick kein Traumstandort für eine Marketingagentur ist. Hier gibt es keine coolen Industriehallen, keine hippe Großstadt-Atmosphäre. Das Gebäude, in dem wir sitzen, ist nicht besonders “fancy”, es folgt eher dem Motto „quadratisch, praktisch, gut“. Neulich kam ein Kunde zu uns, der selbst in einem sehr schicken Bürokomplex arbeitet. Er meinte: „Eure Möbel sind super, aber der Rest passt nicht zu einer kreativen Agentur, wie ihr es seid.“

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Den Schritt raus aus der Großstadt habe ich nicht bereut

Das hat natürlich gesessen. Aber den Schritt raus aus der Großstadt habe ich nicht bereut. Zum Hintergrund: Lange Zeit war der Sitz meines Unternehmens in Dreieich, einem verschlafenen Dorf im Landkreis Offenbach. Es zog mich dann in die Stadt, nach Frankfurt. Also mietete ich Räume in einem Co-Working-Space an der Hanauer Landstraße. Am Anfang war es toll. Es gab hip eingerichtete Konferenzräume, überall standen Obstkörbe, in einem Spezial-Kühlschrank war immer ein Vorrat an Red Bull und Apfelwein, in der Küche lagen die Eiweißriegel von einem Start-up herum. Es war immer etwas los.

Aber es war unmöglich, dort ein Fenster aufzumachen – dafür kam zu viel Lärm und Dreck von der teilweise vierspurigen Straße. Und es ist zwar großartig, umgeben zu sein von lauter dynamischen Menschen. Aber die wenigsten waren motiviert, mal die Küche aufzuräumen; einen zentral gesteuerten Putzdienst gab es dafür nicht. Dass sich für viele Dinge niemand zuständig fühlte, ging mir schnell auf den Geist. Wir wollten es ja schön haben, will das eigentlich nicht jeder? – Irgendwann stand sogar ein Kunde bei uns und meinte: „Bei euch auf der Toilette ist kein Klopapier mehr.“ Das ist oberpeinlich. Das geht nicht.

Was darüber hinaus schade war: Wir durften kein richtiges Branding machen, nur an der eigenen Tür konnten wir unser Logo anbringen und in unserem Raum; der Rest des Spaces war vom Anbieter selbst gebrandet. Und so eine wuselige Umgebung ist zwar inspirierend, man lässt sich aber auch oft ablenken – und es ist schwieriger, als Team zusammenzuwachsen.

Die Zeit im Co-Working-Space war eine interessante Erfahrung

Nach einem halben Jahr habe ich den Ausflug in die Co-Working-Welt mit dem Umzug nach Neu-Isenburg beendet. Es war eine interessante Erfahrung. Ich habe viel darüber gelernt, welches Umfeld wir als Agentur, mein Team und ich, brauchen, um gut arbeiten zu können. Für Start-ups und Freelancer sind Co-Working-Spaces sicher eine optimale Option, um sich zu vernetzen. Aber wir sind im Wachstum und stellen weitere Mitarbeiter ein. Da lohnt es sich auf lange Sicht schon allein finanziell, eigene Büroräume zu mieten.

So sind wir in Neu-Isenburg gelandet. Ich habe mich anfangs schon gefragt, ob das nicht zu weit draußen ist. Man ist zwar in zehn Minuten in Frankfurt, braucht dafür aber ein Auto. Es gibt zwar eine Bus-Anbindung, aber keine Straßen- oder U-Bahn. In einigen Gesprächen haben mir Bewerber gesagt, dass ihnen der Weg zu weit ist.

Gehört zu einer Marketing-Agentur ein schickes Umfeld?

Mein Eindruck ist, dass es unseren Kunden egal ist, wie unsere Anschrift lautet. Ich selbst bin es, der sich nach dem Umzug zurück in die Provinz am meisten umgewöhnen musste. Der Gedanke, dass zu einer Marketing-Agentur ein schickes Umfeld gehört, lässt mich nicht los. Es sagt ja schon etwas über das Selbstverständnis aus, wo man sitzt und mit welchen Dingen man sich umgibt.

Deswegen bin ich auch schon wieder einen Schritt weiter: Ich kann mir gut vorstellen, in den nächsten Jahren selbst ein Firmengebäude zu erschaffen, so wie wir es brauchen. Das ist eine Planung für den “long run”, nichts Schnelles. Aber die Aussicht, etwas ganz nach unseren Vorstellungen gestalten zu können, treibt mich an. Ich schaue mich schon nach Möglichkeiten um. Es bleibt spannend.

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6 Kommentare
  • Sven L. Franzen 13. Juni 2019 07:47

    Guten Morgen Herr Bublitz,

    Danke für Ihren Kommentar.
    Schön, dass meine Erfahrung und Thematik Ihnen sympathisch ist. Unsere Erfahrungen sind ähnlich, man sollte sich dort ansiedeln, wo man sich wohl fühlt. So läuft auch das Geschäft meist besser / am besten.

    Weiterhin viel Erfolg,
    Beste Grüße,
    Sven L. Franzen

  • Sven L. Franzen 13. Juni 2019 07:45

    Guten Morgen Frau Klahre,

    Es freut mich, dass mein Blog Sie aktiv zum Kommentieren bewegt hat. Die Formulierung war sicher etwas sonderbar gewählt, dennoch: in meiner Erfahrung und unserem Space war das so: Die berühmte Marke mit dem Bullen hat einen eigenen mit Marke bedruckten Mini-Kühlschrank aufgestellt und hier gab es dies. Es handelt sich demnach um meine Erfahrung und kein allgemein gültiger Stereotyp, der so für alle Co-Working-Spaces zutreffen muss. Danke für Ihren Artikel, den Sie verlinkt haben.

    Beste Grüße,
    Sven L. Franzen

  • Sven Bublitz 12. Juni 2019 14:47

    Ich komme als Büroeinrichter täglich mit Unternehmern zusammen, die sich räumlich weiterentwickeln.

    Dabei sind auch immer wieder Kunden, die einst eine tolle – vermeintlich schicke – Lage in der besten Innenstadtlage hatten. Parkplatzsorgen und hohe Mietpreise inklusive. An ein bestimmtes Unternehmerpaar muss ich gerade denken, die mit ihrer Marketing-Agentur mit 10 Mitarbeitern bewusst auf’s Land gezogen sind.

    Natürlich gab es bei meinem Kunden entsprechende Vorbehalte und Gedanken, ob man als Anbieter noch ernst genommen wird. Doch es kam ganz anders.

    Die Konzernkunden mit Ihren großen Limousinen hatten endlich ausreichend Parkplätze, und nach kurzer Zeit wurden Sakko und Krawatte abgelegt und die Ärmel hochgekrempelt. Zum Meeting reichte man ein kühles Getränk am firmeneigenen Grill.

    Sowohl die Inhaber als auch die Kunden waren viel zufriedener mit der Variante. Ich kann es absolut nachvollziehen, und finde es zudem sehr sympathisch.

  • asklahre 7. Juni 2019 09:21

    „… in einem Spezial-Kühlschrank war immer ein Vorrat an Red Bull“: Mehr Klischee geht ja kaum, lieber Herr Franzen. Keine Coworking Space ohne Energy Drinks. Allerdings jault da die Therapeutin und Medizin- und Wissenschaftsautorin in mir. Ich wünsche Ihnen, das Ihnen in Ihrem neuen Arbeitsumfeld auch anders Flügel wachsen, da Energy Drinks nicht nur die Kreativität killen können. Mit herzlichem Gruß: https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/health/koffeinhaltige-getraenke-warum-energydrinks-das-herz-ruinieren-koennen/23842900.html

  • Sven L. Franzen 6. Juni 2019 09:31

    Sehr geehrter Herr Berger,
    danke für Ihren Kommentar und schön, dass mein Artikel Sie zum Kommentieren inspiriert hat.
    Sie haben vollumfänglich recht. Ich selbst mag unsere deutsche Sprache sehr. Danke, dass Sie mich daran erinnern weniger Anglizismen zu nutzen. Auch wenn Begriffe wie „Co-Working-Space“ offiziell den Weg in unseren Sprachschatz gefunden haben, in aller Munde sind und vor allem im Marketing viele Anglizismen als sogenannte Fachausdrücke genutzt werden; gibt es sicher immer auch das deutsche Synonym zu all diesen Wörtern. – Wie schnell holt einen doch der eigenen Alltag ein. Ich werde Ihren Hinweis bei meinem nächsten Blog direkt umsetzen.

    Viel Freude beim weiteren Lesen,
    beste Grüße,
    Sven L. Franzen

  • C. Berger 6. Juni 2019 08:25

    Hat Marketing nicht auch irgendwie etwas mit Sprache zu tun? „Branding“, „long run“, „eine optimale Option“, „Co-Working-Space“, „Rest des Spaces“… Ein bunter Strauß an sprachlichen Liederlichkeiten und Luftblasen. Die Botschaft, dass es nicht nur auf den Schein und die „Hippness“ ankommt, hätte man anders vielleicht besser bzw. glaubwürdiger übermitteln können.

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