Ich war viele Jahre als Geschäftsführer in der Zementbranche angestellt. 2004 machte ich mich mit innovativen Spezialbindemittelsystemen für den Infrastrukturbereich selbstständig. Mit diesen Verfahren lassen sich etwa Straßen ressourcenschonend und schnell sanieren. Jeder will eine neue Straße, aber niemand eine Dauerbaustelle. Das würde überzeugen, dachte ich.
Doch das tat es nicht. Ich putzte Klinken bei Bauunternehmen und Straßenverwaltungen, kümmerte mich um Ausschreibungen. Oft war eine Zusage zum Greifen nah, dann kam aus irgendwelchen Gründen die Absage. Es war nervenaufreibend. Zweimal schrammte ich an der Insolvenz vorbei.
Ohne Investor ist Wachstum schwierig
Gerettet haben mich Aufträge von privaten Bauherren. Mein Fehler war, dass ich mich als Einzelkämpfer durchwurschtelte. Ich dachte, ich sei auf niemanden angewiesen. Das war naiv. Ich hätte mir frühzeitig einen Investor oder Kooperationspartner suchen müssen. Denn um in der konservativen Baubranche etwas Neues zu etablieren, braucht man einen langen finanziellen Atem. So verlor ich viel Zeit und Geld. Das Unternehmen wäre heute sicherlich größer.
Vor zehn Jahren ist mein Sohn eingestiegen. Er geht strukturierter vor als ich. Wir haben Außendienstmitarbeiter eingestellt und sind mit Partnerunternehmen verbunden. Was ich gelernt habe: Ein gutes System verkauft sich in einem Markt voller Widerstände nicht von allein. Deshalb ist es wichtig, die Marktsituation realistisch einzuschätzen – und sich dann zu fragen: Tue ich mir das an, oder mache ich etwas anderes? Heute würde ich es niemals so machen wie damals.

