Durchschnittliche Ausfallzeit Burnout
So lange fallen Angestellte wegen Burnout aus

Von einem Burnout zu genesen, braucht seine Zeit. Doch wie lange ist die durchschnittliche Ausfallzeit bei einem Burnout tatsächlich? Die Dauer der Krankschreibung hat sich stark verändert.

16. Juni 2024, 08:07 Uhr, von Miriam Mueller-Stahl, Wirtschaftsredakteurin

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Durchschnittliche Ausfallzeit Burnout
Burnout ist längst kein Randgruppenthema mehr. Die durchschnittliche Ausfallzeit bei einem Burnout hat deutlich zugenommen.
© d3sign / Moment RF / Getty Images

Ein Burnout führt meist irgendwann zur Arbeitsunfähigkeit, denn er gilt laut der WHO als Syndrom, das durch „Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann“ definiert wird. Im Gegensatz zu vielen körperlichen Krankheiten, deren Dauer oft in etwa abzusehen ist, ist der Zeitraum der Arbeitsunfähigkeit bei Burnout nicht vorherzusagen. Wie lange die betroffene Person zur Genesung benötigt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. So arbeiten Menschen, die unter einem stillen Burnout leiden oft noch lange weiter, während der schwerwiegende Burnout ab einem gewissen Stadium im Normalfall zur Arbeitsunfähigkeit führt. Allerdings gibt es eine Studie der Online-Plattform Statista, die die durchschnittliche Ausfallzeit bei Burnout erfasst. Die Zahlen sind alarmierend.

Durchschnittliche Ausfallzeit bei Burnout laut Studie

Die Daten der Studie bilden die Arbeitsunfähigkeitsfälle wegen eines Burnouts von Versicherungsnehmern der AOK bis einschließlich des Jahres 2022 ab und sind besorgniserregend: Waren es im Jahre 2005 noch im Durchschnitt 13,9 Arbeitsunfähigkeitstage bei 1.000 Versicherten mit Burnout, betrug die durchschnittliche Ausfallzeit bei Burnout 2022 bereits 159,8 Tage bei 1.000 Versicherungsnehmern. Die durchschnittliche Ausfallzeit wegen des Erschöpfungszustandes aus beruflichen Gründen ist somit stark angestiegen.

Mögliche Gründe für den Anstieg an Personen mit Burnout und längerer Ausfallzeit

In einer Studie des Future Forums, einem Konsortium, das sich auf den Ausbau einer flexiblen, integrativen und vernetzten Arbeitsweise fokussiert hat, gaben Ende 2022 37 Prozent der Befragten in Deutschland an, sich ausgebrannt zu fühlen.

Eine mögliche Erklärung dieser hohen Anzahl: Die Arbeitsbelastung ist derzeit in vielen Branchen extrem hoch. Schon durch die Corona-Pandemie stießen viele an ihre Grenzen. Aufgrund der jetzigen hohen Inflation, die meist jedoch nicht dazu führte, dass auch die Löhne angehoben wurden, haben viele weniger Geld zur Verfügung bei gleicher Arbeit. Das senkt die Lebensqualität. Zudem steigt der Druck, den Job zu verlieren, da die wirtschaftliche Lage extrem angespannt ist. Hinzu kommt eine ganz neue gefühlte Bedrohung:  Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes durch die fortschreitende Etablierung Künstlicher Intelligenz in Unternehmen, die menschliches Personal in naher Zukunft ersetzen könnte.

Der Druck und die Sorge steigen also stetig bei vielen Arbeitnehmern an. Was dazu führen kann, dass die Anzahl an Personen mit Burnout zunimmt, die nicht nach zwei Wochen wieder im Betrieb einsetzbar sind, sondern längere Zeit für ihren Genesungsprozess benötigen.

Diese Faktoren beeinflussen die Dauer der Arbeitsunfähigkeit bei Burnout

Nicht nur die äußeren Umstände, sondern auch individuelle Faktoren spielen bei der Dauer der Arbeitsunfähigkeit eine Rolle. Folgende drei Faktoren beeinflussen die Zeit der Krankschreibung:

  1. Dauer der belastenden Situation: Je früher jemand die Anzeichen eines Burnouts erkennt und diesem entgegenwirkt, desto weniger stark kann sich das Syndrom manifestieren. Im Umkehrschluss heißt es, je länger sich eine Person in einer Arbeitssituation befindet, die bei ihr extremen Stress erzeugt, umso stärker nehmen Burnout-Symptome wie Unkonzentriertheit, Schlafprobleme bis hin zu Panikattacken zu. Manifestieren sich diese Symptome erst einmal, dauert es entsprechen länger, zu genesen.
  2. Grundsätzliche Konstitution: Wer grundsätzlich ein optimistischer Mensch ist und durch eine einmalige belastende Jobsituation in den Burnout gerät, kann sich oft schneller von einem Burnout regenerieren als jemand, der psychisch grundsätzlich eher labil ist. Als Außenstehender ist dies allerdings nicht so leicht zu bemerken, da sich auch hinter einer selbstbewussten Fassade eine labile Persönlichkeit befinden kann.
  3. Art der Therapie und Therapieerfahrung: Je nach Schweregrad des Burnouts ist eine ambulante oder stationäre Therapie vonnöten. Ist eine Einweisung in eine Klinik notwendig, dauert die Ausfallzeit entsprechend. Ein Klinikaufenthalt beträgt in der Regel mehrere Wochen bis hin zu Monaten. Anschließend kann zur Stabilisierung des Patienten noch der Aufenthalt in einer Tagesklinik notwendig sein. Hat die betroffene Person jedoch bereits therapeutische Unterstützung gehabt, ist die Person vielleicht schon routinierter im Umgang mit den Burnout-Anzeichen und ist dementsprechend auch früher wieder arbeitsfähig.

Worauf müssen sich Arbeitgeber einstellen, wenn jemand wegen Burnout ausfällt?

Es kann zwar nicht pauschal gesagt werden, wie lange die Ausfallzeit bei Burnout ist, allerdings ist es ratsam, wenn Arbeitgeber sich darauf einstellen, dass es mehrere Monate dauern kann bis die erkrankte Person wieder arbeitsfähig ist. Auch die Wiedereingliederung sollte mit einkalkuliert werden. Die meisten Menschen, die wegen Burnout krankgeschrieben waren, arbeiten nicht gleich in Vollzeit weiter, sondern zunächst immer nur einige Stunden am Tag. Die Arbeitsstunden werden dann nach und nach angehoben.

Arbeitgeber sollten dementsprechend einen Plan erstellen, wie sie über einen längeren Zeitraum ohne die erkrankte Person die Arbeit umverteilen, ohne das eine weitere Arbeitsüberlastung innerhalb des Teams entsteht. Und auch wenn die persönliche Konstitution des Arbeitsnehmers einen Einfluss haben kann, sollte sich der Arbeitgeber fragen, ob das Arbeitspensum im Unternehmen grundsätzlich zu hoch ist und was er selbst zur Burnout-Prävention seiner Mitarbeiter beitragen kann.

Die Reflexion der Arbeitsbedingungen ist wichtig, vor allem, wenn mehrere Arbeitnehmer an Burnout erkranken. Ist dies der Fall könnte es ein Anzeichen sein, dass an den Arbeitsbedingungen grundsätzlich etwas verändert werden muss, damit Ausfallzeiten wegen Burnout nicht mehr entstehen.

Quellen:

Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund von Burn-out-Erkrankungen, in Deutschland in den Jahren 2004 bis 2022 (je 1.000 AOK-Mitglieder), in: Statista, Abrufdatum 04. Juni 2024

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Burn-out an „occupational phenomenon“: International Classification of Diseases, in World Health Organization, Abrufdatum: 04. Juni 2024

Amid spiking burnout, workplace flexibility fuels company culture and productivity, in: Future Forum, Abrufdatum 04.Juni 2024

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