Vor- und Nachteile von Factoring Was sind die Vorteile und Nachteile von Factoring?

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Schneller Geld in der Kasse - das ist der große Vorteil von Factoring. Der Preis für schnelle Liquidität ist vergleichsweise gering. Doch die Finanzierungsmethode kommt nicht für jedes Unternehmen in Frage.

Schneller Geld in der Kasse - das ist der große Vorteil von Factoring. Der Preis für schnelle Liquidität ist vergleichsweise gering. Doch die Finanzierungsmethode kommt nicht für jedes Unternehmen in Frage. © ModernNomads / getty-images

Wenn Kunden nicht (oder erst spät) zahlen, kann Factoring helfen, trotzdem an sein Geld zu kommen. Das sind die Vorteile und Nachteile - und so können Unternehmer prüfen, ob diese Finanzierungsart für ihre Firma in Frage kommt.

Der Auftrag ist erledigt, die Rechnung gestellt – doch das Geld geht einfach nicht auf dem Geschäftskonto ein. Kunden, die nicht oder verzögert zahlen, nerven und machen Arbeit. Einen Ausweg bieten Factoring-Gesellschaften. Sie kaufen den Unternehmen Forderungen aus laufenden Geschäften ab. Statt Wochen oder Monate zu warten, bis der Kunde endlich zahlt, kann Factoring so sofort für Liquidität sorgen. Wäre die Art der Finanzierung auch etwas für Sie?

Factoring – das sind die Vorteile

Liquiditätsgewinn:
Da der so genannte Factor die Außenstände Ihrer Firma übernimmt, müssen Sie nicht mehr so lange auf Ihr Geld warten. Das erweitert Ihre finanziellen Spielräume beträchtlich. Und da Sie sehr schnell flüssig sind, auch wenn der Kunde noch nicht gezahlt hat, können Sie in stärkerem Maße als vorher Barzahlerrabatte (Skonti) ausnutzen. Weiterer Wettbewerbsvorteil: Ihren Kunden können Sie längere Zahlungsziele einräumen.

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Risikoabsicherung:
Auch wenn Ihr Kunde klamm wird oder Insolvenz anmeldet und Sie auf seiner Bestellung sitzen lässt – Ihr Geld bekommen Sie trotzdem. Ihr Ausfallrisiko können Sie auch mit einer Warenkreditversicherung absichern, haben damit aber noch nicht sofort die benötigte Liquidität. Denn es dauert länger, bis eine Versicherung den eingetretenen Forderungsausfall ausgleicht. Auch die Finanzierung einer Bank könnte Ihnen in diesem Fall helfen. Doch das Kreditinstitut verlangt Sicherheiten. Die will ein Factoring-Institut nicht.

Besseres Rating:
Weil die Factoring-Gesellschaft den Ausfallschutz übernimmt, kann die Forderung aus der Bilanz gebucht werden. Dadurch wird eine Risikokomponente aus der Bilanz entfernt und die Eigenkapitalquote steigt. Das kann die Ratingnote und damit die Kreditwürdigkeit eines Unternehmen verbessern.

Arbeitsentlastung:
Das Factoring-Institut verwaltet, wenn Sie das wünschen, Ihre kompletten Außenstände. Das heißt, Rechnungen und Mahnungen schreiben, Geldeingang überwachen, und so weiter. Sie können also das komplette Debitorenmanagement auslagern. Das spart Zeit, Mühe und Kosten.

Factoring – das sind die Nachteile

Kosten:
Aus reiner Menschenfreundlichkeit übernimmt kein Factoring-Institut die Außenstände. Für seine Dienste verlangt der Factor ein umsatzabhängiges Entgelt, das zwischen 0,6 und 2,5 Prozent vom angekauften Forderungsbestand liegt und vom geschätzten Risiko und Arbeitsaufwand abhängt. Hinzu kommt in den meisten Fällen eine Pauschale für eine eventuelle Bonitätsprüfung Ihrer Kunden. Außerdem fallen für die bereitgestellte Liquidität Zinsen an, ähnlich viel wie bei einem Kredit von der Bank. Die allerdings würde zusätzliche Sicherheiten verlangen.

Beschränkung:
Factoring ist nicht für alle Branchen geeignet. Vor allem die verarbeitende Industrie und der entsprechende Großhandel kann mit diesem Instrument seine Außenstände absichern. Schwierig wird es bei Dienstleistungen. Diese Außenstände übernimmt eine Factoring-Gesellschaft nur, wenn sich diese genau definieren lassen. Das heißt, Projektaufträge wie Bauten bei Ingenieuren und Architekten lassen sich nicht mit Factoring absichern. Nur in Ausnahmefällen sichert ein Factoring-Institut Forderungen gegen Privatkunden ab. Einzelhändler können daher kaum auf dieses Finanzierungsinstrument zurückgreifen.

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Bis vor wenigen Jahren war Factoring zudem nur eine Finanzierungsform für Großunternehmen. Denn Factoring-Gesellschaften haben Rechnungen nur dann aufgekauft, wenn pro Jahr eine gewisse Mindestsumme erreicht wurde. Dies hat sich gewandelt: Mittlerweile gibt es auch Anbieter, die für KMU und Selbstständige Angebote machen.

1 Kommentar
  • Heiko Walter 2. April 2017 09:51

    Bei den meisten Factoringverfahren wird die Buchhaltung und der Mahnservice nicht auf die Factoringgesellschaft ausgelagert. Eine Arbeitsentlastung gibt es hier nicht.

    Im Mittelpunkt des Factorings steht immer die Verität oder die Durchsetzbarkeit einer Forderung. Dienstleistungsrechnungen die Einredefrei sollten ankaufbar sein. Bzw. VOB-Forderungen weden ungerne angekauft.

    In der Tat der Wetbewerb unter den Factoringgesellschaften hat stark zugenommen, hinzu sind auch einige Fintech´s in dem Bereich tätig. Mitlerweile ist der Ankauf von Privatpersonen möglich oder sogar Einzelrechnungen können verkauft werden.

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