Inhalt: Darum geht's in diesem Beitrag
- 5 Leitsätze, die dir helfen, dich besser abzugrenzen
- 1. Wer mich ärgert, bestimme immer noch ich.
- 2. Ich verstehe dich absolut, und ich möchte gern was anderes.
- 3. Einigen wir uns darauf, dass wir uns nicht einig sind.
- 4. Ich merke gerade, dass mich das Thema nicht wirklich interessiert.
- 5. Das sagt, glaube ich, mehr über dich als über mich.
- Das hört sich so einfach an – aber wie setze ich es um?
„Viele Unternehmer kommen gar nicht dazu, ihren eigentlichen Job zu machen, weil sie sich nicht klar genug abgrenzen“, sagt Karin Kuschik. Sie ist Business-Coach und hört immer wieder, wie schwer es vielen ihrer Klienten fällt, Grenzen zu ziehen.
„Man möchte ein guter Chef sein, das Team soll sich wohlfühlen – schließlich kämpfen alle um Mitarbeiter“, erklärt sie. Also macht man alles möglich, löscht Brände, fühlt sich jederzeit zuständig. Statt einfach einmal Nein zu sagen. In ihren Coachings höre sie häufig den Satz: „Das kann ich nicht sagen. Ich will doch kein Schwein sein!“
Dahinter stecke ein Missverständnis: „Viele denken: Wer klar und bestimmt auftritt, ist automatisch böse. Dabei ist Klarheit einfach nur klar. Es ist ganz wunderbar möglich, klar und charmant zu sein. Klar und sympathisch.“
Sich von anderen nicht stressen lassen, Nein sagen, ohne sich dabei schlecht zu fühlen – das könne man lernen. In ihrem Buch „50 Sätze, die das Leben leichter machen“ zeigt Karin Kuschik, wie einfach es sein kann, Grenzen zu ziehen. Mit der richtigen Haltung – und eingängigen Leitsätzen, die dich an diese Haltung erinnern.
5 Leitsätze, die dir helfen, dich besser abzugrenzen
1. Wer mich ärgert, bestimme immer noch ich.
Der ganze Tag ist durchgetaktet, auf dem Weg in die Firma war Stau, es gibt Probleme mit der IT – und dann pampt einen auch noch der Service-Mitarbeiter in der Hotline an. Wallt sich in solchen Momenten Wut und Ärger in dir auf? Dann kann dir der Lieblingssatz von Karin Kuschik helfen: „Wer mich ärgert, bestimme immer noch ich.“ Der Satz sei so einfach wie machtvoll: „Weil er uns in Erinnerung ruft: Egal, was im Außen passiert, das Wetter, die Umstände, die Politik – wie ich darauf reagiere, darf ich immer noch selbst entscheiden.“
Kuschiks Rat: Halte kurz inne, stelle eine kleine Pause zwischen das Ereignis und deine eigene Reaktion. Und frage dich: Will ich jetzt wirklich diesem Typen am Telefon, den ich überhaupt nicht kenne, die Macht darüber geben, wie es mir die nächsten Stunden geht? Oder bin ich selbstbestimmt und entscheide mich bewusst dafür, mich nicht ärgern zu lassen?
Der Satz funktioniere als Erinnerungsstütze, man könne ihn wie in einem Selbstgespräch zu sich sagen. Auch im Gespräch mit anderen entfalte er seine Wirkung. Etwa, wenn eine Diskussion mit einem Geschäftspartner eskaliert und dieser irgendwann feststellt: „Du regst dich ja gar nicht auf!“ Kuschik: „Dann guckt man ihn ganz charmant an, lacht und sagt: ‚Na hör mal, wer mich aufregt, das bestimme ja wohl immer noch ich.‘“
2. Ich verstehe dich absolut, und ich möchte gern was anderes.
Stell dir vor, du hast dich mit einer Mitarbeiterin verabredet, um gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten. Drei Stunden sind dafür geblockt, du willst dich voll auf die Aufgabe konzentrieren. Doch das Smartphone deines Gegenübers bimmelt in einer Tour. „Das ist mein Mann, der ist im Moment so viel beruflich unterwegs, wir sehen uns kaum und wollen uns gleich noch verabreden“, erklärt sie. „Ich hoffe, das verstehst du, dass wir das kurz abklären müssen?“
Deine Reaktion darauf? Probiere es mal mit folgender Formulierung: „Ich verstehe absolut, dass du dein Handy an haben willst, und es stört mich, dass es ständig klingelt.“ Die Kraft dieses Satzes liegt laut Karin Kuschik in dem Wörtchen „und“. Sie sagt: „Ein ‚aber‘ ist immer eine Einladung in die Diskussion. Wer einen Satz mit ‚aber‘ hört, wird mit einem ‚weil‘ antworten, und schon dreht man sich im Kreis.“ Das „und“ dagegen schaffe Klarheit. Höchstwahrscheinlich wird dein Gegenüber das Handy danach ausschalten.
Wichtig sei auch, sich vor Augen zu führen: Verständnis verpflichtet zu gar nichts. „Ich kann das, was mir jemand erzählt, total nachfühlen – und gleichzeitig etwas anderes wollen.“ Gerade sehr empathischen Menschen falle das oft schwer.
3. Einigen wir uns darauf, dass wir uns nicht einig sind.
In Deutschland ist es laut Karin Kuschik üblich, dass alles immer zu Ende diskutiert wird. „Dahinter steckt der Wunsch, sein Gegenüber unbedingt überzeugen zu wollen, damit derjenige die Dinge genauso sieht wie ich.“
Doch statt sich in endlosen Diskussionen zu verlieren, könne man auch einfach loslassen und sagen: „Ok, wir haben das jetzt alles vielfach diskutiert und alle Meinungen dazu gehört. Ich fasse mal zusammen: Wir einigen uns darauf, dass wir uns nicht einig sind.“ Nicht für jede Situation gäbe es eine Klärung. „Das darf man dann auch einfach mal so stehen lassen“, so Kuschik.
4. Ich merke gerade, dass mich das Thema nicht wirklich interessiert.
Du willst einen netten Abend verbringen – und musst dir stattdessen zwei Stunden lang anhören, welche Wunder makrobiotische Ernährung vollbringen soll? Das hättest du dir ersparen können – mit einer einfachen Abgrenzung: „Ich merke gerade, dass mich das Thema nicht wirklich interessiert. Können wir über etwas anderes sprechen?“
Dabei kommt es laut Business-Coach Kuschik auf den Tonfall an: Sage die Sätze nicht vorwurfsvoll, sondern ganz entspannt. Durch die Ich-Botschaft machst du klar: Hier geht es um mich und meine Bedürfnisse. Du drückst damit nicht aus: „Du bist blöd, weil du mich in ein Gespräch verwickelst, das mich überhaupt nicht interessiert!“
Kuschik: „Es ist nicht böse, wenn ich sage: Lass uns über etwas anderes reden. Es ist ja auch nicht böse, wenn ich sage: Ich mag kein Blau. Oder: Ich mag Glastische lieber als Holztische.“ Dass viele Menschen davor zurückschrecken, liege an unserer Erziehung. „Keiner möchte als Macho oder als bossy Bitch rüberkommen“, sagt sie. „Wir wollen höflich sein.“ Dabei richte sich die Abgrenzung gar nicht gegen den anderen. Es gehe darum, verantwortungsvoll mit seiner eigenen Lebenszeit umzugehen.
5. Das sagt, glaube ich, mehr über dich als über mich.
Du stellst deine Pläne für die neue Vertriebsstrategie vor und der langjährige Mitarbeiter, der gern mal stänkert, grätscht dazwischen: „Das ist mal wieder so eine Kopfgeburt aus der Chefetage, aber in der Praxis gar nicht umsetzbar.“ Du könntest dich jetzt aufregen, beleidigt sein, angegriffen fühlen. Oder du konterst diesen Angriff ganz locker: „Das sagt jetzt, glaube ich, mehr über dich als über mich.“ Karin Kuschik erklärt: „Mit diesem Satz, entspannt ausgesprochen, macht man einen Quantensprung in Richtung Souveränität.“
Das hört sich so einfach an – aber wie setze ich es um?
„Die meisten von uns sind Wissensriesen und Umsetzungszwerge“, sagt Kuschik. Ihre gesammelten Sätze leuchten ein, doch sie tatsächlich anzuwenden, fällt so manchem schwer. Nicht weil sie schwer sind, sondern weil wir denken, dass sie schwer sind.
„Seit mehr als 20 Jahren wollen meine Klienten von mir Tipps haben, wie sie ihre Erkenntnisse umsetzen können. Und ich antworte immer dasselbe: Indem du es einfach machst!“, sagt sie. In ihrer Coaching-Erfahrung hätten sich die Sätze bewährt: „Die Menschen haben sich meistens im Vorfeld schwer damit getan, haben mehrfach Anlauf genommen. Und danach waren sich alle einig: Das war ja ganz einfach!“
Karin Kuschik ist seit mehr als 20 Jahren Business- und Performance-Coach. Zu ihren Kunden zählen Top-Manager, Schauspieler, Politiker, Banker, Berater, Leistungssportler und Moderatoren. Ihr Buch "50 Sätze, die das Leben leichter machen“ ist bei Rowohlt erschienen (320 Seiten, 15 Euro).
