Nachtzuschlag Müssen Arbeitgeber bei Nachtarbeit mehr zahlen?

Arbeiten, wenn der Mond scheint und alle anderen schlafen: Nachtarbeitnehmer haben Anspruch auf  Nachtzuschlag oder Freizeitausgleich.

Arbeiten, wenn der Mond scheint und alle anderen schlafen: Nachtarbeitnehmer haben Anspruch auf Nachtzuschlag oder Freizeitausgleich. © han.lei / photocase.de

Ob in der Kneipe oder im Krankenhaus: Welche Arbeitnehmer haben Anspruch auf Nachtzuschlag? Wann wird er fällig - und in welcher Höhe? Die Rechtslage bei Nachtarbeit im Überblick.

Wer hat Anspruch auf Nachtzuschlag?

Mitarbeiter, die regelmäßig nachts arbeiten, sind besonderen Belastungen ausgesetzt: Sie leben entgegen ihrem Biorhythmus und schlafen tagsüber, sodass Familie, Freunde und Hobbys häufig zu kurz kommen. „Diese Strapazen will der Gesetzgeber ausgleichen, deswegen haben Nachtarbeitnehmer Anspruch auf eine Ausgleichsleistung“, sagt Rechtsanwalt Simon A. Fischer.

Wie die aussieht, entscheidet der Arbeitgeber: Laut Arbeitszeitgesetz kann er einen Freizeitausgleich geben oder einen Nachtzuschlag zahlen (ArbZG § 6). „Eine von beiden Möglichkeiten muss er anbieten“, sagt Fischer. Was ein Mitarbeiter als Ausgleich bekommt, kann aber auch in Tarifverträgen geregelt sein.

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Wer gilt als Nachtarbeitnehmer?

Als Nachtarbeitnehmer gelten nur Mitarbeiter, die regelmäßig und mindestens zwei Stunden in der Nachtzeit beschäftigt sind. Also entweder

  • in Wechselschicht regelmäßig nachts arbeiten müssen
  • oder aber mindestens an 48 Tagen im Jahr nachts beschäftigt sind

Als Nachtzeit gilt laut Gesetz die Zeit von 23 Uhr abends bis sechs Uhr morgens. Eine Ausnahme sind Bäckereien und Konditoreien. Für sie gilt die Nachtzeit von 22 Uhr bis fünf  Uhr (ArbZG § 2).

Das heißt: Arbeitet beispielsweise ein Konditor bis 23.30 Uhr, erhält er für diese 90 Minuten Nachtarbeit noch keinen Zuschlag – denn der Anspruch auf einen Zuschlag besteht erst ab zwei Stunden Nachtarbeit. Andersherum heißt das aber auch: Arbeitet ein Konditor immer von 16 Uhr bis Mitternacht, gilt er als Nachtarbeitnehmer – auch wenn er seinem Job hauptsächlich tagsüber nachgeht. „Denn er arbeitet ja regelmäßig zwei Stunden in der Nacht und hat somit Anspruch auf Ausgleich“, sagt Fischer.

Wie hoch ist der Nachtzuschlag?

Sofern keine tariflichen Ausgleichsregelungen bestehen, können Arbeitgeber wählen, ob sie einen Nachtzuschlag zahlen oder Freizeitausgleich gewähren. Entscheiden sich der Arbeitgeber für den Nachtzuschlag, so beträgt er 25 Prozent des Bruttostundenlohns. Arbeitet ein Mitarbeiter dauerhaft nachts, erhöht sich der gesetzliche Anspruch auf 30 Prozent. Das hat das Bundesarbeitsgericht 2015 entschieden und damit die bis dahin geltenden gesetzlichen Regelungen konkretisiert (Az. 10 AZR 423/14).

Damals hatte ein Lkw-Fahrer geklagt, der in der Regel von 20 Uhr bis 6 Uhr arbeitete. Sein (nicht tarifgebundener) Arbeitgeber zahlte für die Nachtarbeit einen Zuschlag von zunächst etwa 11 Prozent und später 20 Prozent. Der Mitarbeiter klagte und forderte die Zahlung eines Zuschlags in Höhe von 30 Prozent oder einen Freizeitausgleich von zwei Arbeitstagen für jeweils 90 Nachtarbeitsstunden. Das Bundesarbeitsgericht gab ihm Recht.

„Bei Arbeitnehmern, die besonders schwerer Tätigkeit nachgehen, kann sich der Nachtzuschlag sogar auf bis zu 40 Prozent erhöhen“, sagt Fischer. Andererseits kann sich die Zahlung bei geringerer Belastung auch verringern, beispielsweise bei Bereitschaftsdienst. „Die Höhe des Zuschlags ist immer abhängig von der Branche, der konkreten Tätigkeit und den Arbeitsumständen.“

Beispiel für unterschiedlich hohe Zuschläge in einem Unternehmen: Man stelle sich vor, es ist Winter, nachts am Hafen in Hamburg. Es ist kalt, dunkel und nass. Der Pförtner hat Glück: Er muss zwar nachts arbeiten, aber immerhin sitzt er in seinem Pförtnerhäuschen – da ist es warm und trocken. Ein Lascher hingegen arbeitet zur selben Zeit draußen, in eisiger Kälte auf dem Containerschiff. Sein Job ist es, dafür zu sorgen, dass Schiffsladung richtig befestigt ist – das ist harte körperliche Arbeit und nicht ungefährlich. Beide arbeiten zwar zur gleichen Zeit, aber unter völlig anderen Bedingungen. Deswegen muss der Nachtzuschlag unterschiedlich hoch ausfallen. Dem Pförtner stünden etwa zehn bis zwölf Prozent Zuschlagszahlung zu; beim Lascher wären es mehr als 30 Prozent .

Wie bemisst sich der Freizeitausgleich?

„Beim Freizeitausgleich gelten dieselben Prozentsätze wie beim monetären Zuschlag, man kann also grundsätzlich von 25 Prozent ausgehen“, sagt Fischer. Das heißt, wenn ein Arbeitnehmer vier Acht-Stunden-Nachtschichten hinter sich hat, hat er Anspruch auf einen zusätzlichen freien Tag.

Wann gelten andere Regelungen bei Nachtarbeit?

Andere Regelungen gelten, wenn im Tarifvertrag oder im Arbeitsvertrag abweichende Vereinbarungen zur Nachtarbeit festgehalten sind. Dabei gilt immer die jeweils günstigste Alternative für den Arbeitnehmer. Das heißt, wenn der Arbeitgeber tarifgebunden ist, gilt der Tarifvertrag. „Der Arbeitgeber kann nicht zu Lasten des Arbeitnehmers andere Vereinbarungen treffen – zugunsten hingegen schon“, sagt Fischer.

Müssen Arbeitgeber für den Nachtzuschlag Sozialabgaben abführen?

Laut Sozialversicherungsentgeltverordnung müssen Arbeitgeber keine Sozialabgaben auf den Nachtzuschlag abführen, solange der Grundlohn 25 Euro pro Stunde und der Zuschlag 25 Prozent nicht übersteigt (§ 1 SvEV). „Im Einzelfall kann allerdings auch bei höherem Grundlohn und niedrigerem Zuschlag eine Abgabenfreiheit bestehen“, sagt Fischer. „Im speziellen Fall sollten Unternehmer sich dann an einen Steuerberater wenden.“

Wann ist der Nachtzuschlag für den Arbeitnehmer steuerfrei?

Nach den aktuellen Regelungen im Einkommenssteuergesetz (§3b Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 EStG) ist bei einem Grundlohn von maximal 50 Euro ein Zuschlag von bis zu 25 Prozent steuerfrei. „Es gibt aber Arbeitszeiten, die als für den Biorhythmus besonders strapazierend gelten“, sagt Fischer. Per Gesetz sind die Nachtarbeitsstunden zwischen 0 und 4 Uhr, die der Gesetzgeber als besonders belastend anerkannt und deswegen eine höhere Steuerfreigrenze ansetzt. „In diesen Zeiten wären auch Zuschläge von 40 Prozent steuerfrei, sofern die Arbeit vor Mitternacht begonnen wurde“, sagt Fischer.

Was gilt, wenn Nachtarbeiter an einem Feiertag arbeiten?

„Dem Gesetzgeber ist es völlig egal, ob die Nachtarbeit an einem Feiertag anliegt oder nicht“, sagt Fischer. Das heißt: Es werden Nachtzuschläge gezahlt, weil Nacht ist – welche Nacht, ist unwichtig.

Hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf Nachtzuschlag und auf Feiertagszuschlag, muss der Arbeitgeber bei Nachtarbeit an Feiertagen beide Zuschläge zahlen. Hier erhalten Sie einen Überblick über die Rechtslage zum Feiertagszuschlag.

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