Rollenklarheit
Immer das gleiche Problem? Finde deine blinden Flecken und es wird besser

Dein Team übernimmt zu wenig Verantwortung? Vielleicht, weil du zu viel machst. Wer den eigenen Anteil am Problem erkennt, entlastet sich und andere – und kann die Unternehmerrolle bewusster gestalten.

4. September 2026, 14:20 Uhr, von Lena Kaltenbach, Redakteurin

Mensch steht auf einem Bein und jongliert
© merovingian / DigitalVision Vectors / Getty Images Plus

Die Uhr zeigt gerade mal 8.30 Uhr und in deinem Kopf sirrt bereits der Alarm. Ein Kunde braucht dringend eine Entscheidung, im Team hängt ein Projekt fest und dein Assistent fragt nach dem Mittagessen morgen mit dem neuen Geschäftspartner. Also springst du ein, beantwortest Fragen und tüftelst selbst an Lösungen. Abends hast du vieles erledigt, aber wieder nicht das, wofür du an der Spitze deines Unternehmens eigentlich Zeit brauchst. Die Strategiearbeit musstest du deswegen auf morgen schieben, und während du das Licht in der Halle ausschaltest, ärgerst du dich und denkst: Ich habe einfach zu wenig Zeit. Wir haben zu viele Baustellen.

Änderungen im Außen genügen nicht

Doch was, wenn sich trotz Lösungsversuchen wenig verändert? Wenn du deinen Kalender neu strukturiert, Prozesse angepasst oder Zuständigkeiten verändert hast und trotzdem immer wieder an denselben Punkt kommst? Hinter Sätzen wie „Ich habe keine Zeit“ oder „Wir haben zu viele Baustellen“ kann auch mehr stecken, sagt Psychologin und Executive Coachin Karen Neumann aus München: „Wenn man als Chefin oder Chef versucht, im Außen etwas zu verändern, aber es verändert sich nichts, kann das ein Hinweis auf tieferliegende Muster sein.“ Dann kann es sinnvoll sein, zu schauen, was es vielleicht mit mir selbst zu tun hat. Ein notwendiger Perspektivwechsel, denn wer sich selbst ausblende, fliege im Blindflug, so die Expertin. Das Risiko fürs Scheitern steige.

Manchmal nehmen Chefinnen und Chefs im Unternehmen eine bestimmte Rolle unbewusst ein. Wer unter Druck jedes Problem selbst löst oder alle Entscheidungen an sich zieht, beeinflusst damit auch das Verhalten des Teams. „Fehlt Klarheit über die eigene Rolle, könnten auch Emotionen die Steuerung im Unternehmen übernehmen“, sagt Psychologe Christian Bernreiter aus München, der Familienbetriebe berät. Dann lösen Führungskräfte etwa genervt das Problem eines Mitarbeiters selbst und sorgen so möglicherweise dafür, dass er beim nächsten Mal wieder vor der Tür steht. Eine klare Unternehmerrolle helfe, auch in aufgeladenen Situationen handlungsfähig zu bleiben, so Bernreiter.


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