Musik am Arbeitsplatz Wann Musik bei der Arbeit hilft

Kopfhörer auf, Lieblingsplatte an – viele Mitarbeiter hören gerne Musik bei der Arbeit. Grundsätzlich ist das erlaubt.

Kopfhörer auf, Lieblingsplatte an – viele Mitarbeiter hören gerne Musik bei der Arbeit. Grundsätzlich ist das erlaubt.© suze / photocase.de

Dass Ihre Mitarbeiter ständig Kopfhörer tragen und Musik bei der Arbeit hören, ist Ihnen ein Dorn im Auge? Vielleicht tun Sie ihnen Unrecht. Bei manchen Aufgaben kann Musik helfen, effektiver zu arbeiten.

Kopfhörer können ein Segen sein. Wer hat schon Lust, im Bus die schlechte Musik des pubertierenden Schülers neben einem hören zu müssen? Doch so dezent sich mit Kopfhörern Musik hören lässt, am Arbeitsplatz haben die Dinger nichts zu suchen, meinen Sie? Musik hören und arbeiten – das verträgt sich in Ihren Augen einfach nicht? Wissenschaftler sehen das zum Teil anders. Manche glauben, dass Musik helfen kann, konzentrierter und kreativer zu arbeiten.

Wann ist Musik bei der Arbeit sinnvoll?

Bei monotonen Routine-Aufgaben
Sicherlich ist Musik kein universell einsetzbares Mittel zur Steigerung der Arbeitsqualität. Doch seit den 1970er Jahren konnte in Studien immer wieder ein Zusammenhang zwischen Musik und einer höheren Produktivität festgestellt werden. Die Amerikanerin Teresa Lesiuk forscht seit Jahrzehnten zu dem Thema. 1973 präsentierte sie eine Studie, in der sie feststellte, dass Musik bei der Arbeit immer dann hilfreich ist, wenn es sich um eine klar umrissene Routine-Aufgabe handelt. Das E-Mail-Fach aufräumen, Briefe frankieren, Akten sortieren – mit Musik geht das offenbar leichter von der Hand.

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Zum Ausblenden von Hintergrundgeräuschen
Die Kollegen im Großraumbüro telefonieren lautstark, die Baustelle vor der Firma verursacht einen Höllenlärm – eine solche Geräuschkulisse schlägt aufs Gemüt und damit auf die Konzentrationsfähigkeit. Musik kann dann helfen. Die Forscherin Teresa Lesiuk wies auch nach, dass Software-Entwickler mit Musik effektiver und kreativer arbeiten konnten. Warum? Weil die Entwickler besser gelaunt waren. Bessere Laune gleich bessere Leistung – das ist die Gleichung hinter diesem Effekt. Sie geht allerdings nur auf, wenn die Musik nicht zu laut ist und nicht zu viel Aufmerksamkeit fordert. Vor allem Liedtexte können zu sehr von der Arbeit ablenken. Das neu erschienene Album der Lieblingsband in voller Lautstärke aufzudrehen, sollte definitiv auf den Feierabend verschoben werden.

Zur Stressbewältigung in der Pause
In eine ähnliche Richtung weist eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, in der Musik als Instrument des Stressmanagements untersucht wurde. Dabei konnten zwei Dinge festgestellt werden. Immer dann, wenn die Probanden zur Entspannung gezielt Musik hörten, fühlten sie sich weniger gestresst. In ihrem Speichel konnten zudem geringere Cortisolwerte nachgewiesen werden, ein Hinweis auf Stress. Welche Art von Musik sie dabei zur Entspannung hörten, spielte dabei keine Rolle. Ab und an eine Pause bei der Arbeit einlegen und gezielt mit Musik entspannen – in stressigen Zeiten offenbar ein gute Idee.

Bei körperlicher Arbeit
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben noch einen weiteren Effekt von Musik nachgewiesen: Sie hilft uns, körperliche Anstrengung besser meistern zu können. Für ihre Studie haben die Wissenschaftler klassische Fitnessgeräte so nachgerüstet, dass man damit während des Trainings Musik produziert. Warum sie das gemacht haben? Um beobachten zu können, wie sich Musik auf Kraftsportler auswirkt. Das Ergebnis: Die meisten Probanden empfanden die Anstrengung während des Musikmachens geringer. Mehr noch: Ihre Muskeln verbrauchten weniger Energie, waren also effektiver.

Bessere Konzentration dank Mozart-Effekt?

Seit Frances Rauscher 1993 im renommierten Wissenschaftsmagazin „Nature“ einen Aufsatz zum Thema Musik und Konzentrationsfähigkeit veröffentlichte, gehört seine Erkenntnis fast zum Allgemeinwissen: Mit Musik von Mozart kann man sich besser konzentrieren. Längst spricht man auch vom Mozart-Effekt. Der ist allerdings umstritten. Forscher der Universität Wien gingen ihm zum Beispiel auf den Grund und schauten sich 39 Studien mit mehr als 3000 Testpersonen zu dem Thema an. Ihr Ergebnis: Mozart hat keine Auswirkung auf die Konzentration.

Andere Wissenschaftler stützten hingegen Rauschers Ergebnisse und belegten, dass nicht nur Mozart, sondern auch andere klassische Musik etwa von Schubert und Bach eine ähnliche Wirkung hat. Und nicht nur Klassik soll wirken. Die Psychologen George Caldwell und Leigh Riby von der Glasgow Caledonian University wiesen nach, dass Fans härterer Gitarrentöne sich weniger für eine Aufgabe anstrengen mussten, wenn Sie dabei Rockmusik hörten.

Die beiden Forscher gehen davon aus, dass aber letztlich der Musikgeschmack darüber entscheidet, ob Musik hilft, sich zu konzentrieren.

Wann man die Musik bei der Arbeit besser abschaltet

Musik bei der Arbeit – das funktioniert nur, wenn es die richtige für die richtige Arbeit ist. Bei monotonen Routine-Aufgaben und körperlich anstrengender Arbeit kann es helfen, die Lieblingshits zu hören. Auch als Instrument der Stressbewältigung scheint es sinnvoll zu sein, Mitarbeiter in kleinen Auszeiten ihre Musik hören zu lassen. Weil sich aber die Wissenschaft nicht einig ist und noch nicht vollends erforscht hat, welche Wirkung Musik auf die Qualität unserer Arbeit hat, ist immer dann Vorsicht geboten, wenn es um hoch komplexe Aufgaben geht, die die volle Aufmerksamkeit fordern.

Kann ich als Chef Musik verbieten?

Studien hin oder her – Sie möchten nicht, dass Ihre Mitarbeiter Musik hören? Generell verbieten können Sie es nicht. Solange es nicht die Arbeit beeinträchtigt, ist es erlaubt, am Arbeitsplatz Musik zu hören, urteilte das Bundesarbeitsgericht (Az. 1 ABR 75/83). Wenn sich Kunden oder andere Mitarbeiter gestört fühlen, können Sie es jedoch verbieten.

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