Zotter Schokolade
Wie eine Insolvenz zum Glücksfall wurde

Josef Zotter musste mit seiner ersten Firma Insolvenz anmelden. Doch ohne die Pleite würde es seine heutige Schokoladenfabrik wohl nicht geben. Seine Geschichte zeigt, wie aus Scheitern Mut wächst und etwas Außergewöhnliches entstehen kann.

14. April 2026, 17:15 Uhr, von Verena Bast, Wirtschaftsredakteurin

Josef Zotter und seine Tochter Julia mit flüssiger Schokolade
Josef Zotter und seine Tochter Julia entwickeln die Rezepte ihrer Schokoladen selbst, mitunter sehr außergewöhnliche.
© Unternehmen

Mit einem Finger bohrt er in seiner Nase. Auf seinem rechten Knie ist ein großes Pflaster, auf seinem Rücken sitzen zwei kleine Flügel. „Sepp, der Nasenbohrer“ steht auf dem Schild daneben. „Das bin ich“, sagt Josef Zotter schmunzelnd über die Statue. Sepp, so nennen sie ihn alle hier im Ort.

Die Figur steht in seiner Schokoladenfabrik im steirischen Dorf Bergl. Sie erzählt seine ­Geschichte, in Bronze gegossen. Deshalb zeigt er sie Besuchern so gerne.

„Nasenbohren ist frech, oder?“, fragt er, wenn man ihn auf die Figur anspricht. Jeder tue es, aber nicht in der Öffentlichkeit. Zotter bricht gerne mit Konventionen. Dafür steht symbolisch der Finger, der in der Nase der Figur steckt.

Und die Flügel? „Die tragen mich heute und lassen mich ein bisschen abheben“, sagt der Unternehmer. Sie stehen für seinen Erfolg. ­Zotter produziert mit fast 240 Mitarbeitenden 1000 Tonnen Schokolade pro Jahr, darunter sind viele außergewöhnliche Sorten wie Kürbiskern mit Marzipan, Nougat aus Macadamianüssen oder Portwein & Feige.

Der Schokoladentester Georg Bernardini kürte ihn zu einem der besten Schokoladenhersteller der Welt. Auch für das Magazin „Der Feinschmecker“ gehört eines seiner Produkte zu den Top Ten.

Josef Zotter mit Bronze-Figur "Sepp, der Nasenbohrer“
© Marco Rossi für impulse Die Figur aus Bronze mit dem Namen „Sepp, der Nasenbohrer“ hat ein Künstler eigens für Josef Zotter angefertigt. Sie vereint, was den Unternehmer auszeichnet.

Das Pflaster auf dem Knie der Figur erinnert an die dunklen Zeiten. Vor 30 Jahren musste Zotter Insolvenz anmelden. Damals betrieb er eine Konditorei in Graz mit vier Geschäften. „Ich habe einfach zu viel riskiert“, sagt er.

Doch so schwierig die Pleitezeit war, sie war auch Zotters Glück: „Ohne sie gäbe es den ­Betrieb hier in Bergl wahrscheinlich nicht“, sagt der 65-Jährige heute.

Seine Geschichte zeigt: Eine Insolvenz kann eine Chance sein, Fehler zu korrigieren und Neues zu wagen – mit Mut, Durchhaltewillen und Ideenreichtum.

Doch wie gelang es Zotter, im zweiten Anlauf so erfolgreich zu werden? Um das zu verstehen, muss man tiefer in seine Geschichte eintauchen.


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