Mein erstes Unternehmen gründete ich 1997: eine IT-Firma mit 30 Mitarbeitenden. Wir entwickelten Content-Management-Systeme, unsere Kunden waren vor allem öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten. Das Unternehmen war profitabel – bis ich einen Investor reinholte.
Warum? Es war die Zeit der New Economy. Viele Internetfirmen wuchsen mithilfe von Kapitalgebern. Das wollte ich auch. Zudem hielt ich mich für einen tollen Unternehmer, weil ich Gewinn machte.
Doch unser Geschäftsmodell überzeugte Investoren nicht. Das Wachstumspotenzial war ihnen zu klein. Also richtete ich die Firma auf eine breitere Zielgruppe aus, im Grunde auf alle Webseitenbetreiber.
90 bis 110 Stunden pro Woche gearbeitet
So gewann ich einen Investor, der im Oktober 2001 mit einer größeren Summe einstieg. Mit der neuen Strategie waren wir jedoch nur noch ein Anbieter unter vielen, die Ähnliches machten. Gleichzeitig verloren wir Aufträge bei den Rundfunkanstalten. Bereits im zweiten Quartal 2002 merkte ich, dass es nicht lief.
Dennoch änderte ich nicht die Strategie. Stattdessen erledigte ich Aufgaben, die man als Unternehmer nicht übernehmen sollte: Ich programmierte selbst, versuchte Kunden zu gewinnen und arbeitete 90 bis 110 Stunden pro Woche. Im Mai 2003 war die Firma insolvent.
Erst später, nachdem ich innerhalb eines Jahres 150 Managementbücher gelesen und viele Führungsseminare besucht hatte, wurde mir mein großer Fehler bewusst: Ich hatte ein stabiles Geschäftsmodell mit einer klaren Zielgruppe aufgegeben, weil ich einem Hype gefolgt war. Ich hatte mich ablenken lassen – und das geht nie gut aus.

