Lügen erkennen So kommen Sie Schwindlern auf die Schliche

Pinnochio verrät seine Nase. Wie aber kann man im wahren Leben Lügen erkennen?

Pinnochio verrät seine Nase. Wie aber kann man im wahren Leben Lügen erkennen?© malerapaso / iStock / Getty Images Plus / Getty Images

Geflunkert oder wahr? Wer herausfinden will, wie ehrlich beispielsweise die eigenen Mitarbeiter oder Kunden sind, muss kein Hellseher sein. Er muss nur verräterische Signale richtig deuten, um Lügen zu erkennen.

„Aha, er schaut nach rechts oben. Klare Sache: Er lügt.“ So leicht, wie es manche TV-Serien vermitteln, lassen sich Schwindler nicht entlarven, warnt Timon Krause in seinem Buch „Du bist Mentalist“: Die Welt der Körpersprache sei leider nicht so schwarz-weiß.

Jeder lügt anders

Krause, der sich in Neuseeland zum Gedankenleser ausbilden ließ, warnt davor, nur einzelne Signale zu deuten. Seine goldene Regel: Berücksichtigen Sie immer den Kontext. Wer nach rechts oben schaut, hat vielleicht nur eine Fliege beobachtet. Und: Jeder Mensch lügt anders. Manche stottern dabei, manche verschränken die Arme.

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Kann man also gar nicht erkennen, ob jemand schwindelt? Es gibt zumindest Hinweise. „Das Verhaltensmuster Ihres Gegenüber ändert sich nahezu garantiert beim Lügen“, schreibt Krause. Er empfiehlt darum, als Erstes eine so genannte Baseline zu erstellen.

Menschen richtig lesen

Eine Baseline ist ein Grundmuster: Wie verhält sich mein Gegenüber normalerweise? Je genauer Sie jemanden kennen, desto schneller werden Ihnen Abweichung seines Verhaltens auffallen. Eine Baseline könnte zum Beispiel so aussehen: Kollegin Meyer spricht normalerweise langsam und leise. In Gesprächen wedelt sie gerne mit den Händen, um ihre Worte zu unterstreichen. Und so weiter.

Diese Baseline dient als Schablone. Wenn Sie glauben, dass Frau Meyer lügt, legen Sie die Schablone an. Spricht Frau Meyer plötzlich schnell und laut und steckt dabei ihre Hände in die Tasche, kann das ein Hinweis auf eine Lüge sein.

An diesen Signalen erkennen Sie eine Lüge

Es gebe aber auch unabhängig von Veränderungen in der Baseline lügenspezifische Signale, schreibt Krause. Er teilt sie unter anderem in folgende Kategorien ein:

1. Will jemand flüchten?

Für die meisten Menschen sei Lügen unangenehm, erklärt Krause: eine Situation, der sie gerne schnell entkommen würden. Unsere angeborene Reaktion darauf sei die Flucht, so Krause. Instinktiv suchten wir nach einem Ausweg. Wer lüge, sende darum unterbewusst entsprechende Körpersignale.

  • Augen: Besonders verräterisch seien dabei die Augen: Mit ihnen suchen Lügner nach einem Fluchtweg. Wenn also jemand rasch hin und her schaue oder ständig zur Tür sehe, könne das ein Hinweis sein.
  • Füße: Mit den Füßen verhalte es sich ähnlich: Wer der unangenehmen Situation des Lügens entkommen wolle, dessen Fußspitzen zeigten laut Krause oft zum Ausgang oder zumindest weg vom Gesprächspartner.
  • Körper: Auch wenn sich der ganze Körper von Ihnen weg in Richtung Ausgang neige, könne das ein Hinweis sein. Doch denken Sie immer an Krauses Warnung: Achten Sie auf den Kontext. Vielleicht hat jemand auch nur ein Geräusch von draußen gehört oder kann Ihr Parfüm nicht leiden.

2. Will jemand etwas verbergen?

Wer lüge, habe Angst, ertappt zu werden. Deswegen würden viele Menschen ihre Körpersprache dabei bewusst ändern oder unterdrücken, erklärt Krause. Dies lasse sich ebenfalls an Händen, Füßen, Augen und Mimik ablesen.

  • Hände: Wenn jemand die Hände unter den Tisch lege, sie hinterm Rücken halte, in die Hosentasche stecke oder falte, zeige dies, dass er etwas verbergen wolle – möglicherweise eine Lüge.
  • Füße: Wer die Füße kreuze und nach hinten unter den Stuhl ziehe, versuche sie davon abzuhalten, verräterische Signale zu senden, also auch ein Anzeichen für eine Lüge.
  • Augen: Wer lüge, könne meist den Blickkontakt nicht lange halten, weil er Angst habe, seine Augen könnten ihn verraten. Manche seien sich ihrer verräterischen Augen bewusst und verfallen laut Krause in ein langes unnatürliches Starren.

3. Was lässt sich aus dem Gesicht ablesen?

Der Gesichtsausdruck, dem man bei Lügner am häufigsten begegne, sei die Missbilligung, sagt Krause. Sie lasse sich an einem leicht zur Seite gezogenen Mundwinkel erkennen. Ein weiterer Hinweis: das Berühren des Gesichtes. Wenn Kinder lügen, verdecken sie häufig ihren Mund. Erwachsene würden das in einer abgeschwächten Variante machen, indem sie sich ins Gesicht fassen. 

4. Welche Signale sendet der Körper?

Lügner nehmen laut Krause meist eine eingefallene Körperhaltung ein. Die Schultern fallen dabei nach vorne, der Blick und Kopf seien gesenkt und das Körpergewicht werde auf ein Bein verlagert. Menschen, die sich dessen bewusst seien, versuchten dies oft durch eine unnatürliche Spannung zu kompensieren, schreibt Krause.

5. Wie sagt jemand etwas?

Auch der Sprache widmet Krause ein eigenes Kapitel.  Ob jemand lüge, könne man zum Beispiel an folgenden Phänomenen erkennen.

Verbale Distanzierung

„Das auffälligste Muster, das wir bei Lügnern beobachten können, ist die sprachliche und damit psychologische Distanzierung von der Lüge“, schreibt Krause. Erinnern Sie sich noch an Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinksy? Er stritt sie ab mit den Worten: „I did not have sexual relations with that woman; Miss Lewinsky.“ („Ich habe keine sexuellen Beziehungen zu dieser Frau, Frau Lewinsky, gehabt.“ ) Dass er nicht einfach gesagt habe: „Ich habe nicht mit Monica geschlafen“, sei ein Hinweis auf seine Lüge gewesen, sagt Kraus.

Er gibt noch ein anderes Beispiel: Jemandem wird Steuerhinterziehung vorgeworfen. Er leugnet. Um sich von seiner Lüge zu distanzieren, sagt er nicht: „Ich habe keine Steuer hinterzogen“, sondern etwa: „Man hinterzieht doch keine Steuer.“

Zu viele Details

Lügner glauben oft, sie müssten die Unwahrheit mit vielen Details ausschmücken. Sie können auf jede Frage eine Antwort geben, weil sie fürchten, ein „Weiß ich nicht“ könne sie auffliegen lassen, erklärt Krause.

Wiederholen von Fragen

Um nach Ausflüchten suchen zu können, würden die Ertappten oft Zeit schinden, indem sie Fragen wiederholen. Zum Beispiel: „Herr Zimmer, haben Sie den 50-Euro-Schein aus der Bürokasse genommen?“ – „Ob ich die 50 Euro genommen habe?“ – „Ja, haben Sie?“ – „Das tut man doch nicht.“

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