Teamrollen nach Belbin
So stellst du ein perfektes Team zusammen

In deinem Team kommt es immer wieder zu Konflikten? Vielleicht arbeiten bei dir zu viele Alphatiere – oder zu wenige. Wie du herausfindest, ob du die Teamrollen klug verteilt hast.

Aktualisiert am 26. Mai 2026, 15:38 Uhr, von Myriam Salome Apke

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Alle Farben sind im Spiel: nach dem Modell der Teamrollen von Meredith Belbin sollten Teammitglieder möglichst unterschiedlich sein.

Ein gutes Team aufzustellen ist nicht leicht. Immer wieder steht die reibungslose Zusammenarbeit auf dem Spiel: Sei es, weil die eine Mitarbeiterin den Kollegen nicht akzeptiert oder weil der Konkurrenzkampf zweier Teammitglieder die ganze Gruppe nervt. Das ist halt so, wenn Menschen zusammenarbeiten?

Nicht unbedingt: Der britische Forscher Meredith Belbin ist bereits in den 70er-Jahren der Frage nachgegangen, wie sich die perfekte Mannschaft zusammenstellen lässt. Er hat herausgefunden: Ein Team ist vor allem dann erfolgreich, wenn unterschiedliche Typen zusammenarbeiten.

„Jeder Mensch hat verschiedene Eigenschaften, die sein Verhalten ausmachen“, sagt auch Dirk Beiser, Berater und Coach für Teamtraining. „Je unterschiedlicher die Persönlichkeiten, desto mehr Kompetenzen sind in einem Team vertreten, desto vielseitiger und leistungsstärker ist es.“

Welche Teamrollen sollten im idealen Team besetzt sein?

In einem idealen Team sollten nach Belbin neun Rollen besetzt sein; jede davon hat eine bestimmte Funktion, Stärken und Schwächen.

Belbin hat sie in die Kategorien kommunikationsorientiert, handlungsorientiert und wissensorientiert unterteilt.

Wer also wissen möchte, wie gut die eigene zusammengestellt ist, sollte folgende Rollen kennen:

Kommunikationsorientierte Teamrollen

Koordinator:

  • vermittelt Aufgaben und
  • sorgt dafür, dass Ziele erreicht werden.
Stärken kommunikativ, selbstsicher, kann gut Aufgaben delegieren und koordinieren
Schwächen dominant, delegiert Aufgaben schnell, kann von anderen als manipulierend empfunden werden

Teamarbeiter:

  • fördert die Zusammenarbeit und
  • verknüpft die Teammitglieder.
Stärken kommunikativ, diplomatisch, motiviert Kolleginnen und Kollegen, beliebt
Schwächen zögerlich und unentschlossen, überlässt lieber anderen die Entscheidung

Wegbereiter/Weichensteller:

  • netzwerkt und
  • verknüpft das Team mit dem Umfeld.
Stärken kommunikativ, extrovertiert, findet leicht nützliche Kontakte für das Team
Schwächen zu optimistisch, verliert schnell das Interesse beziehungsweise den Fokus

Handlungsorientierte Teamrollen

Macher:

  • fordert heraus,
  • will Hürden überwinden und
  • das Team stets verbessern.
Stärken sucht (Teil-)Ziele, übernimmt Verantwortung und zieht das ganze Team mit
Schwächen ungeduldig, kann manchmal arrogant wirken und provoziert gern mal Streit

Umsetzer:

  • achtet darauf, dass Aufgaben und Pläne umgesetzt werden.
Stärken organisiert gern, ist verlässlich und diszipliniert, sorgt für Strukturen und Konzepte
Schwächen manchmal unflexibel und reagiert zögerlich, wenn sich die Umwelt verändert

Perfektionist:

  • übernimmt die Qualitätskontrolle und
  • achtet auf Termine und Fristen.
Stärken pünktlich, verlässlich, achtet auf Details, vermeidet Fehler
Schwächen ängstlich, gibt ungern Aufgaben ab, kontrolliert zu oft

Wissensorientierte Teamrollen

Erneuerer/Erfinder:

  • hat neue Ideen und
  • sorgt für Innovation.
Stärken kreativ, sucht nach neuen Lösungen, denkt unkonventionell
Schwächen missachtet Details, macht Flüchtigkeitsfehler, verträgt keine Kritik

Beobachter:

  • analysiert
  • steht eher außen vor und hat so alle Optionen im Blick,
  • ist wenig kommunikativ.
Stärken konzentriert, analytisch, gutes Urteilsvermögen, behält den Überblick
Schwächen oft skeptisch, wirkt demotivierend auf Kolleginnen und Kollegen, zieht sich schnell zurück

Spezialist:

  • verfügt über Fachwissen und
  • stellt dieses den anderen Teammitgliedern zur Verfügung.
Stärken interessiert, engagiert im Thema, erklärt und teilt sein Wissen
Schwächen verliert sich in Einzelheiten, kein Entscheider, nur Informant

Was bringt das Rollenmodell nach Belbin?

„Das Rollenmodell dient vor allem der Teamanalyse“, sagt Beiser. „Es zeigt, welche Typen im Team unterbesetzt oder überrepräsentiert sind.“ Wenn beispielsweise viele aus der Gruppe die Macher-Rolle besetzen beziehungsweise viele herausfordernde Personen zusammenarbeiten, treffen Alphatiere aufeinander und es kommt wahrscheinlich zu Konflikten. Fehlt der kreative Ideengeber, ist das Team womöglich weniger innovativ.

„Es geht darum, dieses Ungleichgewicht oder die Konflikte im Team zu erkennen und zu lösen“, sagt Beiser. „Denn wenn die Mitarbeiter gut miteinander umgehen, fördert das die Teamleistung – und das zeigt sich letztlich in den Geschäftszahlen.“

Wie kann man Belbins Rollenmodell für sich nutzen?

Das Team kann sich nach den Teamrollen von Belbin selbst analysieren. Ein Treffen kann dann in fünf Schritten ablaufen.

  1. Ein Moderator oder eines der Teammitglieder erklärt die Teamrollen nach Belbin und schreibt sie am besten für jeden sichtbar auf. Danach ordnet sich jedes Mitglied mindestens einer Rolle zu.
  2. Dann fragt ein Moderator: „Frau Y / Herr X, in welcher Rolle sehen Sie sich denn in diesem Team?“
  3. Name und Rolle werden auf eine Karte geschrieben und an eine Pinnwand gehängt.
  4. Dann muss das Team überlegen: „Ist das so oder hat Frau Y / Herr X noch andere Funktionen bei uns?“ Alle weiteren Rollen werden ebenfalls aufgeschrieben.
  5. Auf diese Weise zeigt sich ein Gesamtbild des Teams: Welche Rollen sind stark besetzt, welche schwach? Ist das Team zum Beispiel stark kommunikations- und handlungsorientiert, braucht es eventuell mehr wissensorientierte Rollen, um erfolgreich zu sein.

Und was kommt nach dieser Teamanalyse? „Eine Teamanalyse darf keine Silvesterrakete sein“, sagt Beiser. Einmal zünden und sich daran freuen reiche nicht aus, damit sich eine Gruppe weiterentwickle. „Das heißt, wenn die Rollen transparent und allen bewusst sind, muss man Maßnahmen für den Alltag ableiten.“

Ein Beispiel. Es kommt oft zu Konflikten, weil mehrere Kollegen sich selbst als Macher sehen? Dann könnte einer von ihnen eine verwandte Rolle einnehmen, beispielsweise die des Umsetzers. Ist das nicht möglich, muss das Team den Machern konkrete Aufgaben geben, sodass jeder einen Zuständigkeitsbereich hat. Einer könnte sich beispielsweise um die Prozessoptimierung und der andere um die Projektumsetzung kümmern.

Anderes Beispiel: Es fehlt die Rolle des Spezialisten und dem Team damit wichtiges Fachwissen? Dann stellt sich die Frage: Kann man dementsprechend rekrutieren oder kann jemand aus dem Team sich weiterbilden und die Rolle übernehmen?

„Natürlich kann es durch die offengelegten Rollen und Aufgaben zu Konflikten kommen“, sagt Beiser. Aber das sei ja Sinn und Zweck der Analyse: „Es sollen persönliche Dinge angesprochen und eventuelle Konflikte aufgezeigt werden, damit man die lösen kann.“

Wenn beispielsweise die eigene Einschätzung anders sei als die des Teams, dann ist das eine wichtige Erkenntnis und das Teammitglied müsse sein eigenes Verhalten anders einschätzen: „Es geht letztlich um das Thema Feedback und Verhaltensänderung, also um das A und O in der Teamentwicklung“, sagt Beiser.

Wenn es in deinem Team immer wieder zu Konflikten kommt, muss das übrigens nicht unbedingt bedeuten, dass die Teamrollen im Ungleichgewicht sind. Vielleicht durchläuft dein Team auch gerade die so genannte Storming-Phase. Welche fünf Phasen ein neues Team durchläuft, bis es eingespielt ist, hat Bruce Tuckman erforscht.

Können auch kleinere Teams mit diesem Modell arbeiten?

In dem Rollenmodell nach Belbin ist die ideale Teambesetzung beschrieben. „Das heißt aber nicht, dass ein gutes Team immer aus neun Leuten bestehen muss“, sagt Beiser. „Im Gegenteil: Menschen ändern ihr Verhalten, Mitarbeiter sollten also je nach Situation und Teamzusammenstellung verschiedene Rollen besetzen.“

Zum Beispiel: Teamarbeiter/Mitspieler und Wegbereiter/Weichensteller sind derselben Kategorie zugeordnet und haben ähnliche Qualifikationen. Diese Rolle könnte also von ein und derselben Person übernommen werden. „Das sind fließende Übergänge“, sagt Beiser. „Außerdem darf man nicht vergessen: Es ist ein Modell, das sehr stark die Realität vereinfacht.“

Eine weitere Kritik, die häufig geäußert wird: Das Modell der Teamrollen nach Belbin funktioniert nicht in sehr kleinen Teams. Bei einem Team von drei Leuten etwa sei es schwierig, mit einer Neun-Rollen-Theorie zu arbeiten. „Dennoch lässt sich auch hier sagen: Wer besetzt welche Rolle, wer sorgt für was, wer fehlt, damit wir besser zusammenarbeiten?“

Der Experte

Dirk Beiser ist seit über 20 Jahren Trainer, Berater und Coach für Teamtraining, Change Management und Personalentwicklung in Stuttgart.

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