Von Stress abgrenzen
Starke Nerven: So bleibst du cool, wenn andere Stress verbreiten

Gestresste Teammitglieder wirken sich schnell auf die eigene Stimmung aus. Doch keine Sorge: Mit diesen sieben einfachen Tipps bleibst du entspannt und lässt dich nicht von der Unruhe anstecken.

Aktualisiert am 22. April 2026, 16:26 Uhr, von Sandra Kunkel

Mann (links) und Frau (rechts) am Schreibtisch. Mann schreit Frau mit einem Megaphon an.
© AaronAmat / iStockphoto / Getty Images Plus

Der Kollege geht hektisch auf und ab, die Mitarbeiterin hämmert in die Tasten – und schon steigt der Stresspegel im ganzen Büro. Um trotzdem gelassen zu bleiben, rät der Psychologe Gert Kaluza des GKM-Instituts für Gesundheitspsychologie dazu, der 4-A-Strategie zu folgen: dabei geht es um Akzeptanz, Abkühlung, Analyse und Aktion. Diese sieben praktischen Tipps helfen, den Prozess zu durchlaufen – und mit gestressten Teammitgliedern souverän umzugehen.

1. Akzeptiere das Unveränderliche

„Zuerst geht es darum wahrzunehmen, dass der Kollege heute wohl gestresst ist“, so Gert Kaluza. Anstatt genervt zu sein oder die Situation zu ignorieren, kannst du dich dafür entscheiden, die Laune des anderen so zu akzeptieren, wie sie ist. Das löst den inneren Widerstand und entspannt. „Das bedeutet nicht, dass ich die Laune des Kollegen gut finden muss“, sagt der Psychologe – sondern nur, dass du die Situation richtig einordnest.

2. Zieh klare Grenzen

Wenn du dir darüber klar bist, dass eine Person in deinem Umfeld gestresst ist, kannst du dich laut Gert Kaluza aktiv dazu positionieren: Und zwar indem du dir selbst klarmachst, dass dieser Stress beim anderen liegt und nicht bei dir selbst. Das erlaubt dir, dich selbst innerlich von dem Stress besser abzugrenzen. Und vor allem: „Ich muss nicht der Retter sein“, sagt Gert Kaluza. Diese Abgrenzung kannst du auch kommunizieren, zum Beispiel so: „Ich möchte mich gerne auf diese Aufgabe konzentrieren, könntest du bitte etwas leiser sein.“

3. Gönn dir eine Pause

Es kann helfen, ein wenig Abstand von der gestressten Person zu gewinnen, um Ruhe zu bewahren. Vor allem, wenn man merkt, dass man sich vom Stress anstecken lässt, sollte man sich abkühlen. „Zum Beispiel, indem ich mir eine kleine Auszeit nehme, um durchzuatmen und mich selbst zu beruhigen“, sagt der Psychologe. Oft reicht es schon, sich kurz die Beine zu vertreten oder einen Kaffee in der Sonne zu trinken.

4. Nimm dir eine innere Auszeit

Eine innere Auszeit kann dich davor schützen, dich vom Stress deines Umfelds anstecken zu lassen. Schließe deine Augen, atme tief durch und reise in Gedanken an einen schönen Ort, oder denk an geliebte Menschen. „Kleine Dinge, die an etwas Schönes erinnern, wie Fotos aus dem Urlaub, verstärken positive Gedanken und Gefühle und helfen beim Abkühlen“, sagt Gert Kaluza.

5. Bleib selbst betont ruhig

Ein ruhiges Auftreten hilft dir selbst und kann beruhigend auf die Umgebung wirken. „Dadurch, dass man sich selbst entspannt, entspannt sich eventuell auch das Gegenüber“, sagt der Experte. Es hilft nicht, selbst hektischer zu werden und damit in eine gemeinsame Spirale zu geraten, in der alle nur noch gestresster werden. Durch Ruhe signalisierst du, dass du alles unter Kontrolle hast – was besonders bei gemeinsamen Aufgaben den Beteiligten weiterhilft.

6. Arbeite woanders weiter

Wechsel den Arbeitsplatz, wenn du kannst. „Wenn ich nicht darauf angewiesen bin, mit dem Kollegen zusammenzuarbeiten, kann ich mich auch rausziehen“, schlägt Gert Kaluza vor. Bei vielen Jobs ist es möglich, ins Homeoffice, ein ruhigeres Büro oder einen Meeting-Raum zu wechseln. Bei anderen Jobs – wie etwa im Handwerk – gibt es vielleicht auch andere Aufgaben, die du zuerst erledigen kannst, ohne dabei direkt neben dem Panikmacher zu arbeiten.

7. Hilf dem anderen, ruhiger zu werden

Wenn ein Kollege langfristig gestresst ist, hat das wahrscheinlich auch eine negative Wirkung auf dich und deine Arbeit. Eventuell gerät sogar das ganze Team unter Spannung. Zudem kann es laut Gert Kaluza sein, dass du dir ernsthafte Sorgen um diese Person machst. Als Führungskraft hast du zusätzlich die Verantwortung deiner Fürsorgepflicht nachkommen zu müssen. Sprich das Problem offen an, um auch deinem Gegenüber bewusst zu machen, dass er oder sie Hektik verbreitet. Zum Beispiel kannst du sagen: „Ich merke, du bist gestresst, das ist okay. Was könnte dir jetzt helfen?“

 Der Experte
Prof. Dr. Gert Kaluza gibt Tipps, wie Sie sich von Stress abgrenzen könnenProf. Dr. Gert Kaluza ist Diplom-Psychologe und Gründer und Leiter des GKM-Instituts für Gesundheitspsychologie. Sein Buch "Gelassen und sicher im Stress – Stress erkennen, verstehen, bewältigen" ist bei Springer erschienen und kostet 22,99 Euro.
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