Permanent erreichbar
„Als Unternehmer braucht man regelmäßig Abstand“

Warum denkt Papa auch in der schwedischen Pampa ständig an die Arbeit? impulse-Blogger Björn Waide will im Urlaub nicht mehr permanent erreichbar sein – nicht nur wegen seiner Kinder.

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Im Urlaub einfach mal in den Himmel schauen, Zeit mit der Familie verbringen - das ist Björn Waide wichtiger, als permanent erreichbar zu sein.
Im Urlaub einfach mal in den Himmel schauen, Zeit mit der Familie verbringen - das ist Björn Waide wichtiger, als permanent erreichbar zu sein.
© complize / photocase.de

„Vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich bin bis zum 11.08.2019 im Sommerurlaub. E-Mails lese ich in der Zeit nicht“, stand diesen Sommer in meiner Abwesenheitsnotiz. Am Ende muss ich gestehen: Ich habe meine E-Mails gelesen. Und anders als impulse-Blogger Sven Franzen fühlte ich mich nicht ganz wohl damit.

Nie mehr „always on“

Am letzten Urlaubstag – nach drei Wochen schwedischer Idylle mit hundertprozentiger Netzabdeckung – habe ich mir Gedanken darüber gemacht, welche Impulse ich mit nach Hause nehme. Der wichtigste: Ich werde meine beruflichen Aktivitäten klarer von meinen privaten trennen, indem ich mir ein zweites Handy nur für den privaten Gebrauch zulegen werde. Warum?

Das Smartphone war auch in der Einsamkeit Schwedens ein wichtiger Begleiter und auf viele Dienste möchte ich im Urlaub nicht verzichten. Aber jedes Mal, wenn ich das Handy zur Hand nahm, warteten dort berufliche Nachrichten bei Outlook, Slack, Twitter oder Facebook auf mich. Dabei wollte ich eigentlich bewusst abschalten und mich nicht digital, sondern weitgehend analog in der Natur bewegen.

Es läuft auch ohne mich

So wie ich es Externe per Abwesenheitsnotiz habe wissen lassen, so war auch mein Team im Bilde, dass ich – von Notfällen einmal abgesehen – nicht erreichbar sein werde. Und das war auch gar kein Thema, schließlich arbeiten wir bei smartsteuer schon lange agil.

Mehr dazu: Abwesenheitsnotiz: Gelungene Beispiele, peinliche Fehler

Ich wusste also: Meine Kolleginnen und Kollegen in Hannover, Freiburg und Stuttgart haben alles im Griff. Aber allzu oft konnte ich der Versuchung doch nicht widerstehen und habe mich im Urlaub – ohne es zu merken – plötzlich mehrere Minuten bis Stunden mit beruflichen Dingen beschäftigt. Damit meine ich nicht allein Bildschirmzeit, sondern auch das Gedankenkarussell im Kopf, das sich unweigerlich zu drehen beginnt.

Der gemeinsamen Zeit mit der Familie war das nicht zuträglich. Erkläre das mal einer den Kindern: Warum sollen sie hunderte Kilometer weit in die Pampa fahren, wenn Papa dann doch wieder mit der Arbeit beschäftigt ist? Auch meiner eigenen Erholung tat es nicht gut, weil eine gewisse Anspannung nicht abfallen konnte.

Urlaub ist nicht Kür, sondern Pflicht

Tatsächlich hat sich aus der „E-Mails im Urlaub lesen ist doch kein Problem“-Kultur ein Phänomen entwickelt, das uns zu denken geben sollte: Vacation Shaming. Damit gemeint ist zum Beispiel die Angst vieler Chefs, in Anbetracht der ach so wichtigen Aufgaben nicht für einige Tage oder Wochen das Ruder aus der Hand geben zu können. Als sei es etwas Schlechtes, einmal völlig abzuschalten. Teilweise äußert sich dieses Phänomen auch darin, dass Vorgesetzte oder Kollegen denjenigen, die sich Urlaub gönnen, ein schlechtes Gewissen machen. Oder ihnen die freie Zeit in Anbetracht der vielen Arbeit missgönnen.

Ich bin überzeugt: Als Unternehmer braucht man den regelmäßigen Abstand zum Unternehmen – nicht nur im Urlaub, auch im Alltag, um nach den Auszeiten wieder voller Tatendrang loszulegen. Gerade Kreativität lebt von Pausen, ja manchmal auch von Langeweile, damit man seinen Gedanken freien Lauf lassen kann. Sich im Urlaub von den Aufgaben im Unternehmen zu lösen, sollte daher nicht Teil der Kür eines CEOs sein, sondern eine Pflicht.

Mein neues Handy wird nur für den privaten Gebrauch sein. Gut, Social-Media-Apps verwässern den Anspruch etwas. Aber bestimmte Dienste – wie Slack und Outlook – haben dort dann einfach nichts zu suchen. In den nächsten Urlaub werde ich beide Geräte mitnehmen. Das Diensthandy trage ich dann aber nicht bei mir, sondern werde es wenige Male am Tag bewusst einschalten.

Mich interessiert nun: Welche Strategien wenden Sie an, um mit der Herausforderung „always on“ umzugehen? Wie trennen Sie Privates und Berufliches im Urlaub?

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"Vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich bin bis zum 11.08.2019 im Sommerurlaub. E-Mails lese ich in der Zeit nicht", stand diesen Sommer in meiner Abwesenheitsnotiz. Am Ende muss ich gestehen: Ich habe meine E-Mails gelesen. Und anders als impulse-Blogger Sven Franzen fühlte ich mich nicht ganz wohl damit. Nie mehr "always on" Am letzten Urlaubstag – nach drei Wochen schwedischer Idylle mit hundertprozentiger Netzabdeckung – habe ich mir Gedanken darüber gemacht, welche Impulse ich mit nach Hause nehme. Der wichtigste: Ich werde meine beruflichen Aktivitäten klarer von meinen privaten trennen, indem ich mir ein zweites Handy nur für den privaten Gebrauch zulegen werde. Warum? Das Smartphone war auch in der Einsamkeit Schwedens ein wichtiger Begleiter und auf viele Dienste möchte ich im Urlaub nicht verzichten. Aber jedes Mal, wenn ich das Handy zur Hand nahm, warteten dort berufliche Nachrichten bei Outlook, Slack, Twitter oder Facebook auf mich. Dabei wollte ich eigentlich bewusst abschalten und mich nicht digital, sondern weitgehend analog in der Natur bewegen. Es läuft auch ohne mich So wie ich es Externe per Abwesenheitsnotiz habe wissen lassen, so war auch mein Team im Bilde, dass ich – von Notfällen einmal abgesehen – nicht erreichbar sein werde. Und das war auch gar kein Thema, schließlich arbeiten wir bei smartsteuer schon lange agil. Mehr dazu: Abwesenheitsnotiz: Gelungene Beispiele, peinliche Fehler Ich wusste also: Meine Kolleginnen und Kollegen in Hannover, Freiburg und Stuttgart haben alles im Griff. Aber allzu oft konnte ich der Versuchung doch nicht widerstehen und habe mich im Urlaub – ohne es zu merken – plötzlich mehrere Minuten bis Stunden mit beruflichen Dingen beschäftigt. Damit meine ich nicht allein Bildschirmzeit, sondern auch das Gedankenkarussell im Kopf, das sich unweigerlich zu drehen beginnt. Der gemeinsamen Zeit mit der Familie war das nicht zuträglich. Erkläre das mal einer den Kindern: Warum sollen sie hunderte Kilometer weit in die Pampa fahren, wenn Papa dann doch wieder mit der Arbeit beschäftigt ist? Auch meiner eigenen Erholung tat es nicht gut, weil eine gewisse Anspannung nicht abfallen konnte. Urlaub ist nicht Kür, sondern Pflicht Tatsächlich hat sich aus der "E-Mails im Urlaub lesen ist doch kein Problem"-Kultur ein Phänomen entwickelt, das uns zu denken geben sollte: Vacation Shaming. Damit gemeint ist zum Beispiel die Angst vieler Chefs, in Anbetracht der ach so wichtigen Aufgaben nicht für einige Tage oder Wochen das Ruder aus der Hand geben zu können. Als sei es etwas Schlechtes, einmal völlig abzuschalten. Teilweise äußert sich dieses Phänomen auch darin, dass Vorgesetzte oder Kollegen denjenigen, die sich Urlaub gönnen, ein schlechtes Gewissen machen. Oder ihnen die freie Zeit in Anbetracht der vielen Arbeit missgönnen. Ich bin überzeugt: Als Unternehmer braucht man den regelmäßigen Abstand zum Unternehmen – nicht nur im Urlaub, auch im Alltag, um nach den Auszeiten wieder voller Tatendrang loszulegen. Gerade Kreativität lebt von Pausen, ja manchmal auch von Langeweile, damit man seinen Gedanken freien Lauf lassen kann. Sich im Urlaub von den Aufgaben im Unternehmen zu lösen, sollte daher nicht Teil der Kür eines CEOs sein, sondern eine Pflicht. Mein neues Handy wird nur für den privaten Gebrauch sein. Gut, Social-Media-Apps verwässern den Anspruch etwas. Aber bestimmte Dienste – wie Slack und Outlook – haben dort dann einfach nichts zu suchen. In den nächsten Urlaub werde ich beide Geräte mitnehmen. Das Diensthandy trage ich dann aber nicht bei mir, sondern werde es wenige Male am Tag bewusst einschalten. Mich interessiert nun: Welche Strategien wenden Sie an, um mit der Herausforderung "always on" umzugehen? Wie trennen Sie Privates und Berufliches im Urlaub?