Selbstfürsorge Wie Sie mehr schaffen, ohne über Ihre Grenzen zu gehen
Selbstfürsorge hilft Unternehmern, mehr zu erreichen, ohne über Grenzen zu gehen.

© Marie Merz / photocase.de

Viele Führungskräfte sorgen sich um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter – zunächst sollten sie aber ihre eigenen Bedürfnisse im Blick haben. Eine Resilienzexpertin erklärt, wie es gelingt.

Die Corona-Pandemie zehrt an den Nerven von Unternehmern und ihren Mitarbeitern: Eltern kommen zwischen Arbeit und Kinderbetreuung an ihre Grenzen, viele Alleinlebende fühlen sich beruflich und privat isoliert. Und die Führungskräfte? Sie versuchen das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Blick zu behalten.

Doch dabei sollten sie ihre eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen, wie Coach und Therapeutin Andrea vorm Walde empfiehlt. „Nur wer selbst in einer guten Verfassung ist, kann sich auch um andere kümmern.“ Dazu müssen Führungskräfte drei Dinge im Blick haben: ihre körperliche Gesundheit, ihr Denkvermögen und ihre innere Zufriedenheit. Diese hängen oftmals zusammen: Wer etwa seinem Körper etwas Gutes tut, kann besser Stress abbauen. „Es ist von Person zu Person unterschiedlich, wie Selbstfürsorge in der Praxis aussieht“, betont die Resilienzexpertin – manche Tipps helfen aber fast immer.

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5 Tipps für eine bessere Selbstfürsorge

1. Einen Ausgleich finden

Um körperlich gesund zu bleiben, sollten sich Führungskräfte einen Ausgleich zum Berufsalltag suchen. Wer tagsüber ständig auf den Beinen war, freut sich abends vielleicht über ein entspannendes Bad, nach einem langen Tag am Schreibtisch kann Bewegung helfen. „Man sollte sich aber nicht zum Joggen zwingen, sonst ist das nur ein weiteres To-do, das erledigt werden muss“, rät vorm Walde. Besser sei es dann, eine Runde spazieren zu gehen – je nachdem, was einem Spaß macht.

2. Besser schlafen

Wer besser schlafen will, muss konsequent sein, betont vorm Walde. Jeden Abend zur gleichen Zeit ins Bett gehen, keine Ablenkung vor dem Schlafen und das Zimmer kalt und dunkel halten. Auch eine gesunde Ernährung kann positive Auswirkungen haben: „Die Ernährung wird oft unterschätzt, aber sie hat eine große Auswirkung auf unsere Gesundheit“, sagt die Resilienzexpertin.

3. Den Kopf freibekommen

Wer nicht mehr abschalten kann und auch nach Feierabend noch Probleme wälzt, kann keinen klaren Gedanken mehr fassen, meint die Resilienzexpertin. Diesen Teufelskreis sollten Unternehmer durchbrechen.

„Wichtig ist es, kreisende Gedanken zu stoppen und den Kopf zur Ruhe kommen zu lassen“, sagt vorm Walde. Für manche mag das durch Meditieren gelingen, für andere mit Konzentrations- und Gedächtnisübungen. „Sogar ein schwieriges Puzzle kann helfen, Abstand von den eigenen Gedanken zu bekommen.“

Mehr dazu hier: Abschalten lernen: 10 Tipps, wie Sie nach der Arbeit den Kopf freibekommen

4. Vertrauenspersonen einbeziehen

Zu Unzufriedenheit kommt es häufig, wenn Führungskräfte ihre Probleme für sich behalten und sie selbst lösen wollen, anstatt sich Hilfe zu suchen. Vorm Walde rät ihnen dazu, Vertrauenspersonen zu finden, mit denen sie über Herausforderungen sprechen können. Das können Familienmitglieder sein, ein Coach oder auch Netzwerk- und Selbsthilfegruppen.

5. Grenzen setzen

Langfristig ist es jedoch sinnvoll, der Unzufriedenheit auf den Grund zu gehen. Gerade in kleinen Unternehmen übernehmen Inhaber viele Aufgaben selbst, statt sie zu delegieren, meint vorm Walde. Sie sollten deshalb klare Grenzen setzen: Was sind meine Aufgaben als Unternehmer? Wofür bin ich verantwortlich – und wofür nicht?

Eine entscheidende Entlastung könnten dabei Mitarbeiter sein, meint sie: „Wenn ich meinem Team vertraue, fällt es mir leichter, Aufgaben abzugeben und nicht mehr alles selbst zu machen.“

Wie zeigt sich mangelnde Selbstfürsorge?

Zu viel Stress und Anspannung können sich auf verschiedenste Art zeigen. Häufig werden die Anzeichen deshalb übersehen, sagt vorm Walde. „Unternehmer sollten wachsam bleiben. Je früher sie auf die Symptome reagieren, desto besser „, sagt sie. Warnsignale sind etwa:

  • schlechter Schlaf
  • nicht mehr abschalten können
  • Grübeln und Gedankenkreisen
  • geistige Erschöpfung
  • nachlassende Kreativität
  • schnell aus der Fassung geraten

Welche Gründe hat mangelnde Selbstfürsorge?

Es gibt viele Gründe, wieso Führungskräfte nicht ausreichend für sich sorgen, sagt die Resilienzexpertin. Zwei Motive begegnen ihr bei Unternehmerinnen und Unternehmern immer wieder:

1. „Wir müssen etwas schaffen“

Führungskräfte mit einer ausgeprägten Leistungsorientierung verspüren den Druck, ständig etwas zu erreichen, und geben privaten Themen wenig Raum. Dabei vernachlässigen sie auch ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen.

2. „Ich kann meine Mitarbeiter nicht im Stich lassen“

Insbesondere Unternehmer mit einem starken sozialen Gewissen empfinden laut der Resilienzexpertin Selbstfürsorge als egoistisch. Eigentlich sollte man sich um andere kümmern, statt sich nur auf sich selbst zu fokussieren – so der Gedanke. Die Probleme der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dann Priorität, während die eigenen Bedürfnisse zurückgestellt werden.

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