Wertschätzung
5 Wege, Mitarbeitende zu motivieren

Anerkennung ist ein wichtiger Einflussfaktor auf Motivation und Zufriedenheit im Job. Doch Wertschätzung muss für jeden Menschen anders verpackt werden. Wie das geht.

Aktualisiert am 21. Mai 2026, 17:20 Uhr, von Anna Wilke, Redakteurin

5 Sprachen der Mitarbeitermotivation
© Malte Mueller / Getty Images

Eines der menschlichen Grundbedürfnisse ist es, gesehen zu werden. Das gilt im Job wie überall sonst. „Nichts aktiviert unsere Motivationssysteme so sehr wie der Wunsch nach zwischenmenschlicher Anerkennung“, sagt Ulrike Spaak, Führungskräftetrainerin aus Potsdam. „Trotzdem zeigen Studienergebnisse: In vielen Firmen wird immer noch viel zu wenig Wertschätzung geschenkt.“ Eine vertane Chance.

Wie können Führungskräfte Wertschätzung zeigen, die ankommt?

Die Psychologen Gary Chapman und Paul White haben herausgefunden, dass Menschen sich auf unterschiedliche Art Anerkennung zeigen. Das Problem: Was eine Person als Anerkennung und Wertschätzung versteht, hat bei einer anderen möglicherweise nicht dieselbe Wirkung. Das heißt: Trotz aller guten Absichten kommt die Wertschätzung beim Gegenüber nicht an.

Chapman und White haben fünf verschiedene Wertschätzungs-Typen entdeckt. Sie beschreiben das Phänomen als „fünf unterschiedliche Sprachen“. Ihr Rat: Führungskräfte sollten lernen, die verschiedenen Sprachen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erkennen und auch typgerecht anzuwenden. Wie findest du heraus, welche Sprache welches Teammitglied spricht?

„Um zu erkennen, wer welche Sprache spricht, braucht es Aufmerksamkeit. Denn meistens zeigt man anderen Menschen seine Wertschätzung in der Sprache, die man selbst gerne hören würde“, erklärt Ulrike Spaak. Hat Frau Müller eine Kleinigkeit für dich zum Geburtstag? Dann freut Sie sich bestimmt auch über eine solche Aufmerksamkeit. Verteilt Kollege Schmidt gerne Komplimente? Dann würde er ein solches Lob wahrscheinlich selbst gerne hören.

Die fünf Sprachen der Mitarbeitermotivation:

1. Lob – „Words of Affirmation“

Bei Lob geht es um klassische Komplimente. Das klingt simpel, fällt aber vielen Menschen schwer. „Unser Gehirn ist evolutionsbedingt darauf ausgelegt, als erstes Probleme und deren Lösung zu sehen. Das brauchten wir früher, um uns vor Gefahren zu schützen“, erklärt Spaak. Wir müssen uns anstrengen, den Fokus aufs Positive zu schieben.

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Achte darauf, Komplimente möglichst zeitnah zu verteilen – und ohne Einschränkung. „Wenn es Kritikpunkte gibt, bitte nicht zusammen mit dem Lob erwähnen. Sonst bleibt am Ende nur das Negative hängen“, sagt die Expertin.

„Wer sich mit Komplimenten schwertut, kann sich vorab einige Formulierungen notieren“, rät die Führungskräftetrainerin. Wie beispielsweise:

  • „Ich bin richtig stolz, dass du zu unserem Team gehörst.“
  • „Das war ein sehr vorbildlicher Projekt-Abschluss. Das habe ich so noch nie erlebt.“
  • „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir dich eingestellt haben.“
  • „Wie immer: Fantastische Arbeit.“

Wer wertschätzende Komplimente verteilen will, sollte laut Ulrike Spaak auf folgendes achten: „Oft loben wir, was die andere Person getan hat. Aber was noch viel stärker wirkt, ist die Wertschätzung des Seins – also wie jemand ist.“ Anstatt einem „Gut gemacht“ können man sagen:

  • „Wow, du bist so eloquent“.
  • „Jetzt warst du richtig enthusiastisch und man hat deine Energie gespürt.“
  • „Toll, wie gelassen du auch in den stressigsten Situationen bist.“

Aber: Während die eine Mitarbeiterin eine öffentliche Anerkennung vor versammelter Mannschaft total genießt, ist es dem anderen Kollegen vielleicht peinlich.

Finde heraus, welche Komplimente bei wem am besten ankommen: Schriftlich, öffentlich, unter vier Augen, spontan oder strukturiert. Falls du dir unsicher bist: Du kannst deine Teammitglieder fragen, was ihnen gut gefällt.

2. Ungeteilte Aufmerksamkeit – „Quality Time“

Die zweite Sprache ist die ungeteilte Aufmerksamkeit. Menschen, die diese Sprache sprechen, lesen Wertschätzung daran ab, wie viel Zeit du widmest. „Es geht nicht darum, Stunden miteinander zu verbringen, sondern, dass man dieser Person tatsächliche Aufmerksamkeit schenkt“, erläutert die Expertin. Qualität geht über Quantität. In einem Gespräch solltest du daher Störfaktoren wie Handy oder Outlook stummschalten.

„Zuhören, nachfragen, Anteil nehmen – wenn es mich tatsächlich interessiert, was jemand erzählt, dann ist das für einige Menschen die höchste Form der Wertschätzung“, sagt Spaak.

  • Geh regelmäßig durch deine Firma und hör einfach zu.
  • Verbring die Mittagspause mit einem Kollegen, den du länger nicht gesprochen hast.
  • Vergib Termine, wenn du manche Teammitglieder sonst gar nicht einzeln triffst.

Fällt es dir schwer, ein guter Zuhörer zu sein? Dann hilft dir vielleicht diese Methode: Aktiv zuhören: So werden Führungskräfte zu besseren Zuhörern

3. Hilfsbereitschaft und Unterstützung – „Acts of Service“

Hilfsbereitschaft ist die dritte Sprache der Wertschätzung. „Es geht darum, zu erkennen: Dem anderen quillt gerade der Schreibtisch über, und er macht keine Pausen mehr“, sagt Spaak. Ihm sollte man dann konkret Hilfe anbieten.

Du musst nicht als Führungskraft alle Aufgaben deiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen. Es geht um das Zeichen, dass du da bist, wenn Unterstützung gebraucht wird. Wichtig ist, tatsächlich Hilfe zu leisten, die das Teammitglied braucht. Dazu solltest du spezifische Fragen stellen:

  • „Ich sehe, dass du viel zu tun hast. Wie kann ich dir helfen?“
  • „Was brauchst du gerade? Kann ich dir jemanden an die Seite stellen?“
  • „Was würde deine Arbeit aktuell leichter oder besser machen?“

Es können auch kleine Gesten sein, die deine Unterstützung symbolisieren. Besorg ein paar Pizzen, wenn für ein wichtiges Projekt Überstunden anfallen. Das kann die Arbeit leichter machen.

4. Geschenke, die von Herzen kommen – „Tangible Gifts“

Sprache Nummer vier sind Geschenke. Viele Menschen mögen Symbole, die für etwas stehen. Wichtig dabei: Es müssen keine teuren Geschenke sein, die du extra gekauft hast. Sie müssen nur von Herzen kommen.

  • Du hast ein tolles Buch gelesen, dass zu einer Mitarbeiterin passen könnte? Schenk es ihr mit einem persönlichen Gruß darin weiter.
  • Kocht ein Kollege gern, bring doch mal ein ausgefallenes Gewürz oder Öl mit. Du könntest sagen: „Danke für dein Engagement in letzter Zeit. Geh heute mal früher nach Hause und hab‘ ein schönes Abendessen mit deiner Familie.“
  • Auch das zehnjährige Dienstjubiläum könnte ein Anlass zum Schenken sein. Dann darf es etwas größer sein: Tickets für ein Konzert, ein Wellness-Gutschein oder Restaurantbesuch. Du kannst kreativ werden.

Geschenke sind keine Bonuszahlungen oder Gehaltserhöhungen. „Sondern kleine Gesten und Aufmerksamkeiten, bei denen man merkt, da hat sich jemand Gedanken darüber gemacht, was dem anderen Freude bereiten würde“, sagt Spaak. Ab einem bestimmten Wert müssen Geschenke an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versteuert werden.

5. Körperlicher Kontakt – „Physical Touch“

Eine herausfordernde Sprache ist der Körperkontakt. Sie erfordert Fingerspitzengefühl, ist aber nicht weniger wichtig als die anderen Sprachen. Weil viele Menschen jedoch Sorge haben, dabei etwas falsch zu machen, fällt sie oft unter den Tisch.

„Die persönlichen Grenzen müssen unbedingt eingehalten werden. Das heißt aber nicht, dass es am Arbeitsplatz keinen Körperkontakt geben darf“, sagt Ulrike Spaak. Für viele Menschen seien kleine körperliche Gesten sogar wichtig. Das kann zum Beispiel sein:

  • beim Händeschütteln zusätzlich die Hand auf die Schulter legen
  • ein High Five bei einem tollen Erfolg
  • ein aufmunterndes Schulterklopfen
  • in emotionalen Momenten kann auch eine Umarmung passend sein

„Auch ein längerer Blickkontakt oder ein freundliches Nicken sind körperliche Gesten“, erklärt die Expertin.

6. Vertrauen schenken – „Empowerment“

Chapman und White haben in ihrem Buch nur fünf Sprachen beschrieben. „In der letzten Zeit hat sich aber noch eine sechste Sprache durchgesetzt: Vertrauen schenken“, erklärt Ulrike Spaak. Für einige Menschen sei es die höchste Form der Wertschätzung, wenn jemand anderes das Potenzial in ihnen erkennt. „Wenn ich als Führungskraft jemanden Einfluss nehmen lasse, dann signalisiere ich Vertrauen“, erklärt die Expertin.

Du kannst deinem Team auf unterschiedliche Art Freiraum geben, Dinge zu gestalten. Das muss nicht immer gleich die Übernahme eines großen, eigenen Projekts sein.

  • Frag die Auszubildende: „Was hältst du von dem neuen Produkt, das wir entwickelt haben?“
  • Übergib ein Budget für die Weihnachtsfeier und sag: „Du wirst damit schon etwas Tolles auf die Beine stellen. Da bin ich ganz sicher.“
  • Lass zu, dass Fehler passieren. „Ich weiß, das hast du noch nie gemacht. Sieh es als Lernfeld und wenn es schiefgeht, ist das auch voll okay.“
Die Expertin

Ulrike Spaak ist Führungskräfte- und Kommunikationstrainerin mit den Schwerpunkten Positive Leadership, New Work und Corporate Culture Change. In ihren Trainings arbeitet sie auch mit den verschiedenen Sprachen der Wertschätzung.
 
Das Buch:

Gary Chapman, Paul White: Die 5 Sprachen der Mitarbeitermotivation, Francke, 19,95 Euro

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