Miteinander reden
Was bleibt in meinem Team ungesagt?

impulse-Geschäftsleiterin Nicole Basel ist überzeugt: Viele Unternehmen überschätzen ihre Offenheit. Wie gut ist dein Team darin, unbequeme Wahrheiten auszusprechen?

21. Juli 2026, 08:05 Uhr, von Nicole Basel, Geschäftsleiterin

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Ilustrierte Gesichter
© johnwoodcock / Getty Images
Führungsfragen – Die Kolumne
Nicole Basel ist impulse-Geschäftsleiterin und für die Produktentwicklung und das Marketing zuständig. Von 2020 bis 2026 war sie Chefredakteurin und leitete die 20-köpfige Redaktion. Ihre Überzeugung: Niemand kommt als perfekte Führungskraft auf die Welt, aber jeder kann an sich arbeiten. An dieser Stelle schreibt sie über Fragen, die sie als Chefin beschäftigen. Mit ihrem Newsletter „Erfolgreich Führen" erreicht sie jede Woche 18.000 Menschen – und teilt dort offen Fehler, Erfolgserlebnisse und Erfahrungen.

Der Paarforscher John Gottman wurde berühmt, weil er anhand der Kommunikation von Paaren mit über 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit vorhersagen konnte, ob eine Beziehung hält. Seine zentrale Erkenntnis: Glückliche Paare streiten nicht weniger. Sie streiten besser. Sie hüten sich vor Verachtung, rutschen nicht in Abwertung ab und weichen Konflikten nicht aus. Sie bleiben im Gespräch.

Für mich neu: Das Scheitern von Projekten in Unternehmen lässt sich mit ähnlicher Treffsicherheit vorhersagen. Ein US-Forschungsteam untersuchte über 20 Jahre hinweg die Kommunikation in Teams, mit mehr als 100.000 Probanden. Die Ergebnisse wurden im Bestseller „Crucial Conversations“ veröffentlicht. Um den Misserfolg eines Projekts vorherzusehen, mussten die Forschenden weder Strategien analysieren noch Projektpläne bewerten. Sie brauchten nur die Antwort auf eine simple Frage: Sind die Beteiligten in der Lage, schwierige Gespräche zu führen?

In erfolgreichen Teams werden unbequeme Wahrheiten ausgesprochen

Widersprechen die Mitarbeitenden etwa, wenn ihnen unrealistische Ziele vorgelegt werden? Sagen sie, wenn die Projektkoordination nachlässt? Kommt es auf den Tisch, wenn jemand seine Führungsaufgabe nicht ernst nimmt?

Das Ergebnis war eindeutig: Der Schlüssel erfolgreicher Teams liegt darin, dass alle Beteiligten Verantwortung einfordern – voneinander, von den Führungskräften, von sich selbst. Und dass unbequeme Wahrheiten nicht nur gedacht, sondern ausgesprochen werden.

Ich las das Buch und fragte mich: Wie ist das eigentlich bei uns? Reden wir im Team übereinander oder miteinander? Und wie reagiere ich persönlich auf Kritik – mit Neugier, mit Rechtfertigung oder indem ich zurückschieße?

Bist du wirklich so offen für Feedback, wie du denkst?

Ich glaube: Viele Unternehmen überschätzen ihre Offenheit. Auf dem Papier sind alle für Feedback, Verantwortung und klare Worte. Im Alltag aber wird ein kritischer Satz oft so lange weichgespült, bis niemand mehr weiß, was gemeint war. Oder ein Problem wird vertagt, weil gerade so viel los ist.

Erfolgreiche Unternehmen sind nicht konfliktfrei. Sie sind konfliktfähig. Und der Weg dahin beginnt bei mir als Führungskraft: nachfragen, was ich übersehe. Aushalten, wenn Meinungen aufeinanderprallen. Kritik nicht als Angriff behandeln.

Konfliktfähigkeit ist keine Charakterfrage. Sie ist eine Fähigkeit – und wie jede Fähigkeit lässt sie sich trainieren. Der erste Schritt: aufhören so zu tun, als wären wir bereits Meister darin.

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