Tipps geben, aber richtig
Du gibst oft Ratschläge? Lass es!

Jemand erzählt von einem Problem und bei Geschäftsführerin Nicole Basel beginnt es im Kopf zu rattern. Doch statt nach Ratschlägen zu suchen, sollte man lieber zuhören. Und schweigen.

18. Juni 2026, 10:25 Uhr, von Nicole Basel, Geschäftsleiterin

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Monster-Gesicht aus Post-its
© MirageC / Moment / Getty Images
Führungsfragen - Die Kolumne
 
Nicole Basel ist als Geschäftsleiterin und bei impulse für die Produktentwicklung und das Marketing zuständig. Von 2020 bis 2026 war sie Chefredakteurin und leitete die 20-köpfige Redaktion. Ihre Überzeugung: Niemand kommt als perfekte Führungskraft auf die Welt, aber jeder kann an sich arbeiten. An dieser Stelle schreibt sie über Fragen, die sie als Chefin beschäftigen. Mit ihrem Newsletter „Erfolgreich Führen" erreicht sie jede Woche 18.000 Menschen – und teilt dort offen Fehler, Erfolgserlebnisse und Erfahrungen.

Ich zweifle gerade daran, ob ich lernfähig bin.

Vor etlichen Jahren sagte der Führungstrainer Maic Staebler einen wichtigen Satz zu mir. Er meinte: „Nicole, wenn du im Gespräch mit deinen Mitarbeitern immer gleich eine Lösung lieferst, dann kommen die Leute nur noch mit Problemen zu dir.“

Ich habe den Satz direkt aufgeschrieben und über meinen Schreibtisch gehängt. Denn ich wusste: Maic lag genau richtig. Sobald ich von einem Problem hörte, ratterte mein Hirn los, wie man es lösen könnte. Und sobald mein Gehirn eine Lösung hatte, spuckte mein Mund sie als gut gemeinten Ratschlag aus.

Bei Führungskräften ist das Ratschlag-Monster besonders ausgeprägt

Die Führungsliteratur spricht vom Ratschlag-Monster. Und wir alle haben so ein Monster in uns. Bei Führungskräften (und Eltern) ist es oft besonders stark ausgeprägt. Wenn das Ratschlag-Monster in einem Gespräch die Kontrolle übernimmt, dann hören wir nicht mehr richtig zu. Denn unser Gehirn ist längst damit beschäftigt, die Lösung zu formulieren. Das ist vielleicht gut gemeint, aber selten sinnvoll.

Erstens: Die Ratschläge, die wir verteilen, sind oft nicht wirklich hilfreich. Denn wenn wir nicht zugehört und kaum nachgefragt haben, ist es unwahrscheinlich, dass wir das Problem richtig verstanden haben.

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Zweitens: Wenn das Ratschlag-Monster aktiv ist, laden wir uns die Verantwortung auf, alle Antworten haben zu müssen. (Und beschweren uns später darüber, dass andere nicht mitdenken.)

Wer Lösungen gibt, liefert auch eine unangenehme Botschaft

Drittens (und das ist die schlimmste Folge): Wer auf der Empfängerseite des Ratschlag-Monsters sitzt, der bekommt konstant eine Botschaft vermittelt: Du kriegst das alleine nicht hin. All das weiß ich.

Nun saß ich im April wieder in einem Seminar von Maic. Wir übten Mitarbeitergespräche. Keine zwei Minuten später war es wieder da: mein Ratschlag-Monster. Plötzlich formulierte ich Lösungen. Oder tarnte sie perfide als Frage: „Wie wäre es denn, wenn du …?“

Und ich fragte mich: Kann es sein, dass ich mich in all den Jahren kein Stück weiterentwickelt hatte? Aber dann wurde mir klar: Führung ist nichts, was man einmal lernt und dann beherrscht. Mitarbeiterführung ist wie ein Muskel, den man immer wieder trainieren muss, um nicht in alte Muster zurückzufallen.

Deshalb habe ich mir zur Abwechslung selbst einen Ratschlag gegeben: Beobachte dein Ratschlag-Monster. Sag ihm, es soll die Klappe halten. Übe dich in echter Neugier. Und: Geh mindestens einmal im Jahr zu Maic ins Seminar.

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