Passiv-aggressives Verhalten So stoppen Sie passiv-aggressive Mitarbeiter
Passiv-Aggressive Mitarbeiter

© knallgrün/Photocase

„Na, wenn du meinst…“ „Jetzt hab dich nicht so!“ „Dann machen wir es halt so, wie du willst“. Solche schnippischen Sprüche vergiften das Klima. Wie Sie souverän reagieren.

Die Kollegin, die ständig mit den Augen rollt.

Der Mitarbeiter, der die Strategie der Geschäftsführung mit „Darauf hat die Welt gewartet“ kommentiert.

Die Führungskraft, die im Lob eine Kritik versteckt („Du lieferst ja richtig gute Ergebnisse – wenn man bedenkt, dass du immer um vier Uhr gehst.“)

Passiv-aggressives Verhalten gibt es in vielen Formen. Alle haben sie eines gemeinsam: Konflikte werden nicht offen und konstruktiv angesprochen, die Genervtheit, die Ablehnung, das kritische Feedback wird versteckt (aber doch unüberhörbar) zwischen den Zeilen übermittelt. Dass ein solches Verhalten Gift für jedes Team ist, liegt auf der Hand.

Die Ursachen für passiv-aggressives Verhalten liegen oft in der Kindheit, sagt Evelyn Summhammer, Wirtschaftspsychologin und Psychotherapeutin. „Viele haben in der Familie oder der Schule gelernt, dass Konflikte negativ sind und man sie um jeden Preis vermeiden sollte.“ Bekommen solche Menschen Kritik, fühlen sie sich persönlich angegriffen – und reagieren zum Beispiel schnippisch mit „Dir kann man es auch nie recht machen“. Oder ironisch: „Klar! Ich mache das gerne nochmal alles neu. Gar kein Problem!“

Ist dann noch die Fehlerkultur im Team schlecht, verstärkt sich dieses Verhalten: „Wenn Führungskräfte auf konstruktives Feedback abweisend reagieren, sorgen sie dafür, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dieses nicht mehr offen, sondern verdeckt äußern.“ Merkt eine Führungskraft also, dass passiv-aggressives Verhalten im Team sich häuft, sollte sie auch ihren Führungsstil hinterfragen.

Wie erkennen Sie passiv-aggressives Verhalten?

Laut Evelyn Summhammer richtet sich passiv-aggressives Verhalten gezielt gegen andere: „Es ist alles, was jemand anderen subtil daran hindert, voranzukommen.“

Wenn diese Anzeichen plötzlich auftreten und untypisch für jemanden sind, liegt das möglicherweise an einem unausgesprochenen Konflikt. Summhammer: „Wenn jemand in einer Situation einen Konflikt nicht lösen konnte, rächt er sich auf eine andere Art und Weise.“ Er tut alles, außer offen anzusprechen, was ihn stört und damit konstruktiv zu agieren. Neben schnippischen Sprüchen kann sich das auch in anderen Verhaltensweisen äußern.

Dazu gehört:

  • Jemand erledigt Aufgaben absichtlich sehr unsauber und behindert damit den Arbeitsfluss.
  • Jemand ist nicht mehr pünktlich und reagiert bockig, wenn er darauf angesprochen wird.
  • Jemand vermeidet Blickkontakt und versucht Gesprächen aus dem Weg zu gehen.
  • Jemand spricht schlecht über andere oder macht verletzende, als Witze getarnte Aussagen.
  • Antworten erfolgen plötzlich sehr schroff, kurz oder stichelnd, aber nie konstruktiv.

Am Ende reicht aber das Bauchgefühl, um passiv-aggressives Verhalten zu enttarnen: „Wir merken, ob jemand eine positive oder feindliche Energie ausstrahlt. Darauf sollten wir uns verlassen“, so Summhammer.

Wie Sie als Führungskraft souverän reagieren

Die schlechteste Reaktion auf so ein Verhalten ist, sich provozieren zu lassen und zurück zu meckern. Summhammer empfiehlt, stattdessen ruhig, sachlich und freundlich zu bleiben.

„Auf lange Sicht braucht es in jedem Team Führungskräfte, die eine positive Fehlerkultur vorleben und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeigen, dass Kritik willkommen ist“, sagt Summhammer. Denn dann ist es nicht mehr nötig, Kritik zwischen den Zeilen zu äußern. Ist so eine Kultur aber nicht im ganzen Team etabliert, gilt es auf passiv-aggressives Verhalten gelassen und souverän zu reagieren.

Zum Beispiel: Frau Müller bekommt eine zusätzliche Aufgabe. Sie sagt: „Na vielen Dank, da freue ich mich aber.“ Ihr Ton und ihre Mimik verraten, dass sie das sarkastisch meint.

Zunächst sollte man eine solche Reaktion nicht persönlich nehmen. „Stattdessen sollte eine Führungskraft versuchen, die versteckte Botschaft zu verstehen und offen anzusprechen“, empfiehlt Summhammer.

Zum Beispiel: „Liebe Frau Müller, das klingt, als wäre diese Aufgabe nicht wirklich nach ihrem Geschmack. Das verstehe ich, aber leider kann ich sie Ihnen nicht abnehmen.“

Das hat laut Summhammer den psychologischen Effekt, dass Frau Müller sich mit ihren Problemen gesehen und wahrgenommen fühlt. Beim nächsten Mal traue sie sich dann eher, direkt anzusprechen, wie sie denkt. „Eine Führungskraft muss das Problem nicht immer lösen, aber sie muss es zur Kenntnis nehmen und Mitgefühl zeigen“, so Summhammer. Dadurch zeigt sie Interesse an ihrem Team-Mitglied. Wichtig: Stellen Sie keine „Warum“-Fragen. „Wenn Sie fragen ‚Warum reagieren Sie so?‘ würde sich Frau Müller angegriffen fühlen. Ziel ist es, die Situation nicht eskalieren zu lassen“, rät Summhammer.

Nicht immer ist die wahre Aussage hinter einem passiv-aggressiven Kommentar leicht zu verstehen. Oft sind die Aggressionen so subtil verpackt, dass man sich nicht sicher ist, wie etwas gemeint ist. „Passiv-aggressive Sätze können immer doppelt gedeutet werden, sodass der Sprecher im Zweifel ausweichen kann.“ In diesem Fall solle man freundlich nachhaken, wie jemand etwas meint.

Zum Beispiel: „Liebe Frau Müller, wie haben Sie das gerade gemeint, das habe ich nicht verstanden?“

Dann gibt es zwei mögliche Reaktionen:

  1. Frau Müller antwortet ehrlich, dass sie diese Art der Aufgaben nicht mag und sich in Zukunft wünscht, dass jemand anderes diese erledigt.
  2. Frau Müller versteckt sich hinter der Doppeldeutigkeit ihres Satzes und sagt, dass sie es genau so gemeint habe und sich über die Aufgabe freue.

„Beide Reaktionen sind hilfreich“, so Summhammer, „denn egal, wie Frau Müller reagiert, sie fühlt sich und ihr Problem wahrgenommen.“ Wichtig sei aber, dass man auch in Zukunft nachhakt, wenn jemand sich passiv-aggressiv äußert. So könne man nach und nach eine offenere Gesprächs- und Feedbackkultur aufbauen.

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