Toxische Chefs
6 Warnsignale, dass du als Führungskraft die Stimmung im Team vergiftest

Schlechte Stimmung im Team? Daran können auch die Chefin oder der Chef schuld sein. Woran du toxische Muster bei dir als Führungskraft erkennst – und wie du deinen Führungsstil veränderst.

Aktualisiert am 5. Oktober 2026, 17:42 Uhr , von Gesche Peters

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Eine Sprechblase, in der das Wort "Toxisch" steht.
Es sagt dir vermutlich niemand: Die Anzeichen, dass du ein toxischer Chef bist, musst du selbst erkennen.
© Eliza/photocase

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein toxischer Führungsstil zeigt sich nicht an einem einzelnen Fehler, sondern an wiederkehrenden Verhaltensmustern, die Mitarbeitende einschüchtern, demotivieren oder ausbremsen.
  • Typische Warnsignale sind fehlende Kritikfähigkeit, Mikromanagement, Doppelmoral, das Abblocken von Ideen und mangelnde Information.

Was ist ein toxischer Führungsstil?

Chefinnen oder Chefs, die sich toxisch verhalten, nutzen ihre Position, um Mitarbeitende zu kontrollieren oder Macht auszuüben. Die Folgen: unmotivierte Mitarbeitende, viele Krankheitsfälle. „Teams, die von toxischen Chefs geführt werden, sind oft unproduktiver als andere, durch mehr Ausfälle und Kündigungen“, so Führungscoach Martina Miciecki. Im schlimmsten Fall könne toxisches Verhalten auch zu Burnouts und anderen stressbedingten Krankheiten führen.

„Hinter toxischem Verhalten steckt nicht immer eine böse Absicht“, erklärt Miciecki. Oft passiere es unbewusst und schleiche sich über Jahre ein. Dieses Auftreten könne auf einer falschen Idee von Führung basieren, etwa wenn du selbst früher einen Chef oder eine Chefin mit toxischen Verhaltensmustern hattest.

Anzeichen, dass du ein toxischer Chef bist 

Wenn du diese Anzeichen in deinem Team bemerkst, kann das an deinem Verhalten als Chef oder Chefin liegen:

  • Hohe Fluktuation im Team. 
  • In Meetings sind die meisten Teammitglieder ruhig oder bringen sich nicht ein.
  • Es kommen wenige Menschen zu Firmenfeiern oder Teamevents.
  • Es gibt viele Krankheitsfälle im Team.
  • Gespräche verstummen, wenn du dazukommst.

Dass Teammitglieder direkt auf dich zukommen und auf dein Verhalten ansprechen, ist eher unwahrscheinlich, so Miciecki. „Es ist oft schwierig für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Führungskräfte auf Fehler hinzuweisen – besonders, wenn sich der toxische Führungsstil über längere Zeit eingeschlichen hat.“ Sie empfiehlt, eine vertraute Person im Team darauf anzusprechen. „Beauftrage jemanden damit, dich auf negative Verhaltensweisen hinzuweisen, die dir nicht auffallen.“

Es kann auch helfen, eine anonyme Umfrage durchzuführen, bei der das Team seine Sorgen loswerden kann. Oder im Mitarbeitergespräch direkt zu fragen: „Wie findest du mich eigentlich als Chef?“. Sie warnt jedoch: „Es kann sehr schwierig sein, das auszuhalten, wenn man es nicht gewohnt ist.“

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Wie du erkennst, ob dein Verhalten toxisch ist

Anzeichen 1: Du bist nicht offen für neue Ideen

Sobald ein Teammitglied dir eine Veränderung vorschlägt, sage niemals Nein, ohne dass dir eine gute Begründung dafür einfällt (abgesehen von „das haben wir immer so gemacht, warum sollen wir das ändern?“). „Das führt dazu, dass Teammitglieder nicht mehr mit neuen Ideen auf dich zukommen – auch nicht, wenn diese sinnvoll oder notwendig sind“, so Miciecki. So verschwendest du Potenzial in deinem Team und übersiehst Chancen für dein Unternehmen.

Lösung: Frage regelmäßig nach Ideen und Änderungswünschen. Lasse dir diese komplett erklären und tausche dich mit deinem Team darüber aus, wenn du unsicher bist.

Anzeichen 2: Du entschuldigst dich nicht für Fehler

Es kann schwer sein, sich für Fehltritte zu entschuldigen. Viele Menschen lassen eigene Fehler am liebsten unter den Tisch fallen. Als Chef sendest du deinem Team jedoch damit das Signal, dass du dich nicht verantwortlich fühlst und es nicht okay ist, Fehler zu machen.

Lösung: Wenn du einen Fehler machst, benenne diesen und entschuldige dich persönlich bei deinem Team. Miciecki: „Wenn du eigene Fehler eingestehst und dich dafür entschuldigst, werden deine Mitarbeitenden es dir gleichtun, anstatt sie zu vertuschen.“

Anzeichen 3: Du weißt alles besser

Egal ob im Marketing oder bei der Buchhaltung: Du weißt alles besser als die Kolleginnen, die in diesen Bereichen seit Jahren arbeiten. „Besserwisserei ist demotivierend für Mitarbeiter, da sie das Gefühl vermittelt, vom Chef oder der Chefin nicht ernstgenommen zu werden“, erklärt Miciecki. Wenn du nur deine eigenen Ideen und Vorschläge annimmst, könne das zu passiven Mitarbeitern führen, die nur noch zu ihrem Job erscheinen, ohne ihr Know-how einzubringen.

Betreibst du dann auch noch Mikromanagement, kontrollierst Mitarbeitende also ständig, kann das die Motivation gänzlich killen. Denn so vermittelst du deinen Teammitgliedern, dass du ihnen wenig zutraust.

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Lösung: Bitte Mitarbeitende um Rat oder ihre Meinung, von denen du weißt, dass sie Experten auf bestimmten Gebieten sind. Versuche, sie loszulassen und dich nicht überall einzumischen – auf die Gefahr hin, dass auch mal etwas schiefgeht.

Anzeichen 4: Du hast Vorteile, die das Team nicht hat

Ein großes Büro, eine längere Pause, ein Parkplatz vor der Tür. „Es ist nicht unüblich, dass jemand, der mehr Verantwortung hat, auch mehr Privilegien hat“, so Miciecki. Diese sollten aber im Rahmen bleiben, warnt sie. „Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, dass du dir selbst unfaire Boni zugestehst, wirkt sich das negativ auf die Stimmung aus.“ Das könne zum Beispiel sein, dass du selbst oft deine Pause überziehst, deine Teammitglieder jedoch dafür tadelst. Oder dass du deine eigene Kaffeemaschine an deinem Arbeitsplatz hast, während deine Team keine hat.

Lösung: Überprüfe, welche Privilegien du gegenüber deinem Team hast, die du wirklich brauchst, und welche du nur hast, weil du der Chef oder die Chefin bist.

Anzeichen 5: Du lässt keine Kritik zu

„Toxische Chefs neigen dazu, sich mit Menschen zu umgeben, die ihrer Meinung sind“, so Miciecki. Dabei sei es für jedes Team wichtig, auch kritische Mitglieder zu haben. Miciecki: „Einige Führungskräfte denken, sie dürften keine Kritik zulassen, da das Team sonst ihre Autorität in Frage stellen würde.“ Sie reagieren empfindlich auf Verbesserungsvorschläge oder negatives Feedback, wodurch Teammitglieder zögern, es zu äußern. Dadurch übersehen sie jedoch grobe Fehler.

Lösung: Stelle dich Feedback und Verbesserungsvorschlägen und fordere diese aktiv ein.

Anzeichen 6: Du kommunizierst wenig mit deinem Team

Geheimniskrämerei kann bei Teams für schlechte Stimmung sorgen. Sätze wie „Wofür wir das machen, ist egal, mach einfach deinen Job“ können laut Führungstrainerin Miciecki Hinweise auf toxisches Verhalten sein. „Du schränkst die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in ihrem eigenen Denken ein, wenn du ihnen Informationen vorenthältst, und erstickst jegliches Engagement im Keim.“

Lösung: Miciecki empfiehlt, regelmäßig die Mitarbeiter über Veränderungen und Neuerungen zu informieren. „Niemand ist gern außen vor, vor allem wenn es um seinen Job geht.“ Es könne auch helfen, ein Leitbild oder eine Vision mit dem Team zu teilen oder gemeinsam zu erarbeiten.

Was du gegen deinen toxischen Führungsstil tun kannst

Insgesamt empfiehlt Miciecki das, was in vielen der oben genannten Lösungen steckt: offene Kommunikation und Selbstreflexion. „Als Führungskraft solltest du dein eigenes Verhalten regelmäßig kontrollieren und überprüfen.“ Sie schlägt dafür vor, vergangene Situationen mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Revue passieren zu lassen und das eigene Verhalten zu hinterfragen.

Miciecki rät außerdem, dem Team mitzuteilen, dass auch du dich weiterentwickeln willst und vorhast, an dir und deinem Führungsverhalten zu arbeiten. „Wenn sich dein Verhalten von heute auf morgen verändert, merken das deine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sofort“, so Miciecki, „ohne Erklärung wissen sie dann nicht, wie sie darauf reagieren sollen.“ Wenn du schrittweise mit den genannten Tipps an deinem Führungsstil arbeitest, werden deine Teammitglieder dich irgendwann nicht mehr als toxischen Chef oder toxische Chefin wahrnehmen.

Die Expertin

Martina Miciecki ist diplomierte Coachin und betriebliche Mentorin mit über 20 Jahren Führungserfahrung. Sie begleitet andere Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Führungskräfte dabei, Teams wirksam zu führen und auch in anspruchsvollen Situationen klar und menschlich zu bleiben.

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