Jahresmotto Mit wenigen Worten zum großen Erfolg

Ein Jahresmotto bringt die Unternehmensvision auf den Punkt.

Ein Jahresmotto bringt die Unternehmensvision auf den Punkt.© knallgrün / photocase.de

„Im neuen Jahr, da wollen und werden wir endlich…“ Schluss mit langen Reden! Warum gute Vorsätze von gestern sind – und ein Jahresmotto besser in eine erfolgreiche Zukunft führt.

Gute Vorsätze, egal, welchen Lebensbereich sie betreffen, eint eine Sache: das Scheitern. Ob das Ziel nun „mehr Sport“ heißt, „besseres Zeitmanagement“ oder „weniger Smartphone“ – häufig brechen wir unsere Vorhaben schon in der Silvesternacht, spätestens aber ein paar Wochen nach Neujahr. Zwar ist es kein größeres Problem, wenn wir als Privatperson dann die 353. Karteileiche des örtlichen Fitnessstudios werden. Als Unternehmer Ziele zu verfehlen, kann aber teuer werden. „Deshalb rate ich allen, sich statt Vorsätze ein Jahresmotto zu überlegen“, sagt Strategieberater Wolf Hirschmann, der in seinem Unternehmen Slogan selbst darauf setzt. „Ein Jahresmotto ist etwas viel Intensiveres als ein isolierter Vorsatz. Weil es Emotionen weckt und sich mit einem Motto ein Ziel über Monate hinweg sichtbar im Unternehmensalltag verankern lässt.“

Etwas, das Mittelstands-Personalexperte Jörg Knoblauch bestätigt: Seit 20 Jahren setzt auch er in seinem Unternehmen tempus auf ein Jahresmotto. „Wer darauf verzichtet – also die große Mehrzahl der Unternehmer, wie ich vermute –, vergibt sich die Chance, einen flammenden Aufruf zur Tat abzugeben, den jeder versteht. Und zu erklären, was das alles überstrahlende Thema, was die zentrale Herausforderung der nächsten Monate sein werde, um auf diese Weise Mitarbeiter zu begeistern und Kräfte zu bündeln“, so Knoblauch.

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Was ist ein gutes Jahresmotto – und wie entwickeln Unternehmer eines? Hier die Antworten der Experten auf die wichtigsten Fragen.

Was macht ein gutes Jahresmotto aus?

Das ideale Jahresmotto ist kurz, prägnant, ungewöhnlich, fantasievoll – und leicht visualisierbar. „Entscheidend ist, dass die Wörter Emotionen auslösen und Bilder in unserem Kopf entstehen lassen“, erklärt Hirschmann. Einige seiner letzten Motti: „Heldenmut“, „better together“, „Trüffelschwein statt Schweinehund“. Mit diesen ließen sich Mitarbeiter begeistern und auf entspannte Art anspornen, während ein Vorsatz wie „Wir müssen im nächsten Jahr endlich besser werden!“ nur Druck erzeuge – ohne Ideen entstehen zu lassen, wie man das als einzelner Mitarbeiter umsetzen könnte.

Auch ein paar Gramm Humor schaden im Hinblick auf ein gutes Jahresmotto nicht. So hat tempus-Chef Knoblauch seine Jahresmotti – wie etwa „Zusammen(wachsen)“ – lange von einem Cartoonisten illustrieren lassen.

Wahre Motto-Killer dagegen sind lange Sätze sowie Allgemeinplätze, die sich nicht nach den Regeln des Storytellings mit spannenden unternehmensspezifischen Geschichten füllen lassen, wie etwa „Qualität“ oder „Leistungssteigerung“.

Wie entwickelt man ein gutes Jahresmotto?

Wer ein Jahresmotto ausgeben will, sollte sich zunächst ein Ziel überlegen. „Ein Jahresmotto ist so etwas wie der kleine Bruder der Unternehmensvision. Deshalb braucht man als erstes ein strategisches Vorhaben, das dann über das Motto im Alltag aller verankert werden soll“, so Hirschmann. Ein gutes solches Ziel könne etwa sein, als Optiker die Zahl jener Kunden verdoppeln zu wollen, die jünger sind als 30 – oder als Online-Shop-Betreiber die Prozesse für die Kunden zu erleichtern.

Und wie wird aus dem Ziel ein Motto? Sowohl Hirschmann wie auch Knoblauch raten, sich zunächst im Kreis der Führungskräfte Gedanken zu machen, wie sich das Hauptvorhaben des nächsten Jahres beschreiben ließe. „Ihr Ziel ist, besser zu werden? Fragen Sie sich, was ‚besser’ für Sie genau bedeutet. Heißt ‚besser’ eigentlich ‚schneller’? Dann überlegen Sie, womit Sie Schnellsein verknüpfen – und mit welchen Worten“, erklärt Hirschmann das Vorgehen. „So kämen Sie beispielsweise sehr wahrscheinlich rasch auf ‚speed’ – was ein gutes Jahresmotto wäre.“

Wie setzt man ein Jahresmotto um?

Ist ein gutes Jahresmotto gefunden, zieht es sich idealerweise wie ein roter Faden durch den betrieblichen Alltag der nächsten zwölf Monate: „Es kann als Poster die Wand im Flur oder Treppenhaus schmücken, als Bildschirmschoner und auf der Geschäftspost erscheinen, dazu die thematische Klammer für Betriebsausflüge, Feiern und Geschenke bilden“, so Hirschmann. Auch ein Ideenwettbewerb lässt sich damit leicht organisieren – und selbst in der Zielvereinbarung von Angestellten kann es vorkommen.

Welchen Aufwand bedeutet ein Jahresmotto?

Wer eine Unternehmensvision oder ein Leitbild hat, verfügt laut Hirschmann über genügend ausformulierte Ziele, um daraus leicht ein Jahresmotto abzuleiten. Wer das nicht habe, könne sich über ein Jahresmotto dem Bereich der strategischen Arbeit gut annähern. „Außer dem Mut, etwas Neues zu machen, und dem Willen, das Ergebnis konsequent übers Jahr hinweg im Alltag präsent zu halten, brauchen Unternehmer nicht viel“, erklärt Hirschmann. „Auch mit einem kleinen Budget sieht man beim Thema Jahresmotto viel Land.“

Die möglichen Kosten: ein paar Hundert Euro für einen Grafiker, der ein Logo zum Motto gestaltet – sowie für den Programmierer, der das Ergebnis auf der Website verankert. Dazu kommt unter Umständen das Honorar für einen Beratertag: Wollen oder müssen Unternehmer ein Jahresmotto allein entwickeln, kann es sich lohnen, einen Sparringspartner um Hilfe zu bitten.

Wenn ich ein Jahresmotto habe – was bringt es für das Unternehmen?

Ein Jahresmotto hilft, ein bestimmtes Ziel über zwölf Monate hinweg im Bewusstsein der Mitarbeiter zu halten – und steigert somit die Produktivität.

Es bringt aber noch deutlich mehr, in wenigen Worten den Fokus fürs nächste Jahr vorzugeben:

  • Ein Jahresmotto kann helfen, Mitarbeiter zu motivieren

Mit einem Jahresmotto lassen sich Zuständigkeiten auf entspannte Weise anders verteilen – und Mitarbeiter so mit neuen Aufgabenstellungen motivieren. „Beispielsweise könnte der Optiker, der unter dem Motto ‚Hingucker’ jüngere Neukunden gewinnen will, den Azubi prima einbinden. Und ihn etwa bitten, ein Konzept zu erstellen, wie man Kontakte zu potenziellen, jungen Kunden generieren kann“, erklärt Hirschmann. „Und plötzlich steckt der Azubi mittendrin in Vertrieb und Marketing, trägt Eigenverantwortung – ohne dass ein Unternehmen dazu Stühle rücken oder einen Personaler beauftragen muss.“

  • Ein Jahresmotto ist ein guter Anknüpfungspunkt für Kundenkontakte

Ein Jahresmotto kann auch die Kundenkommunikation erleichtern und die Außenwirkung eines Unternehmens verbessern. „Unser Jahresmotto 2018 war etwa ‚Experimente. Bleiben Sie neugierig’. Entsprechend hat sich das Motto auch in der Bewirtung gespiegelt: Wir haben Gästen statt normaler Schokolade solche mit Chili angeboten. Das war natürlich hilfreich, um leicht ins Gespräch zu kommen“, erklärt Hirschmann.

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