Unternehmen weiterentwickeln Statt guter Vorsätze: Stellen Sie sich 3 Fragen!

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  • Nikolaus Förster
Nicht allen Unternehmen gelingt es, das unternehmerische „Niemandsland“ zu passieren. Nutzen Sie deshalb die ruhige Zeit des Jahreswechsels und hinterfragen Sie, wie sich Ihr Unternehmen entwickelt.

Nicht allen Unternehmen gelingt es, das unternehmerische „Niemandsland“ zu passieren. Nutzen Sie deshalb die ruhige Zeit des Jahreswechsels und hinterfragen Sie, wie sich Ihr Unternehmen entwickelt.© Mella / photocase.de

Vergessen Sie gute Vorsätze fürs neue Jahr! Nutzen Sie die Zeit lieber, um Distanz zu Ihrer Firma zu gewinnen – und sich drei fundamentale Fragen zu stellen. Nur so entdecken Sie, ob auch Sie im „Niemandsland“ gefangen sind.

Was bleibt von 2016? Welche Bilder? Welche Szenen? Welche Gefühle? Bei impulse fühlt es sich nicht so an, als seien wir – knapp vier Jahre nach dem Management-Buy-out im Januar 2013 – bereits angekommen. Wir sind mitten dabei, impulse neu auszurichten: von einem Verlag, in dem sich fast alles um das Printmagazin drehte, zu einem Dienstleister, der alle Kanäle – auch das Digitale und den persönlichen Austausch – nutzt, um Unternehmern Impulse – also Ideen, Tipps und Kontakte – zu vermitteln.

Es ist ein gewaltiger Kraftakt. Ob ich ahnte, worauf ich mich beim Neustart einließ, wurde ich auch in diesem Jahr häufiger gefragt – von Journalisten, aber auch von Unternehmern. „Nein“, antworte ich dann stets. „Manchmal ist es ganz gut, nicht alles zu wissen, was auf einen zukommt.“ Ob ich den Schritt bereue? „Nein, keineswegs!“

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Wer Unternehmer ist, versteht, welch große Bedeutung die eigene Unabhängigkeit hat. Die persönliche Freiheit wiegt vieles auf: das unkalkulierbare Risiko, den allgegenwärtigen Stress und viele, viele Stunden fehlenden Schlaf.

Gute Zeiten für Querdenker und Unternehmer

In der Medienbranche lässt sich gerade hautnah erleben, mit welcher Geschwindigkeit die Digitalisierung neue Kräfte freisetzt. Zu lange haben Verleger Informationen von A nach B transportiert. Sie verwandelten sich in Spediteure von Buchstaben, Wörtern und Bildern – und bemerkten nicht, wie ihnen ihr einstiges Monopol abhandenkam: die Schaffung von Öffentlichkeit.

Heute – in einer Zeit, in der jeder Einzelne etwas veröffentlichen und sekundenschnell eine weltweite Öffentlichkeit erreichen kann – sind sie gezwungen, ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln: schlechte Zeiten für Status-quo-Liebhaber und Besitzstandswahrer, gute Zeiten für Querdenker und Unternehmer. Was für die einen zerstörerisch wirken mag, zeigt zugleich seine schöpferische Seite: „kreative Zerstörung“, so wie sie der Ökonom Joseph Schumpeter beschrieben hat.

Welche Chancen solche Marktveränderungen bieten, hat mich immer fasziniert und war ein Grund, warum ich mich vor knapp vier Jahren entschied, impulse zu übernehmen – und neu zu starten. Vieles haben wir seitdem verändert und auf den Weg gebracht.

2016 sind wir digital stark gewachsen, mit dem Titel „Mein größter Fehler“ ist uns der Einstieg ins Buchgeschäft gelungen, und die impulse-Akademie konnten wir weiter ausbauen. Langsam spricht sich herum, dass unser Ansatz (Storytelling, Visioning, Strategie etc.) für Unternehmer und Führungskräfte sehr attraktiv ist. Unsere Akademie-Kunden reichten in diesem Jahr vom Gründer bis zum Dax-Konzern.

Wie so viele andere Firmen befinden auch wir uns im „Niemandsland“

So gut die externen Reaktionen auf impulse auch sein mögen, darauf können wir uns nicht ausruhen. Wir sind wir mitten dabei, neue Grundlagen zu schaffen, um die nächsten Entwicklungsschritte gehen zu können. Noch haben wir unsere internen Hausaufgaben nicht vollständig gemacht. Wir konnten unseren Verlag nach dem MBO ja nicht Schritt für Schritt aufbauen, sondern mussten von jetzt auf gleich „funktionieren“: Das Magazin musste ohne Unterbrechung erscheinen, wir brauchten eine neue Website, mussten telefonisch erreichbar sein, Rechnungen verschicken können etc.

Was beim Neustart in der Schnelligkeit des Management-Buy-outs zu kurz kam, holen wir jetzt nach – auch wenn dies mühsam ist. Dabei geht es um konkrete Fragen: Wie gut laufen interne Absprachen? Wie effizient sind die Abläufe? Wie aussagekräftig sind – um ein weiteres Beispiel zu nennen – die Kennzahlen, die wir erheben? Festhalten lässt sich auf jeden Fall: Wir sind noch längst nicht am Ziel.

Wie so viele andere Firmen befinden auch wir uns im „Niemandsland“ – ein Begriff, den der US-Autor Doug Tatum vor zehn Jahren mit seinem lesenswerten Buch „No man’s land“ geprägt hat. So lange Unternehmen noch überschaubar sind, also maximal 20 Mitarbeiter haben, sind sie meist stark vom Gründer abhängig. Entwickeln sie sich weiter, dann bedarf es professionellerer Strukturen. Daran allerdings scheitern die meisten Firmen.

Nicht allen gelingt es, dieses unternehmerische „Niemandsland“ zu passieren – weil sie sich nicht von der Fokussierung auf den Inhaber lösen, ihre Produkte oder Dienstleistungen nicht mehr vom Markt angenommen werden, das Team mit anspruchsvolleren Aufgaben überfordert ist, sich das Geschäftsmodell nicht skalieren lässt oder es an Kapital für wichtige Investitionen mangelt.
Sollten Sie das Gefühl haben, in einer ähnlichen Situation zu stecken, sich im „Niemandsland“ zu befinden, dann trösten Sie sich: Sie sind nicht allein! Trost bringt Ihnen aber nichts. Eher schon Hinweise, die Ihnen dabei helfen, Ihr Unternehmen weiterzuentwickeln.

Nehmen Sie sich Zeit, mit etwas Distanz auf Ihr Unternehmen zu schauen

Sollten Sie also noch auf der Suche nach einem guten Vorsatz für das neue Jahr sein, so rate ich Ihnen: Machen Sie keine hehren Vorsätze (die ohnehin meist schon kurz nach dem Neujahrstag vergessen sind)! Nehmen Sie sich lieber (so wie ich gerade) die Zeit, mit etwas Distanz auf Ihr eigenes Unternehmen zu schauen.

Ich greife – in Anlehnung an die brillante Analyse von Doug Tatum – drei Fragen heraus, die Sie sich zum neuen Jahr (und dann immer wieder …) stellen könnten. Sie mögen auf den ersten Blick banal klingen, sie sind es aber nicht, da sie in den Kern dessen vordringen, was Sie machen und ausmacht. Aus eigener Erfahrung und aus Gesprächen mit unzähligen Unternehmern weiß ich, wie groß die Versuchung ist, solche fundamentalen Fragen auszublenden. Mein Rat: Tun Sie es nicht.

Hier also die erste Frage:

Wie gut haben Sie Ihre Kunden im Blick?

Solange eine Firma klein ist, haben Sie alles unter Kontrolle. Die Kunden schätzen, was Sie tun. Sie stiften ihnen einen spürbaren Nutzen. Was aber, wenn Ihre Firma wächst und sich auch die Märkte weiterentwickeln, etwa durch neue Kundenwünsche und neue Kanäle, etwa durch die Digitalisierung? Wie kann es Ihnen gelingen, dass auch dann noch Ihre gesamte Firma gut darin ist, das zu tun, was Sie als einzelner Unternehmer getan haben – was Sie jetzt aber nicht mehr alleine leisten können? Wo stiften Sie wirklich einen Nutzen für Ihre Kunden?

Anders gefragt: Wo sind Ihre Schwachpunkte? Welche internen Prozesse müssen Sie verbessern? Und wie können Sie am besten messen, ob Sie tatsächlich erfolgreich sind?

Wie professionell ist Ihr Team?

Wenn sich ein Unternehmer weiterentwickelt, hat dies auch Auswirkungen auf das Team – und dies kann sehr schmerzhaft sein. Sich gerade von langjährigen Mitarbeitern zu trennen, fällt vielen Unternehmern schwer, aber es ist manchmal notwendig. Es bedarf eines Teams, das an ein gemeinsames Ziel glaubt und bereit zu Veränderungen ist.

Ich habe noch gut den Satz im Kopf, den mir 2016 eine Kollegin sagte, die sich dazu entschied, impulse zu verlassen: „Das ist nicht mehr mein Unternehmen!“, sagte sie. So schmerzhaft dies in der Situation auch sein mag – so sinnvoll kann eine Trennung in solch einem Fall sein.

Es geht aber nicht nur um die Zusammensetzung des Teams. Auch Sie selbst müssen lernen, mehr zu delegieren. Sie müssen die richtigen Leute an Ihrer Seite haben, die in ihrem Bereich erstklassig und in der Lage sind, etwas professionell umzusetzen. Doug Tatum hat dies mit einer Fußballmannschaft verglichen: Während in Amateurmannschaften jeder irgendwie irgendwo spielt, ist dies bei Profis undenkbar: Dort füllt jeder mit seinen Fähigkeiten eine bestimmte Position aus – und führt so das Team zum Erfolg.

Wie profitabel arbeiten Sie?

In der frühen Phase eines Unternehmens stellt sich Erfolg oft deshalb ein, weil ein Team unter größter Kraftanstrengung und geringen Löhnen Außergewöhnliches leistet. Dies kann eine Weile gut gehen, nicht aber auf Dauer. Fragen Sie sich also: Würden Sie auch Geld verdienen, wenn „normale“ Mitarbeiter zu „normalen“ Gehältern einen „normalen“ Job leisten würden? Falls das nicht der Fall ist, sollten Sie sich noch einmal im Detail Ihr Geschäftsmodell anschauen: Wo erzielen Sie die höchste Wertschöpfung? Und wie können Sie Ihr Unternehmen so verändern, dass Sie sich mit Ihrem künftig darauf konzentrieren?

Wenn Sie bei diesen drei Fragen – nach dem Kundennutzen, der Professionalität des Teams und der Wertschöpfung – abwinken, weil Sie alles im Griff haben, dann gratuliere ich Ihnen! Falls nicht, nutzen Sie die ruhigere Zeit zu Jahresbeginn, um sich ausgiebiger mit diesen Fragen zu beschäftigen – am besten im Austausch mit anderen Unternehmern, die ihre eigenen Erfahrungen beitragen können. Es lohnt sich!

Vielleicht können Sie in einem Jahr ja sagen, dass Sie das „Niemandsland“ verlassen haben.


Mein größter Fehler – Das Buch

Über Erfolge reden? Kann jeder. Wahre Größe zeigt, wer auch über seine Niederlagen spricht. Über acht Jahre hinweg hat die impulse-Redaktion Unternehmer nach ihren größten Fehlern gefragt. 91 haben ausgepackt – von Dirk Roßmann über OBI-Gründer Manfred Maus bis zu Vural Öger. Bestellen Sie das Buch jetzt!

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3 Kommentare
  • Hans Kloe 15. Oktober 2017 18:20

    Dem Kommentar von Herrn Stuber ist nichts hinzu zu fügen.

  • Zellner Gerhard 2. Januar 2017 10:05

    Besten Dank an impulse für diesen «auf den Punkt gebrachten» Bericht mit die aufgeführten 3 zentralen Fragen eines jeden Unternehmers.

  • Walter Stuber 1. Januar 2017 15:58

    Sehr geehrte Damen und Herren
    ich habe mir das Buch gekauft, leider vermisse ich hier die Fehler von klein Unternehmer und Mittelständler, und dazu die Anregung wie man es besser lösen kann. Unternehmer wie Herr Maus bekommt immer wieder Geld bei den Banken, da mehrere tausend Arbeitplätze auf dem Spiel stehen wen. ein persönlicher Fehler eintritt. Wir als ein mittelständisches Spezialgerüstbau- Unternehmen mit 50 Mitarbeiter müssen diese Fehler sofort mit dem benötigten Eigenkapital ausgleichen, oder die Gläubiger melden einem die Insolvenz an. Leider bekommt nan in Deutschland kein Geld von einer Bank für eine Vision die erst nach 10-15 Jahren Früchte trägt. Da haben Unternehmen in den USA einen klaren Vorteil.

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