Digitale Stromfresser
Wie Unternehmen ihren CO₂-Fußabdruck im Internet verkleinern

Durch kluge Entscheidungen beim Webhosting, E-Mail-Marketing und Datenmanagement können Unternehmen Energie und CO₂ sparen. Das lohnt sich auch finanziell. Die wichtigsten Tipps im Überblick.

27. Januar 2026, 17:49 Uhr, von Peter Neitzsch, Wirtschaftsredakteur

Eine weiße Wolke mit grünem CO2-Schriftzug auf grünem Hintergrund.
© Carol Yepes / Moment / Getty Images

Beim CO₂-Ausstoß liegt das Internet mittlerweile gleich auf mit dem Flugverkehr: Es verursacht bis zu vier Prozent der weltweiten Emissionen, schätzen Forscherinnen und Forscher. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Energiebedarf des Internets alle fünf Jahre verdoppelt. Websites, Suchmaschinen, Newsletter und Cloud-Dienste kosten täglich mehr Strom als den meisten bewusst ist. Künstliche Intelligenz (KI) ist besonders energieintensiv und verschärft das Problem weiter.

Unternehmen, die auf ökologische IT-Lösungen setzen, profitieren: Sie sparen Strom und CO2 und können das zum Beispiel im ESG-Bericht herausstellen. „Eine nachhaltige IT ist nicht der größte Energiesparhebel im Unternehmen, aber eine weitere Stellschraube, die man sich einmal anschauen sollte“, sagt Torsten Beyer, Berater für digitale Nachhaltigkeit aus der Nähe von Darmstadt.

CO2Ausstoss steigt mit Datenverbrauch

Je höher der Stromverbrauch, desto mehr Kohlendioxid wird freigesetzt. „Ein Gigabyte Datentransfer ist ungefähr verantwortlich für den Ausstoß von 400 Gramm CO2“, erläutert Beyer. Mit diesem weltweiten Mittelwert lässt sich ausrechnen, wie viel CO2durch einen geringeren Datenverbrauch eingespart werden kann.

Je nachdem, wie viele Menschen eine Website nutzen, kann der Ausstoß einer Homepage unterschiedlich ausfallen. Beyer: „Das reicht von kleinen Websites mit CO2-Emissionen im Kilobereich, bis zu Millionen Tonnen bei großen Portalen von Internetkonzernen.“

Was können Unternehmerinnen und Unternehmer tun, um ihre CO2-Bilanz im IT-Bereich zu verbessern. Wo lässt sich obendrein noch Geld sparen? 10 Tipps, die du in deinem Unternehmen beherzigen solltest:

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1. Erstelle eine CO2-Bilanz für deine Website

Einer der größten Stromverbraucher im IT-Bereich ist die Website, besonders, wenn die Kundschaft sie stark frequentiert. Unternehmen sollten zunächst eine CO2-Bilanz für die Firmen-Website erstellen. Mithilfe von Access-Logfiles auf dem Server lässt sich messen, wie viele Daten über die Website übertragen werden.

Diesen Datenverkehr kann man nun mit der oben genannten Faustformel multiplizieren. So kann man prüfen, wie viele Kilo-, Mega- oder Gigabyte Datentransfer die Maßnahmen eingespart haben – und damit, wieviel CO2-Ausstoß gespart wurde.

2. Sorge für eine schlanke Website

„Eine schlanke, nachhaltige Website spart nicht nur Strom, sondern führt auch zu schnelleren Ladezeiten“, sagt Beyer. Das wirkt sich wiederum positiv auf Kundenzufriedenheit und Sichtbarkeit bei Suchmaschinen aus. Wie reduziert man die Datenmenge, die über die Homepage übertragen wird?

„Oft sind die Bilder zu groß und müssen vom Webserver extra klein skaliert werden“, erklärt Beyer. „Das ist ein unnötiger Schritt.“ Eine Alternative zu PNG- oder JPEG-Dateien sind schlanke Dateiformate wie WebP oder AVIF, die von allen aktuellen Browsern problemlos dargestellt werden. Bilder lassen sich beispielsweise mit dem Tool „Compress Or Die“ in schlankere Dateiformate umwandeln. Der Verzicht auf Videos wirkt sich ebenso positiv auf den Stromverbrauch aus.

Auch JavaScript und andere aufwendige Programme, die auf der Website laufen, kosten Strom – sind aber oft verzichtbar. Selbst bei Schriften können Betriebe sparen: Wenn die Website viele Fonts laden muss, verursacht das unnötigen Datenverkehr.

3. Unterbinde automatische Website-Zugriffe

Ein großer Teil des Stromverbrauchs einer Website verursachen automatisierte Zugriffe. Zum Beispiel Suchmaschinen oder KI-Crawler, also Programme die das Internet ohne menschliches Zutun nach Informationen durchforsten: „Automatisierte Anfragen machen mittlerweile über die Hälfte des weltweiten Datenverkehrs aus“, sagt Beyer. Die könne man aber abstellen.

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Unternehmen sollten sich klarmachen, welchem Zweck die Website dient: Wollen sie gefunden werden, sollten sie auf das automatisierte Auslesen durch Suchmaschinen nicht verzichten. Möglicherweise ist es aber nicht nötig, dass die Website von Google entdeckt wird.

4. Verschicke nur schlanke E-Mails

Auch, wie viele Daten wir verschicken, hat einen Einfluss auf unsere CO2-Bilanz: Fast jede E-Mail enthält ein Logo oder weitere Bilddateien, die Speicherplatz verbrauchen und damit für Emissionen sorgen. „Ich habe schon Firmen erlebt, die haben ein acht Megabyte großes Facebook-Logo in ihre E-Mail-Signatur integriert“, sagt Beyer. Dabei würden sich solche Bilder ohne Probleme auf acht Kilobyte herunterrechnen lassen.

Sinnvoll ist es, insgesamt weniger Mails zu verschicken, besonders, wenn oft große Dateien anhängen. Es gibt einfache Möglichkeiten, diese Dateien zur Verfügung zu stellen – etwa per Download-Link. Wenn eine Firma mit vielen Mail-Accounts konsequent schlankere oder weniger Mails verschickt, macht sich bei den Emissionen bemerkbar.

5. Lösche regelmäßig veraltete Daten

„Gespeicherte Mails kosten Geld und verursachen CO2“, sagt Beyer. In manchen Unternehmen existierten Tausende, in manchen Millionen alte Mails. Ein Gigabyte Daten, zum Beispiel gespeichert in der Cloud, verursacht rund 100 Gramm CO2 pro Jahr. „Es macht Sinn, Mails regelmäßig zu löschen, Daten nur auf der Festplatte zu speichern, statt in der Cloud, oder auch einfach den Cache zu leeren.“

Generell sollten Unternehmen ein Löschkonzept für Daten haben. „Es ist immer einfacher, neue Datenspeicher hinzuzufügen, als einmal aufzuräumen“, sagt Beyer. Studien zeigen, dass 80 Prozent der Daten im Internet nicht mehr genutzt werden. Diesen Datenmüll zu entsorgen, ist gut für die Umwelt und verbessert nebenbei die IT-Sicherheit.

6. Trenne dich von überflüssiger Software

„Wer seine IT regelmäßig ausmistet, spart Geld“, sagt Beyer. Viele Firmen haben Software-Abos, die sie nicht mehr benötigen. Doch jedes zusätzliche Tool, jede App und jedes laufende Hintergrundprogramm verbraucht Rechenleistung – und damit Strom. Besonders Cloud-Software verursacht laufenden Energiebedarf, selbst wenn man sie kaum nutzt.

Ein regelmäßiger Software-Check hilft, sich von digitalen Altlasten zu trennen. Programme, die doppelte Funktionen erfüllen oder nur selten zum Einsatz kommen, ersetzt man oder schaltet sie ab. Weniger Software bedeutet weniger CO₂-Ausstoß, aber auch geringere Lizenzkosten, weniger Wartungsaufwand und eine übersichtlichere IT-Landschaft.

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7. Nutze Suchmaschinen und KI-Tools bewusst

Generell sind alle Arbeitsschritte, die über das Internet laufen, besonders energieintensiv. Dazu zählen Suchanfragen oder KI-Anwendungen. Besonders generative KI benötigt enorme Rechenkapazitäten in Rechenzentren. Unternehmen sollten prüfen, wann solche Tools wirklich notwendig sind – und wann nicht. Statt jede Kleinigkeit analysieren oder formulieren zu lassen, lohnt es sich, KI gezielt dort einzusetzen, wo sie echten Mehrwert bringt.

Suchanfragen lassen sich bündeln oder vorbereiten, statt sie mehrfach auszuführen. Wichtig ist die Wahl der Suchmaschine: Anbieter wie das deutsche Unternehmen Ecosia investieren ihre Gewinne in Aufforstungsprojekte und können so zumindest einen Teil der verursachten Emissionen ausgleichen.

8. Greife wieder häufiger zum Telefon

Mit einigen Kniffen lässt sich im Büro Strom sparen: Es ergibt zum Beispiel Sinn, zum Festnetz- statt zum Mobiltelefon zu greifen: „Ein Handy verbraucht beim Datentransfer immer noch zwei bis dreimal so viel Strom wie ein Festnetztelefon“, sagt Experte Beyer. Auch, wenn sich der Stromverbrauch der Smartphones mit der 5G-Generation deutlich verbessert habe.

Noch besser schneidet das Telefon im Vergleich zur Videokonferenz ab: Laut einer Studie sorgt bereits ein einstündiges Videotelefonat für CO2 -Emissionen zwischen 150 Gramm und einem Kilo. Schaltet man während des Meetings die Kamera aus, senkt allein das den Ausstoß bereits um 96 Prozent.

9. Suche einen nachhaltigen IT-Anbieter

„Genauso, wie man beim Stromtarif zu einem Ökostromanbieter wechseln kann, kann man auch einen ökologischen Website-Anbieter wählen“, erläutert Beyer. Grüne Anbieter, die CO2-sparend arbeiten, gibt es für Webhosting, aber auch für Cloud-Lösungen oder im SaaS-Bereich (Software as a Service).

„Auch die großen Anbieter von Videokonferenzen sind meist weder grün noch datenschutzkonform“, urteilt der Beyer. Doch hier gibt es ebenfalls ökologische Lösungen. Nextcloud ist zum Beispiel ein energieeffizienter deutscher Anbieter von Cloud-Lösungen, über den auch Videokonferenzen durchgeführt werden können. Nachhaltige Anbieter müssen nicht per se teurer sein: „Es gibt in allen Bereichen günstige und teure Angebote“, sagt der Berater. „Man muss sich nur auf die Suche begeben.“

Eine Übersicht über grüne IT- und Software-Anbieter bietet die Datenbank der Green Web Foundation, wo sich Anbieter registrieren lassen können. Allerdings ist diese Übersicht nicht vollständig, da die Eintragung freiwillig erfolgt. Dort kann man auch überprüfen, ob die eigene Website bereits auf grüne Energie setzt.­

10. Vernetze dich mit anderen Unternehmen

Auf der Website der Initiative für Corporate Digital Responsibility (CDR) des Bundesumweltministeriums können sich Unternehmen informieren und austauschen. Eine gute Anlaufstelle ist auch die Website des „Digital Cleanup Day“, der jährlich am 15. März stattfindet. Teilnehmende Unternehmen können sich dort mit eigenen Aktionen registrieren.

Viele Firmen würden verstecken, was sie bereits tun, um sich nicht dem Vorwurf von Greenwashing auszusetzen, sagt Beyer. Das sei falsch: „Wer konsequent eine umweltbewusste Linie fährt, sollte das auch im Marketing herausstellen.“

Der Experte
Torsten Beyer ist Berater für digitale Nachhaltigkeit aus Ober-Ramstadt bei Darmstadt. Der Autor des Buchs „Nachhaltige Websites“ unterstützt Unternehmen dabei, ihre IT-Infrastruktur stromsparend einzurichten und zum Beispiel eine CO2-Bilanz für die Firmenwebsite zu erstellen.

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