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Gefährdete Branchen Wann werden Sie weggeUBERt?

  • Serie
Die Digitalisierung stellt die Märkte auf den Kopf -
 da können auch einstige Marktführer ganz schnell untergehen.

Die Digitalisierung stellt die Märkte auf den Kopf - da können auch einstige Marktführer ganz schnell untergehen.© flo-flash / photocase.de

Würden Sie darauf wetten, dass es Ihr Unternehmen in zehn Jahren noch gibt? Welche Branchen durch die Digitalisierung besonders gefährdet sind - und was Sie tun müssen, damit Sie und Ihr Angebot auch in Zukunft gefragt sind.

Wer hätte sich je vorstellen können, dass es einstige Marktführer plötzlich nicht mehr gibt oder sie völlig bedeutungslos werden? Was führte dazu, dass Kodak Konkurs ging und Nokias einstige Cashcow, die Handysparte, an Microsoft verkauft werden musste?

In seinen besten Jahren hatte Kodak in den USA einen Marktanteil von rund 90 Prozent und machte einen Umsatz von fast 20 Milliarden US-Dollar. Eine solche Firma ist sich bestimmt täglich siegesgewiss – man ist schließlich Marktführer!

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Ironie des Schicksals: Kodak hatte sogar als erstes Unternehmen eine Digitalkamera entwickelt, doch konnte sie sich intern nicht durchsetzen. Zudem schätzten die Manager den Markt falsch ein: Sie glaubten, Digitalkameras würden vorrangig für Profifotografen entwickelt. Tatsächlich aber wurden Digitalkameras im Hobbybereich abgesetzt. Am 19. Januar 2012 stellte Kodak einen Insolvenzantrag gemäß Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechts.

Nokia hatte den Markt der Mobiltelefone beherrscht. Dann brachte Steve Jobs bei Apple 2007 das iPhone auf den Markt. Nokia hatte mit dem Communicator damals bereits eine Art Smartphone auf dem Markt.

Doch nicht nur Nokia schätzte die Situation falsch ein. Auch Steve Ballmer von Microsoft machte sich über das sehr teure iPhone lustig, das nicht mal eine Tastatur besaß. Doch das iPhone schlug aller Unkenrufe zum Trotz wie eine Bombe ein. Microsoft kaufte die Handysparte von Nokia, wurde damit aber nicht erfolgreich.

Würden Sie also Ihr gesamtes Vermögen darauf setzen, dass es Ihr Unternehmen in zehn Jahren noch gibt? Das wäre sehr riskant – denn es kann jedes Unternehmen treffen, wirklich jedes.

Welche Branchen sind gefährdet?

Wenn Sie in den Branchen Bergbau, Öl, Gas und Chemie aktiv sind, müssen Sie sich aktuell noch keine großen Sorgen machen. Ebenso ist das Bauwesen weniger gefährdet.

„Deloitte Digital“ und „Heads! Executive Consultancy“ haben in ihrer Untersuchung „Disruption Map nach Industrien“ die Branchen in einem Portfolio in vier Bereiche eingeteilt: Dabei definierten sie auf der Achse für den Zeitverlauf die lange und die kurze „Lunte“ und auf der Achse für die Einflussstärke den großen und den kleinen „Knall“. Je nach Quadrant werden die Branchen langsamer oder schneller bzw. lauer oder heftiger von der Disruption betroffen sein:

Quelle: Broschüre „Überlebensstrategie Digital Leadership“ und Analysen von Heads! Executive Consultancy und Deloitte Digital, April 2015

 

  • Quadrant unten rechts: Die Branchen Bergbau, Öl, Gas und Chemie müssen sich wegen der Digitalisierung weniger Sorgen machen. Darum sind sie im Quadranten lange Lunte/kleiner Knall eingeteilt.
  • Quadrant unten links: Das Bauwesen wird vermutlich bald von der Digitalisierung betroffen sein, der Knall dürfte aber eher klein sein.
  • Quadrant oben rechts: Großen Einfluss (großer Knall), dafür etwas später (lange Lunte), dürfte die Digitalisierung in den Branchen Regierung, Energieversorgung, Produktion, Landwirtschaft, Gesundheits- und Transportwesen haben.
  • Quadrant oben links: Am meisten Sorgen müssen sich Unternehmen und ihre Mitarbeiter in den folgenden Branchen machen: Einzelhandel, Informations- und Kommunikationstechnologien, Medien, Freizeit und Reisen, Banken, Versicherungen, Professional Services, Gastronomie, Bildung und Immobilien. Dort werden eine kurze Lunte und ein großer Knall erwartet. Es wird also schnell und heftig gehen.

Wie können Unternehmen dafür sorgen, dass sie nicht weggeUBERt werden?

Oft sind Firmen für die digitale Transformation noch nicht bereit: Es fehlt einerseits an der Unternehmenskultur und andererseits an „digitalen“ Mitarbeitern.

Digital denkende Mitarbeiter zu finden, wird aber immer leichter. Gerade jüngere Menschen sind schnell begeistert von den digitalen Möglichkeiten. Unternehmen brauchen mehr Arbeitnehmer mit genau dieser Denkweise, denn sie sind es, die eine neue Kultur in die Unternehmen bringen: eine völlige Offenheit gegenüber digitalen Megatrends – und die Bereitschaft, etwas Neues zu wagen.

Ebenso wichtig ist eine neue Fehlerkultur: Man muss Fehler zulassen. Martin Wild, der neue Chief Digital Officer bei MediaSaturn, fasste es in einem Interview in der „Internet World Business“ vom 13. März 2017 so zusammen: „We try fast, we fail fast and we adjust even faster” (“Wir probieren es schnell aus, wir scheitern schnell und wir korrigieren schnell”). Genau diese neue Denkweise braucht es im Unternehmen.

Ich selbst lernte in den 80er- und 90er-Jahren noch, dass Qualität vor Quantität komme. Das ist völlig veraltet. Nichts spricht gegen Qualität, doch müssen heute Qualität UND Geschwindigkeit stimmen.

Also, brechen Sie zu neuen Ufern auf und wagen Sie etwas! Dazu wünsche ich Ihnen viel Mut und Zuversicht.


Kreative Zerstörer – Die Duell-Serie

Polaroid, Quelle, Mannesmann. Das waren mal Weltkonzerne. Heute sind sie verschwunden, verdrängt durch Newcomer. Kreative Zerstörer, so nennt man die Start-ups, die Märkte durcheinanderwirbeln. Aber manchmal zeigen auch die Etablierten, was in ihnen steckt.

Wem gehört die Zukunft? Start-ups oder Traditionsunternehmen? Wir lassen die Kontrahenten gegeneinander antreten.

Alle Duelle, alle Hintergründe – auf www.kreative-zerstoerer.de

1 Kommentar
  • Frank Colling 11. Dezember 2017 17:20

    Na ja, ganz so dumm sind die Jungen auch nicht. Das sie zwar als „digital natives“ allem Digitalen offen und positiv gegenüber stehen, sich aber letztendlich selbst wegrationalisieren sollen und wollen, darauf würde ich nicht hoffen!!!

    Leider ist der gedankliche Ansatz der „Kreativen Zerstörung“ wenig zielführend in einem ganzheitlichen Transformationsprozess, denn Zerstörung ist und bleibt destruktiv. Ein eher konstruktiv geprägter Ansatz wäre die Evolution, hierbei jedoch ohne Aussage zur Zeitachse… Und das Quantität vor Qualität kommt, ist leider an vielen Orten zu spüren, darum sind die Kunden auch „begeistert“, wenn sie Konsumgüter (Non-Food) viermal kaufen müssen, bevor sie endlich einmal gute Qualität zu gerechtfertigten Preisen erstehen.

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