Nicole Basel ist bei impulse Geschäftsleiterin Marketing und Produkt. Ihre Überzeugung: Niemand kommt als perfekte Führungskraft auf die Welt, aber jeder kann an sich arbeiten. An dieser Stelle schreibt sie über Fragen, die sie als Chefin beschäftigen. Mit ihrem Newsletter „Erfolgreich Führen" erreicht sie jede Woche 18.000 Menschen – und teilt dort offen Fehler, Erfolgserlebnisse und Erfahrungen.
Theoretisch müsste ich in Sachen Selbstführung eine Göttin sein. Mein Job bringt es schließlich mit sich, dass ich immer die neuesten Selbstmanagementbücher zu Hause habe. Ich lese Newsletter, höre Psychologie-Podcasts beim Spazierengehen, manchmal sogar beim Kochen. Ich bin also gut versorgt mit klugen Gedanken, wie man sein Leben smart gestaltet, stets gut mit seinen Mitmenschen auskommt und an Herausforderungen wächst, anstatt daran zu zerbrechen.
Das Problem: All das Wissen bringt mir nichts, wenn ich es im entscheidenden Moment nicht abrufen kann. Wenn ich im Stress bin, es Ärger gibt, Dinge schieflaufen, dann hilft mir kein Framework mit fünf Stufen und sieben Dimensionen. Dann brauche ich kurze, simple Sätze, die im richtigen Moment mein Denken ändern.
„Das ist kein Fehler. Das soll so.“
Ein Satz, der mir schon unzählige Male geholfen hat, kommt nicht von einer Selbstmanagementkoryphäe, sondern aus der Software-Entwicklung. Er lautet: „This is not a bug, it’s a feature.“ Also sinngemäß: „Das ist kein Fehler. Das soll so.“
Der Satz hilft mir, die Perspektive zu wechseln: Ein Produktlaunch floppt? Ist ärgerlich – aber vielleicht soll das ja so. Denn womöglich hilft uns das Scheitern, neue, mutige Ideen zu entwickeln. Schließlich entsteht Innovation meist nicht, wenn alles läuft. Sie entsteht, wenn wir gezwungen sind, kreativ zu werden.
Ein wichtiger Mitarbeiter kündigt? Erst mal Mist, klar. Aber was, wenn genau das der Moment ist, in dem für andere im Team Platz wird, ihr Potenzial zu entfalten? Wenn wir Rollen und Zuständigkeiten neu denken können? Wenn wir uns ehrlich fragen müssen, wie wir unser Team weiterentwickeln und verstärken können?
Mir geht es nicht darum, Dinge schönzureden. Es geht mir darum, den Blick zu weiten.
Wofür könnte das gut sein?
Unsere natürliche Reaktion, wenn etwas nicht so läuft wie geplant, ist fast immer: Widerstand. Ärger. Frust.
Der Satz unterbricht das. Er stellt eine andere Frage: Wofür könnte das gut sein? Natürlich ist nicht jede schwierige Situation automatisch eine Chance.
Aber meine Erfahrung ist: Erstaunlich viele werden zu einer – wenn man sie so behandelt.

