Wir stellen Lattenroste her, die 1957 von meinem Vater und Großvater erfunden wurden. 2001 ersetzten wir die Holzleisten durch Glasfaserleisten. Da es für die Produktion keine passenden Maschinen gab, entwickelten wir selbst eine. Sie lief perfekt. Eine Erfolgsgeschichte – bis ich im Rausch der Begeisterung eine millionenteure Dummheit beging.
Unsere Rohstofflieferanten brachten mich auf die Idee, ähnliche Maschinen zu bauen und zu verkaufen. Die Nachfrage sei da, sagten sie. 2009 kam über einen Lieferantenkontakt ein großer Maschinenauftrag aus den USA zustande. Wir räumten Platz in unserer Produktionshalle frei, stellten 20 qualifizierte Mitarbeiter ein und bauten einen Vertrieb auf. Neben Lattenrosten fertigten wir nun auch Maschinen.
Die Zahlen waren hanebüchen schlecht
2014 sahen unser Controller und ich uns die Zahlen an. Sie waren hanebüchen schlecht. Wir hatten etwa sechs Maschinen verkauft, rentabel wäre das Geschäft erst ab weit über 100 Stück gewesen – unrealistisch. Dennoch gab ich nicht auf. Verrückt, aber ich wollte nicht wahrhaben, dass ich mich verrannt hatte.
Der Maschinenmarkt folgt anderen Regeln als die Möbelbranche. Man hat es nicht mit Händlern, sondern mit Einkäufern zu tun und muss Service und Wartung mitdenken. Wir hatten dafür weder die Kapazitäten noch die Strukturen. Um in einer fremden Branche erfolgreich zu sein, hätte ich eine eigene Firma mit einem Team gründen müssen, das diese Logik kennt.
Erst als Corona 2020 den Maschinenmarkt zusammenbrechen ließ, hörten wir auf. Am Ende stand bestimmt ein Verlust von 6 Millionen Euro. Genau nachgerechnet habe ich nie. Das habe ich mich nicht getraut.
