Fairer Handel
So geht es auch! Geld verdienen mit Fairness

Kaffeeproduzent Gepa steht für fairen Handel mit dem globalen Süden. Überraschend: Genau diese Haltung macht das Unternehmen auch betriebswirtschaftlich stärker. Das können andere daraus lernen.

Aktualisiert am 16. Juli 2026, 11:21 Uhr, von Peter Neitzsch, Wirtschaftsredakteur

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Gepa-Geschäftsführer Matthias Kroth
Grüner Firmensitz: Gepa-Geschäftsführer Matthias Kroth setzt auf Nachhaltigkeit – auch in der Zentrale in Wuppertal. Dort spart eine Solaranlage auf dem Dach jedes Jahr mehr als 300 Tonnen CO2.
© Max Brunnert

Es ist keine gewöhnliche Kaffeezeremonie, wenn Franziska Bringe und Kleber Cruz-Garcia zur Verkostung bitten: Auf dem runden Drehtisch im Kaffeelabor des Unternehmens Gepa sind vier verschiedene Kaffeesorten vorbereitet. Die Einkaufsmanager haben die Bohnen jeweils in drei Stadien bereitgestellt: vor der Röstung, nach der Röstung sowie als gemahlenen Kaffee. Vor jeder Sorte stehen fünf Tassen, um zufällige Geschmacksvariationen im fertigen Getränk auszuschließen.

Das Kaffeepulver wird ungefiltert aufgebrüht, nach vier Minuten Ziehzeit wird die Kruste gebrochen für eine erste Geruchsprobe. Dann darf genippt werden: „Am besten dabei laut und geräuschvoll schlürfen, damit sich der Kaffee mit viel Sauerstoff vermengt. Das sorgt für intensivere Aromen“, erklärt Cruz-Garcia und demonstriert es. „Nur so können wir beurteilen, ob ein Kaffee unseren Ansprüchen entspricht.“

Von der Kooperative in den Handel

Im Kaffeelabor in der Wuppertaler Firmenzentrale schlägt das Herz von Gepa. Hier testen die beiden Einkaufsmanager die Qualität der Kaffeebohnen, die sie für das Fairtrade-Unternehmen von Kooperativen weltweit einkaufen. Franziska Bringe betreut Handelspartner in Ostafrika, Nepal, Costa Rica, Brasilien und Kolumbien, Kleber Cruz-Garcia jene in den übrigen Ländern Lateinamerikas. Eine verantwortungsvolle Aufgabe: Jedes Muster in der Zentrale entscheidet über den Kauf von 25 Tonnen Kaffee mit einem Warenwert von derzeit über 200.000 US-Dollar.

Im Labor werden auch die Blends kreiert, also die Kaffeemischungen, die unter der Marke Gepa in den Handel kommen. Das Unternehmen hat zwar mehr als 350 Produkte im Sortiment – wie Schokolade, Tee, Wein oder Honig, doch Kaffee ist die mit Abstand wichtigste Produktgruppe: Zum gesamten Großhandelsumsatz von 104 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025 trugen die Bohnen mit 36 Millionen mehr als ein Drittel bei.

Wurzeln in Kirche und Entwicklungspolitik

Und mit Kaffee begann alles vor mehr als 50 Jahren: Am 14. Mai 1975 wurde die Gepa Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt gegründet. Die historischen Wurzeln der Gepa liegen in der kirchlichen und entwicklungspolitischen Bewegung dieser Zeit. Der faire Handel ist bei Gepa Unternehmenszweck: Das gesamte Sortiment ist zu 100 Prozent Fairtrade.

Doch das ist nicht das einzige Ungewöhnliche an dem Unternehmen: Noch heute sind die Gepa-Gesellschafter je zur Hälfte evangelische und katholische Organisationen – wie Brot für die Welt und Misereor. Die Gepa beschreibt sich selbst als „Not for Profit“-Unternehmen. Das bedeutet: Gewinne sind zwar erwünscht, sie werden aber nicht ausgeschüttet, sondern im Sinne des Unternehmenszwecks reinvestiert.

Ein außergewöhnliches Geschäftsmodell, das sich so kaum auf andere Unternehmen übertragen lassen dürfte. Oder doch?

Nachhaltig zu wirtschaften wird immer wichtiger. Und das nicht nur, weil Kunden, Investoren und Mitarbeitende zunehmend erwarten, dass Firmen verantwortungsvoll handeln. Auch die gesetzlichen Anforderungen haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen: beim Klimaschutz, beim Management der Lieferkette und der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Was also können andere von dem Beispiel Gepa lernen?


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