Arbeitszeitkonto So setzen Sie die Arbeitszeit Ihrer Mitarbeiter clever ein
Zeit ist eine wertvolle Ressource im Arbeitsalltag. Ein Arbeitszeitkonto hilft Arbeitgebern und Mitarbeitern, Arbeitsstunden flexibel einzusetzen.

Zeit ist eine wertvolle Ressource im Arbeitsalltag. Ein Arbeitszeitkonto hilft Arbeitgebern und Mitarbeitern, Arbeitsstunden flexibel einzusetzen.© orn_france /iStock / Getty Images Plus

Arbeitszeitkonten bieten mehr Flexibilität im Firmenalltag. Allerdings müssen Unternehmer einiges beachten, wenn sie Mitarbeiter Stunden ansparen und abfeiern lassen.

Manchmal herrscht einfach Flaute. Dann ist im Unternehmen so wenig zu tun, dass einige Mitarbeiter ihre Zeit mehr oder weniger absitzen. Wirtschaftlich ein Graus. Warum also die Mitarbeiter nicht einfach nach Hause schicken und sie die Stunden nachholen lassen, wenn das Geschäft brummt und sich die Arbeit stapelt? Arbeitszeitkonten räumen Arbeitgebern und -nehmern diese Flexibilität ein.

Was ist ein Arbeitszeitkonto?

Ein Arbeitszeitkonto funktioniert wie ein Girokonto: Statt Geld kann man dort Zeit verbuchen. So können Mitarbeiter beispielsweise Überstunden ansparen und bei Bedarf in Abstimmung mit Kollegen und Vorgesetzten abfeiern. Wer ins Minus gerät und Zeitschulden anhäuft, muss die Stunden nachholen.

Was sind die Vorteile eines Arbeitszeitkontos?

  • Mehr Flexibilität: Unternehmer können besser auf eine schwankende Auftragslage reagieren und Mitarbeiter effektiver einsetzen. Allerdings sollten Chefs hier Fingerspitzengefühl zeigen. Haben Mitarbeiter das Gefühl, dass es nur um die Belange des Betriebes geht, werden sie sich dagegen sperren.
  • Mehr Motivation: Überstunden sind nicht unbedingt beliebt bei Mitarbeitern – erst recht nicht am Freitagabend. Arbeitgeber können für solche Mehrarbeit zu unbeliebten Zeiten Zuschläge ausloben. Zum Beispiel: Für jede Überstunde gibt es noch 20 Prozent Zeitguthaben on top.
  • Zufriedenere Mitarbeiter: Starre Arbeitszeiten engen Mitarbeiter ein. Mal eher gehen, wenn das Kind Geburtstag feiert, oder schon Freitagmittag in ein langes Wochenende aufbrechen – das geht meist nicht. Arbeitszeitkonten räumen ihnen diesen Spielraum ein. Zudem stellen sie sicher, dass niemand Überstunden ohne Ausgleich machen muss. Das macht auf Dauer zufriedener. Und zufriedene Mitarbeiter sind in der Regel engagierter und motivierter.

Doch Vorsicht: Arbeitnehmer können Überstunden nicht einfach anhäufen. Es müsse dabei das Arbeitszeitgesetz beachtet werden, warnt Arbeitsrechtler Thomas Griebe. Ein Angestellter darf demzufolge nicht über einen längeren Zeitraum mehr arbeiten als zehn Stunden pro Tag. „Auch wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel abends um 23 Uhr nur 15 Minuten eine E-Mail schreibt, muss er die Ruhezeit einhalten. Er kann also nicht am nächsten Morgen wieder um 7 Uhr anfangen zu arbeiten“, sagt der Anwalt.

Was sind die Nachteile eines Arbeitszeitkontos?

Der Verwaltungsaufwand für ein Arbeitszeitkonto ist höher als bei starren Arbeitszeiten. „Allerdings sind Arbeitgeber ohnehin verpflichtet, Überstunden aufzuzeichnen“, sagt Griebe. Insofern können Unternehmen das in einem Abwasch machen. Der Wunsch nach einem Arbeitszeitkonto komme ohnehin meist von den Mitarbeitern, weil die sich gerne Stunden für ihre Freizeitgestaltung ansparen.

Worauf müssen Chefs bei der Einführung eines Stundenkontos achten?

Grundsätzlich sind Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, Arbeitszeitkonten zu führen. Allerdings steht es ihnen frei. „Wenn ich als Chef eines einführen möchte, kann ich das kraft meines Direktionsrechtes einfach tun“, sagt Griebe. Die Rahmenbedingungen sollten dokumentiert und dem Team mitgeteilt werden, zum Beispiel am schwarzen Brett. Sie im jeweiligen Arbeitsvertrag festzuhalten, davon rät Griebe Unternehmern ab. Dann brauchen sie nämlich das Einverständnis des Mitarbeiters, wenn sie etwas ändern wollen.

Mehr zu den rechtlichen Bedigungen der Arbeitszeiterfassung: Arbeitszeiterfassung: Die Rechtslage – und was sich ändern wird

Wenn es einen Betriebsrat gebe, habe der beim Thema Arbeitszeitkonto allerdings ein Mitbestimmungsrecht. „Das Ob müssen Chefs nicht mit ihm abstimmen, aber das Wie – und am Ende eine entsprechende Betriebsvereinbarung abschließen“, erklärt der Anwalt.

Lesen Sie hier zum Thema Überstundenzuschlag.

Wie muss ein Arbeitszeitkonto geführt werden?

Was die Form des Arbeitszeitkontos betrifft, gibt es keine arbeitsrechtlichen Vorgaben. Wichtig ist allein, dass die Plus- und Minusstunden festgehalten werden. Theoretisch könne es laut Griebe auch auf Karteikarten oder per Stechuhr geführt werden. Praktischer sind spezielle Programme oder Apps fürs Smartphone. „Kleinere Unternehmen arbeiten in der Regel am besten mit kleinen Anwendungen. Gerade wenn Mitarbeiter flexibel arbeiten, sind mobile Systeme praktisch“, sagt Griebe. Es gibt zum Beispiel kostenlose Zeiterfassungs-Apps, die sich Mitarbeiter auf ihr Handy laden können und dann immer bei sich haben. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer haben so immer genau im Blick, wie viele Stunden gearbeitet wurden. Allerdings müsse dabei laut Griebe der Datenschutz beachtet werden.

Welche Probleme kann es geben?

Häufig entbrennt ein Streit um die Frage: Was ist eine Überstunde? „Im rechtlichen Sinne handelt es sich erst um eine Überstunde, wenn sie vom Arbeitgeber angeordnet wurde oder der Arbeitgeber sie nachträglich akzeptiert hat“, sagt der Anwalt. So komme es in der Praxis immer wieder vor, dass Arbeitnehmer die Arbeitszeit ein wenig strecken, indem sie jeden Tag beispielsweise 20 Minuten mehr arbeiten und so Plusstunden sammeln. Mehrarbeit, die eventuell gar nicht nötig war und die der Arbeitgeber nicht wollte. In der Regel falle das niemanden auf. Wenn es aber zur Kündigung komme, könne das heikel werden. Der Gekündigte poche dann darauf, dass er noch beispielsweise 300 Überstunden habe. Allerdings müsse er dann auch beweisen, dass jede Überstunde erforderlich oder angeordnet war.

Dass eine Überstunde im Konto auftaucht, heißt also erst einmal nichts. Sie ist im Streitfall nur ein Indiz. „Erst wenn der Arbeitgeber sozusagen einen Haken daran macht, ist es eine anerkannte Überstunde“, erklärt Griebe. Dieses „Abhaken“ passiere in der Praxis meist durch regelmäßige Kontoauszüge, die der Arbeitnehmer zum Beispiel alle zwei Wochen oder monatlich bekomme. Unternehmer sollten die Arbeitszeitkonten daher regelmäßig prüfen, damit es nicht zu Konflikten kommt.

Was passiert mit Zeitguthaben bei einer Kündigung oder Insolvenz?

Die langfristigste Variante eines Arbeitszeitkontos ist das Lebensarbeitszeitkonto: Auf ihm können Angestellten während ihres gesamten Berufslebens Überstunden ansparen, um zum Beispiel früher in den Ruhestand zu gehen. Da sammelt sich im Laufe der Jahre einiges an Arbeitszeit an. Geht das Unternehmen pleite, müssen die Plusstunden ausgezahlt werden.

Diese besonderen Langzeitkonten müssen Arbeitgeber darum gegen Insolvenz absichern und Rücklagen bilden. Die genauen Regelungen sind in Paragraf 7 e SGB IV festgelegt.

Um den größeren organisatorischen Aufwand zu vermeiden, sollten gerade kleinere Unternehmen eher normale Arbeitszeitkonten führen – und vor allem den Ausgleichszeitraum begrenzen: Zum Beispiel können sie festlegen, dass das Konto zum Jahresende ausgeglichen sein muss. „Das hat auch gesundheitsrechtliche Aspekte: Mehrarbeit soll kompensiert werden, damit kein Arbeitnehmer überbelastet wird“, sagt Griebe.

Auch sollten Unternehmer Grenzen für Plus- und Minusstunden festlegen. Der Arbeitsrechtler empfiehlt kleineren Unternehmen ein Maximum von 100 Plus- und 20 Minusstunden. Eine Absicherung dieser normalen Arbeitszeitkonten ist nicht erforderlich.

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10 Kommentare
  • Thomas 11. Januar 2021 16:56

    Auch ich bezweifle, daß die Geschäftsleitung per Direktionsrecht einfach die Einrichtung eines Zeitkontos, in welchem Überstunden über mehrere Monate gespeichert werden, erzwingen darf.
    Im BGB steht, daß seit 1896 „die Vergütung nach der Leistung der Dienste“ zu entrichten ist.
    Damit gilt der Grundsatz, daß der für die erbrachte Arbeitsleistung fällige Lohn dem Arbeitnehmer gehört und dieser auch innerhalb eines angemessenen Zeitraums, also zum Monatsende, darüber verfügen kann.
    Ich gehe davon aus, daß der Arbeitgeber, nur wenn er besondere, sachliche Gründe geltend machen kann, die Einrichtung eines solchen Kontos, gegen den Willen der Beschäftigten, einrichten kann.

  • Anonymous 2. Januar 2020 21:33

    Hallo,
    die Mehrarbeitsstunden werden dem Stundenkonto gutgeschrieben. Werden diese Mehrarbeitsstunden in der Praxis dann auch mit Zuschlägen (zum Beispiel 25 %) in der monatlichen Abrechnung vergütet oder entfällt das?
    Danke für eine Antwort :)

    Die wollen uns damit abzocken, wieso versteht das hier eigentlich keiner?

  • Anonymous 2. Januar 2020 21:32

    Der Verwaltungsaufwand für ein Arbeitszeitkonto ist höher als bei starren Arbeitszeiten. „Allerdings sind Arbeitgeber ohnehin verpflichtet, Überstunden aufzuzeichnen“, sagt Griebe. Insofern können Unternehmen das in einem Abwasch machen. Der Wunsch nach einem Arbeitszeitkonto komme ohnehin meist von den Mitarbeitern, weil die sich gerne Stunden für ihre Freizeitgestaltung ansparen.

    Ich brauch Geld und keine Freizeit!
    Kommen ja tolle Zeiten auf uns zu!

    Stinksauer bin ich darüber

  • Anonymous 2. Januar 2020 21:30

    Dauert der Urlaub noch an? Bin so gespannt auf eine Antwort!
    Würde gern alle meine Mitarbeiter zu 500 Überstunden im Jahr verknacken und möchte diese nicht bezahlen sondern auf ein imaginäres Konto buchen. Traue mich aber noch nicht so richtig…

    Ich werde bei solchen Sklaventreibern nicht arbeiten!
    Das ist kleinhalten!

    Frechheit-Moderne Sklaverei
    Schämt euch!

  • Nicole 2. Januar 2020 21:28

    Also ich finde dieses Arbeitszeitkonto richtig doof.
    Wenn ich mehr arbeite, dann möpchte ich auch finazielle Vorteile haben!

  • Jürgen Zink 21. November 2019 14:15

    Auf Basis meiner langjährigen Erfahrung im Bereich der Selbstständigkeit und meinem Know-How mit Hinblick auf effektive, moderne Zeitwertkonten kann ich sagen das eines Fest steht:

    Die Wahrscheinlichkeit, dass die Beliebtheit von Zeitwertkonten im Laufe der kommenden Jahre noch weiterwachsen wird, ist hoch. Egal, ob Berufseinsteiger oder Senior und unabhängig von der jeweiligen Branche: der Wunsch nach einer überzeugenden Work- Life-Balance und einer gesteigerten Lebensqualität ist bei Arbeitnehmern (zurecht) präsent.

    Wie wäre es daher, neben dem Laufenden Gehalt, individuell über unvermeidliche Überstunden oder auch Prämienzahlungen verfügen zu können und diese genau so zu nutzen, wie es am besten zum eigenen Leben passt? Je nach verfügbarem Guthaben lässt sich sogar ein früherer Start in dem Ruhestand realisieren.

    Mit einem modernen Zeitwertkonto stellen Vorhaben wie diese keinen Wunschtraum mehr dar! Im Gegenteil! Immer mehr Unternehmen setzen auf diese modernen Modelle, die nicht nur für mehr Freizeit, sondern auch für eine höhere Zufriedenheitsquote im Personalstamm sorgen können.

    Nutzen Sie daher die besonderen Möglichkeiten, die Zeitwertkonten bieten und finden heraus, wie Sie den Alltag Ihrer Mitarbeiter effektiver gestalten und Ihre Fluktuationsrate im Unternehmen senken können!

    Jürgen Zink

  • CSA 18. November 2019 10:49

    Hallo,
    die Mehrarbeitsstunden werden dem Stundenkonto gutgeschrieben. Werden diese Mehrarbeitsstunden in der Praxis dann auch mit Zuschlägen (zum Beispiel 25 %) in der monatlichen Abrechnung vergütet oder entfällt das?
    Danke für eine Antwort :)

  • Waginer, A 15. Oktober 2019 17:17

    Dauert der Urlaub noch an? Bin so gespannt auf eine Antwort!
    Würde gern alle meine Mitarbeiter zu 500 Überstunden im Jahr verknacken und möchte diese nicht bezahlen sondern auf ein imaginäres Konto buchen. Traue mich aber noch nicht so richtig…

  • M. Schmidt 14. August 2019 19:29

    Sehr geehrte Redaktion,

    vielen Dank für den lesenswerten Beitrag. Die Aussage, dass der Arbeitgeber kraft Direktionsrecht einfach die Führung eines Arbeitszeitkontos anweisen kann, hinterlässt bei mir jedoch noch Fragezeichen. § 2 MiLoG schreibt bezüglich des Arbeitszeitkontos vor, dass jenes schriftlich zu vereinbaren sei, also mit den Unterschriften beider Vertragsparteien. Steht das nicht in Widerspruch zueinander?
    Handelt es sich nicht außerdem bei dem „nach Hause schicken“ wegen Auftragsmangel (1. Absatz) um Annahmeverzug i.S.d. BGB?

    • Angelika Unger 15. August 2019 09:14

      Hallo Herr Schmidt,

      die Autorin ist aktuell im Urlaub. Daher bitten wir Sie um etwas Geduld in Bezug auf Ihre Fragen.

      Viele Grüße aus der impulse-Redaktion

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