Ich habe keine Zeit
Mit diesen 3 Tipps zu mehr Zeit für sich

"Ich habe keine Zeit" ist für viele keine Ausrede, sondern gefühlte Realität. Woher Zeitdruck kommt und wie Sie schnell und effektiv dagegen vorgehen.

13. Juni 2024, 12:08 Uhr, von Mona Eichler

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Mitte einer Sanduhr mit fast durchgelaufenem Sand auf rosa Hintergrund.
Gefühlt ist die Sanduhr fast immer kurz vorm Ablaufen - wenn man ständig denkt: "Ich habe keine Zeit".
© MirageC / Moment RF / Getty Images

„Ich habe keine Zeit“ – im Spagat zwischen Arbeit und Privatleben gehört diese Aussage für die meisten von uns zum Alltag. 2023 hatten in Deutschland rund 25 Millionen Personen ab 14 Jahren das Gefühl, „viel zu wenig Zeit“ zu haben.

Doch obwohl Zeitdruck real ist, gilt der Satz „Ich habe keine Zeit“ als Ausrede. Zu Recht? Natürlich gibt es Menschen, die sagen, sie hätten keine Zeit – aber in Wirklichkeit nur andere Prioritäten setzen. Viel häufiger aber ist es so, dass sich die Aufgaben, ob beruflich oder privat, derart stapeln, dass gefühlt für nichts Zeit bleibt. Und selbst wenn man sich theoretisch Zeit nehmen könnte, hat man praktisch keine Kraft dazu. Sich abends nach 12 Stunden im Job noch hinzusetzen und sein Gitarrenspiel zu verbessern, ist einfach zu hart. Gleiches gilt für das Treffen mit den Freunden oder für Sport.

Hinzu kommt eine gesellschaftliche Komponente, die schnell ins Hamsterrad führt: Keine Zeit zu haben, ist zum Synonym für Erfolg geworden.

„Ich habe keine Zeit“-Aussage: Zeitnot als Statussymbol

Dorie Clark ist Professorin an der US-amerikanischen Duke University in Durham und gilt als eine der führenden „business thinker“ der USA. Sie berät Großkonzerne wie Google und Microsoft und hat darüber geforscht, warum der Satz „Ich habe keine Zeit“ gerade in der Arbeitswelt so häufig fällt. Auf der Innovationskonferenz TED Talk 2021 stellte sie drei Gründe vor, warum Menschen an der gefühlten Zeitnot festhalten:

  1. Zeit gilt als Statussymbol: Je weniger Zeit eine Person hat, desto erfolgreicher scheint sie zu sein.
  2. Die Angst vor Herausforderungen verhindert, dass man sich Zeit für neue Dinge nimmt: Um nicht zu scheitern, bleibt man beim Alten und hat keine Zeit mehr für das Neue. Das gilt auch für existenzielle Fragen. Wer ständig beschäftigt ist, hat keine Zeit zu hinterfragen, ob der gewählte Weg überhaupt der richtige ist.
  3. Die ständige Zeitnot schützt davor, sich mit seinen eigenen Emotionen auseinanderzusetzen. Bestes Beispiel: sich bei Liebeskummer/Trauer/Verlust und ähnlichem in die Arbeit stürzen.

Das Phänomen, dass Zeitnot mit Erfolg gleichgesetzt wird, interessiert die Forschung schon länger. Schließlich galt es im vergangenen Jahrhundert noch als Symbol des Erfolgs, andere für sich arbeiten zu lassen und selbst ein gemächliches Leben zu führen. Wie kam es zu dieser grundlegenden Veränderung?

Silvia Bellezza, Assistenzprofessorin an der Columbia Business School, leitete 2016 eine Studie zum Thema „Conspicuous Consumption of Time: When Busyness and Lack of Leisure Time Become a Status Symbol“, die ergab, dass in den USA keine Zeit zu haben mit Erfolg im Leben gleichgesetzt wird. Sie schrieb in ihrem Artikel „Why Americans Are So Impressed With Busyness“ in der Havard Business Review: „Wir gehen davon aus, dass der Wandel vom Status ‚Freizeit‘ zum Status ‚Beschäftigung‘ mit der Entwicklung wissensintensiver Volkswirtschaften zusammenhängen könnte. In solchen Volkswirtschaften wird erwartet, dass Personen, die über die Merkmale verfügen, die Arbeitgeber oder Kunden schätzen (z. B. Kompetenz und Ehrgeiz), auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt und nur knapp vorhanden sind. Indem wir anderen sagen, dass wir beschäftigt sind und ständig arbeiten, suggerieren wir, dass wir gefragt sind, was unseren wahrgenommenen Status stärkt.“

Kurz gesagt: Keine Zeit zu haben, ist ein Statussymbol.

Ich habe keine Zeit mich zu beeilen: 3 effektive Tipps für mehr Zeit

Der russische Komponist und Dirigent Igor Strawinsky (1882-1971) prägte einen der bekanntesten Sprüche, die sich mit Zeit beschäftigen. So soll er einst gesagt haben: „Ich habe keine Zeit mich zu beeilen“ – ein scheinbares Paradoxon, das doch betont, Stress nicht zuzulassen.

Aber wie schafft man es, neben Arbeit und Familie mehr Zeit für sich selbst zu haben? Die Antwort auf diese Frage liegt im richtigen Zeitmanagement. Wer seinen Tag durchdacht strukturiert, hat mehr Zeit für die Dinge, die ihm wichtig sind. In seinem Buch „Die Kunst des Zeitmanagements“ gibt Autor, Verleger und Familienmensch Magnus Neumann seinen Leserinnen und Leser einfach umsetzbare Tipps an die Hand, mit denen sie rund 12 Stunden pro Woche einsparen – 12 Stunden, die dann zur freien Verfügung stehen. Drei dieser Tipps stechen besonders ins Auge.

1. Virtuelle Assistenz und KI nutzen

Virtuelle Assistentinnen und Assistenten sind reale Personen, die Sie buchen und mit Aufgaben betreuen können. Anders als bei der klassischen Assistenz arbeiten diese Menschen nicht mit Ihnen vor Ort, sondern remote übers Internet. Von wiederkehrenden Routineaufgaben über E-Mail-Verwaltung und Terminkoordination bis hin zu Social-Media-Betreuung und Lektorat übernehmen virtuelle Assistenzen die unterschiedlichsten Aufgaben.

Zudem wachsen die Möglichkeiten, KI im Berufsleben einzusetzen. KI-Tools für Unternehmen unterstützen Sie in den unterschiedlichsten Bereichen – Marketing, Recherche, Meeting-Protokollierung, Terminkoordination, Kalendermanagement und vieles mehr.

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„Indem sie zeitaufwendige und repetitive Aufgaben übernehmen und wertvolle Ressourcen freisetzen, ermöglichen sie es, sich auf kreative und anspruchsvolle Tätigkeiten zu konzentrieren und das volle Potenzial der Arbeitskraft auszuschöpfen“, schreibt Neumann in seinem Buch über virtuelle Assistenz und KI.

2. Früher aufstehen

„Die frühen Morgenstunden sind oft stiller und weniger von Ablenkungen geprägt, was es leichter macht, sich auf wichtige Aufgaben zu konzentrieren“, schreibt Magnus Neumann in „Die Kunst des Zeitmanagements“. „Diese ungestörte Zeit kann für die Planung des Tages, das Setzen von Prioritäten oder das Bearbeiten komplexer Projekte genutzt werden.“

Der Autor nennt 5 Uhr morgens als ideale Zeit zum Aufstehen – eher ein Alptraum für alle Morgenmuffel. Tatsächlich können Sie Ihren Wecker so stellen, wie es am besten zu Ihrem Alltag passt. Eine Variante wäre, früher aufzustehen und sich nicht direkt der Arbeit zu widmen, sondern einem Hobby, für das Sie sonst keine Zeit haben.

3. Ausreichend Pausen machen

Wenn es viel zu tun gibt, neigen wir dazu, ohne Pause durchzuarbeiten, um möglichst viel zu schaffen. Neumann aber betont: „Pausen sind wichtig, um die Arbeit effektiver und produktiver zu gestalten.“ Folgende Vorteile von regelmäßigen Pausen zählt der Experte auf:

  • Erholung fürs Gehirn
  • Verringerung von Stress
  • Steigerung der Kreativität
  • Verbesserung der Körperhaltung
  • Erhöhung der Motivation

Tipp: Nutzen Sie die kurzen Pausen, um etwas Kreatives zu tun. Spielen Sie ein Lied auf der Gitarre/dem Klavier, lösen Sie ein Kreuzworträtsel, legen Sie ein Puzzle. Kurz: Tun Sie etwas, das möglichst nichts mit Ihrer Arbeit zu tun hat, und Ihnen hilft, den Kopf frei zu bekommen.

Mit diesen drei Tipps wird Sie in Zukunft seltener das Gefühl quälen, keine Zeit zu haben.

Quellen:

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