Unternehmer gegen rechts
Zeigen Sie Haltung!

Für impulse-Bloggerin Franziska Pörschmann ist klar: Unternehmer sollten sich gegen rechts engagieren. Sie hat auch einige konkrete Vorschläge, was jeder Einzelne tun kann.

8. April 2018, 10:30 Uhr, von Franziska Pörschmann

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Unternehmer sollten Haltung zeigen gegen Rechts und statt den Kopf in den Sand zu stecken, auch mal die Faust erheben.
Unternehmer sollten Haltung zeigen gegen Rechts und statt den Kopf in den Sand zu stecken, auch mal die Faust erheben.

An allen Ecken brennt es: Alt-Nazis, Identitäre, Neo-Nazis, die AfD im Bundestag, das rechte Netzwerk „Ein Prozent“. Und doch herrscht relative Ruhe im Land.

2015 las ich von dem „Nato-Draht-Zaun“-Hersteller Mutanox aus Berlin: Er weigerte sich, einen 500.000-Euro-Deal mit Ungarn zu machen. Der Unternehmer sagte damals: „Dieser Draht soll kriminelle Taten verhindern. Etwa einen Einbruch. Wenn Kinder und Erwachsene fliehen, ist das aber nicht kriminell. Daher haben wir kein Angebot für das Großgeschäft abgegeben.“ Chapeau.

Ja, ich finde man muss Haltung zeigen. Gerade als Unternehmen. Denn es gibt noch zu viel Ruhe im Land für das, was hier gerade geschieht. Ja, man kann ganz elegant wegschauen und hoffen, es gehe ja vorüber. Aber die Vogel-Strauß-Politik funktioniert nicht mehr.

Umsatzeinbußen muss man sich leisten

Haltung zeigen, das könnte zu Umsatzeinbußen führen. Stimmt.  Aber wer so denkt, der sollte eventuell noch mal seine Werte-Skala neu justieren. Haltung zeigen ist auch Storytelling – und zwar wahrhaftiges.

Lonsdale, ein englisches Unternehmen, hat sich im Boxsport einen Namen gemacht. Sportler wie Muhammad Ali, Lennox Lewis oder Mike Tyson trugen alle Lonsdale. Doch leider war diese Marke im deutschsprachigen Raum auch bei Neonazis sehr beliebt. Hauptgrund war, dass sich innerhalb des Markennamens die Buchstabenkombination „NSDA“ findet. 2004 startete Lonsdale endlich eine Kampagne gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und kündigte in Deutschland alle Verträge mit einschlägigen Händlern.

Fazit: Umsatzeinbrüche von bis zu 75 Prozent. Muss man sich leisten können. Noch mal: Das MUSS man sich leisten können. Ich finde, auch Unternehmen müssen Zeichen setzen und Verantwortung übernehmen für unsere Gesellschaft – auch wenn es wehtut.

Geschadet hat unser Engagement bisher nicht

Schon 2001 haben Mitarbeiter der Softwarefirma Nextra die Initiative „IT-Unternehmen gegen rechte Gewalt und Ausländerfeindlichkeit“ ins Leben gerufen. Die Industrievereinigungen Bitkom und D21 unterstützten die Aktion, auch Sigmar Gabriel  lobte die Initiative.  Wer hat es mitbekommen? Genau. Ich auch nicht. Es muss noch mehr getan werden.

Auch im Verlagswesen gibt es eine entsprechende Initiative: „Verlage gegen Rechts“. Gegründet würde sie kurz vor der Frankfurter Buchmesse im Herbst 2017 aufgrund der unrühmlichen Auseinandersetzungen mit rechten Verlagen auf der Buchmesse 2017 in Leipzig. Beteiligt sind rund 70 Verlage, Organisationen wie der Verband deutscher Schriftsteller, der PEN-Club, das Syndikat (Verband der Krimi-Schriftsteller) sowie diverse Einzelpersonen. Trotz der kurzen Vorlaufzeit hat „Verlage gegen Rechts“ nun auf der Leipziger Buchmesse 2018 ein umfangreiches Programm mit Diskussionen, aufklärenden Podiumsgesprächen, Interviews und Infomaterial auf die Beine gestellt.

Wir als Verlag engagieren uns auch außerhalb der Initiative gegen rechts. Wir tun unsere Meinung in den sozialen Netzwerken kund und bloggen zum Thema. Von unserem Hörbuch „Sophie Scholl – Das Verhör“ geht ein Teil des Ertrags an den Verein „Gesicht Zeigen!“, der sich für Aufklärung gegen rechts an Kinder und Jugendliche wendet. Geschadet hat uns unser Engagement bisher nicht – mal abgesehen von rassistischen Kommentaren auf unserer Facebook-Seite. Die löschen wir sofort und erstatten gegebenenfalls Anzeige.

Auch als Unternehmen ist man Teil der Gesellschaft. Ich möchte nicht, dass der rumänische Lagerarbeiter unserer Verlagsauslieferung auch nur einmal Angst haben muss aufgrund seiner Herkunft. Ich will nicht, dass mein syrischer Paketdienstfahrer blöd angemacht wird von irgendwelchen Schwachmaten. Wir müssen auf unsere Mitmenschen und Mitarbeiter aufpassen, gerade auf die, die vielleicht nicht so eine laute Stimme haben.

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So sammeln Sie als Unternehmer Karmapunkte

Es gibt viele Möglichkeiten, als Unternehmer aktiv zu werden und Haltung zu zeigen. Jeder kann etwas tun, Gelegenheiten gibt es viele.

  • Rufen Sie doch einfach mal bei der örtlichen Flüchtlingshilfe an und fragen Sie, was gerade benötigt wird. Dann könnten Sie eine Sammelaktion in der Firma starten.
  • Wer Mitarbeiter sucht, kann es auch mal über das Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ versuchen.
  • Ware, die nicht mehr in den Handel kann, weil sie zum Beispiel leicht angekratzt ist, könnte man zum Schnäppchenpreis verkaufen und das Geld an eine Hilfsorganisation oder einen Verein spenden.
  • Oder Sie bauen mit Partnern aus Ihrer Branche eine eigene Initiative auf.
  • Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter, wenn Ihnen Rassismus auffällt oder selbst begegnet.
  • Wenn in Ihrem Ort rechte Kundgebungen stattfinden, dann könnten Sie, als Unternehmen alleine oder gemeinsam mit anderen Firmen, Stellung beziehen.
  • Veranstalten Sie Sommerfeste zur interkulturellen Begegnung  und Verständigung und laden Sie dazu auch Kunden ein. Oder schließen Sie sich bestehenden Vereinigungen und Initiativen an.
  • Sie können auch einfach ein Poster ins Fenster kleben, das Ihre Meinung zeigt. Bei uns hängt: „München ist bunt“.

Egal, wofür Sie sich entscheiden: Bitte zeigen Sie Haltung!

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