Kostenvoranschlag Was wird’s kosten? Was Sie über Kostenvoranschläge wissen sollten 

Pi mal Daumen: In einem Kostenvoranschlag müssen entstehende Kosten nur geschätzt werden.

Pi mal Daumen: In einem Kostenvoranschlag müssen entstehende Kosten nur geschätzt werden. © Seleneos / photocase.de

Was muss in einem Kostenvoranschlag stehen? Darf man ihn überziehen? Und kann man ihn in Rechnung stellen? Die wichtigsten Fragen und Antworten. 

Kunden wollen oft schon im Voraus wissen, wie viel sie für etwas zahlen müssen, bevor sie einen Auftrag erteilen. Sie verlangen einen Kostenvoranschlag. Doch was bedeutet das für den Unternehmer? Was muss er bei der Preiskalkulation beachten? Und wie lange ist ein Kostenvoranschlag gültig? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was muss in einem Kostenvoranschlag stehen?

Der Kostenvoranschlag enthält die voraussichtlich entstehenden Kosten. Er ist also nichts anderes als eine Schätzung. Neben den ungefähren Kosten sollte er auch aufschlüsseln, auf welchen Kriterien diese Schätzung basiert. Zu dieser sogenannten Berechnungsgrundlage des Kostenvoranschlags gehören folgende Punkte:

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  • Art und Umfang der Arbeiten, die ausgeführt werden sollen
  • die geschätzte Arbeitszeit
  • die geschätzten Arbeitskosten: Der Stundenlohn kann variieren. Zum Beispiel macht es bei einem Malereibetrieb einen Unterschied, ob der Meister die Arbeiten ausführt oder der Azubi.
  • die Materialkosten: Ein Anstreicher müsste beispielsweise auflisten, was er für die Arbeiten voraussichtlich alles braucht und wie viel das im Einzelnen kostet. Zum Beispiel: 40 Liter Farbe (35 Euro), 20 Quadratmeter Abdeckmaterial (5 Euro), Farbrolle (7 Euro).
  • der Zeitraum: Es sollte ein konkretes Datum genannt werden, bis wann der Kostenvoranschlag gilt.

Ist der Kostenvoranschlag verbindlich?

„Das Gesetz geht davon aus, dass ein Kostenvoranschlag unverbindlich ist. So lässt sich aus Paragraf 650 BGB ableiten, dass der Kostenvoranschlag lediglich eine fachliche Berechnung der voraussichtlichen Kosten, also eine Kostenschätzung ist“, sagt Rechtsanwältin Katja Küpper.

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Doch auch wenn demnach der Unternehmer keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben übernimmt: Nicht jedem Kunden ist klar, dass es sich nur um eine unverbindliche Kostenschätzung handelt. Küpper empfiehlt darum, darauf hinzuweisen: „Entweder man schreibt als Unternehmer ausdrücklich in den Kostenvoranschlag, dass dieser unverbindlich ist, oder aber man macht nur Circa-Angaben.“

Wie lange ist ein Kostenvoranschlag gültig?

Dafür gibt es keine allgemeingültige Regelung. Dennoch sollte man mit einem konkreten Datum eine Frist setzen. Warum? „Wenn zum Beispiel ein Kunde erst ein halbes Jahr später auf den Kostenvoranschlag zurückkommt, aber die Materialkosten in der Zwischenzeit gestiegen sind, kann dies schnell zum Streitpunkt werden“, erklärt Küpper.

Generell sollte die Gültigkeitsdauer eher kürzer als länger gehalten werden. Die Juristin empfiehlt maximal sechs Wochen. Dabei sollte man sämtliche Umstände im Blick behalten, auch die nicht-finanziellen. Macht zum Beispiel ein Bäcker im Oktober einen Kostenvoranschlag für die Lieferung von 20 Weihnachtsstollen, sollte er dabei bedenken, dass Mitte Dezember viele seiner Angestellten ihren Resturlaub nehmen und er den Auftrag möglicherweise dann nicht mehr ausführen kann. Setzt er eine Frist bis zum 30. November, kommt er nicht in die Bredouille.

Wie weit darf man den Kostenvoranschlag überziehen?

„Der Kostenvoranschlag ist grundsätzlich unverbindlich; unwesentliche Überschreitungen müssen die Kunden daher akzeptieren. Er kann aber nicht ohne Rechtsfolgen ins Unendliche überzogen werden“, sagt die Juristin. Wann eine Abweichung wesentlich ist, hängt meist vom Einzelfall ab. „Es hat sich in der Rechtsprechung eine Art Richtschnur herausgebildet, wonach es sich ab einer Überschreitung von 15 bis 20 Prozent um eine wesentliche handelt“, erklärt Küpper. Der Unternehmer muss den Besteller dann unverzüglich darüber informieren (§ 650 Abs. 2 BGB). In der Folge kann der Besteller entscheiden, ob er den Vertrag zu dem höheren Preis fortführen oder ob er außerordentlich kündigen möchte.

Mehr als eine Richtschnur sei diese 15-bis-20-Prozent-Regelung laut Küpper allerdings nicht. Man wolle die Unternehmer mit dieser Regelung dazu anhalten, seriös zu kalkulieren, ohne sich auf den Cent genau festlegen zu müssen. „Wann eine Überschreitung wesentlich ist, hängt auch ein wenig von den Gesamtkosten ab. Bei einem Auftrag über 100.000 Euro sind 10 Prozent natürlich mehr, als wenn es nur um 2000 Euro geht“, sagt Küpper.

Kann man einen Kostenvoranschlag in Rechnung stellen?

Einen Kostenvoranschlag zu machen, kostet Arbeitszeit, die sich viele gern bezahlen lassen wollen. Doch das Gesetz sieht dies nicht vor. In § 632 Absatz 3 BGB heißt es: „Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten.“ Was ist mit „im Zweifel“ gemeint? „Das bedeutet, er ist nur dann zu vergüten, wenn dies ausdrücklich vorher vereinbart wurde. Das geht nicht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Ich kann also nicht einfach in meine AGBs schreiben, dass Kostenvoranschläge grundsätzlich kostenpflichtig sind“, sagt Küpper. Unternehmer können dies nur individuell über einen Extra-Vertrag aushandeln. Wenn man für einen Kostenvoranschlag aufwändige Pläne, Berechnungen oder Ähnliches erstellen muss und sich dies bezahlen lassen möchte, sollte man dies im Vorfeld vertraglich vereinbaren.

Was ist der Unterschied zwischen Kostenvoranschlag und Angebot?

Das Angebot ist im Gegensatz zum Kostenvoranschlag in Umfang und Höhe für den Unternehmer bindend. Wer ein Angebot macht, das der Kunde annimmt, kann den Preis im Nachhinein nicht mehr ändern.

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