Toxische Chefs Liegt es an mir? Wie Sie erkennen, ob Sie die Stimmung im Team vergiften

Schlechte Stimmung im Team kann mitunter an der Führungskraft liegen. Woran Sie eigenes toxisches Führungsverhalten erkennen und wie Sie es verändern können.

Toxische Chefs

© Eliza/photocase

Unmotivierte Mitarbeiter, viele Krankheitsfälle: „Teams, die von toxischen Chefs geführt werden, sind oft unproduktiver als andere, durch mehr Ausfälle und Kündigungen“, so Führungscoach Martina Miciecki. Im schlimmsten Falle könne toxisches Verhalten auch zu Burnouts und anderen stressbedingten Krankheiten führen.

„Hinter toxischem Verhalten steckt nicht immer eine böse Absicht“, erklärt Miciecki. Oft passiere es unbewusst und schleiche sich über Jahre ein. Dieses Verhalten könne auf einer falschen Idee von Führung basieren, wenn Sie selbst früher einen toxischen Chef hatten.

Anzeichen für toxische Führung

Wenn Sie diese Anzeichen in Ihrem Team bemerken, kann das an Ihrem Verhalten als Chef oder Chefin liegen:

  • Hohe Fluktuation im Team.
  • In Meetings sind die meisten Teammitglieder ruhig oder bringen sich nicht ein.
  • Es kommen wenige Menschen zu Firmenfeiern oder Teamevents.
  • Es gibt viele Krankheitsfälle im Team.
  • Gespräche verstummen, wenn Sie dazukommen.

Dass Teammitglieder direkt auf Sie zukommen und auf Ihr Verhalten ansprechen, ist eher unwahrscheinlich, so Miciecki. „Es ist oft schwierig für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Führungskräfte auf Fehler hinzuweisen – besonders, wenn sich der toxische Führungsstil über längere Zeit eingeschlichen hat.“ Sie empfiehlt, eine Person im Team darauf anzusprechen, der Sie vertrauen. „Beauftragen Sie jemanden damit, Sie auf negative Verhaltensweisen hinzuweisen, die Ihnen nicht auffallen.“

Es kann auch helfen, eine anonyme Umfrage durchzuführen, bei der das Team seine Sorgen loswerden kann. Oder im Mitarbeitergespräch direkt zu fragen: „Wie finden Sie mich eigentlich als Chef?“. Sie warnt jedoch: „Es kann sehr schwierig sein, das auszuhalten, wenn man es nicht gewohnt ist.“

Wie Sie erkennen, ob Ihr Verhalten toxisch ist:

1. Sie sind nicht offen für neue Ideen

Sobald ein Teammitglied Ihnen eine Veränderung vorschlägt, sagen Sie Nein, ohne dass Ihnen eine gute Begründung dafür einfällt (abgesehen von „das haben wir immer so gemacht, warum sollen wir das ändern?“). „Das führt dazu, dass Teammitglieder nicht mehr mit neuen Ideen auf Sie zukommen – auch nicht, wenn diese sinnvoll oder notwendig sind“, so Miciecki. So verschwenden Sie Potenzial in Ihrem Team und übersehen Chancen für Ihr Unternehmen.

Lösung: Fragen Sie regelmäßig nach Ideen und Änderungswünschen. Lassen Sie sich diese komplett erklären und tauschen Sie sich mit Ihrem Team darüber aus, wenn Sie unsicher sind.

Zur Person

Toxische Chefs
Martina Miciecki war selbst viele Jahre Führungskraft und Direktorin in der gehobenen Hotellerie. Seit 2017 unterstützt sie als diplomierte Coachin und betriebliche Mentorin andere Unternehmer und Führungskräfte im Selbstmanagement, im Teamaufbau und in der Mitarbeiterführung - offline und online.

2. Sie entschuldigen sich nicht für Fehler

Es kann schwer sein, sich für Fehltritte zu entschuldigen. Viele Menschen lassen eigene Fehler am liebsten unter den Tisch fallen. Als Chef senden Sie Ihrem Team jedoch damit das Signal, dass Sie sich nicht verantwortlich fühlen und es nicht okay ist, Fehler zu machen.

Lösung: Wenn Sie einen Fehler machen, benennen Sie diesen und entschuldigen Sie sich persönlich bei Ihrem Team. Miciecki: „Wenn Sie eigene Fehler eingestehen und sich dafür entschuldigen, werden Ihre Mitarbeiter es Ihnen gleichtun, anstatt sie zu vertuschen.“

Mehr zum Thema: Fehler eingestehen: So entschuldigen Sie sich bei Ihren Mitarbeitern

3. Sie wissen alles besser

Egal ob beim Marketing oder der Buchhaltung: Sie wissen alles besser als die Kolleginnen, die in diesen Bereichen seit Jahren arbeiten. „Besserwisserei ist demotivierend für Mitarbeiter, da sie das Gefühl vermittelt, vom Chef oder der Chefin nicht ernstgenommen zu werden“, erklärt Miciecki. Wenn Sie nur Ihre eigenen Ideen und Vorschläge annehmen, könne das zu passiven Mitarbeitern führen, die nur noch zu ihrem Job erscheinen, ohne ihr Know-how einzubringen.

Lösung: Bitten Sie Mitarbeiter um Rat oder ihre Meinung, von denen Sie wissen, dass sie Experten auf bestimmten Gebieten sind.

4. Sie haben Vorteile, die das Team nicht hat

Ein großes Büro, eine längere Pause, ein Parkplatz vor der Tür. „Es ist nicht unüblich, dass jemand, der mehr Verantwortung hat, auch mehr Privilegien hat“, so Miciecki. Diese sollten aber im Rahmen bleiben, warnt sie. „Wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, dass Sie sich selbst unfaire Boni zugestehen, wirkt sich das negativ auf die Stimmung aus.“ Das könne zum Beispiel sein, dass Sie selbst oft Ihre Pause überziehen, Ihre Teammitglieder jedoch dafür tadeln. Oder dass Sie Ihre eigene Kaffeemaschine an Ihrem Arbeitsplatz haben, während Ihr Team keine hat.

Lösung: Überprüfen Sie, welche Privilegien Sie gegenüber Ihrem Team haben, die Sie wirklich brauchen, und welche Sie nur haben, weil Sie der Chef oder die Chefin sind.

5. Sie lassen keine Kritik zu

„Toxische Chefs neigen dazu, sich mit Menschen zu umgeben, die ihrer Meinung sind“, so Miciecki. Dabei sei es für jedes Team wichtig, auch kritische Mitglieder zu haben. Miciecki: „Einige Führungskräfte denken, sie dürften keine Kritik zulassen, da das Team sonst ihre Autorität in Frage stellen würde.“ Sie reagieren empfindlich auf Verbesserungsvorschläge oder negatives Feedback, wodurch Teammitglieder zögern, es zu äußern. Dadurch übersehen Sie jedoch grobe Fehler.

Lösung: Stellen Sie sich Feedback und Verbesserungsvorschlägen und fordern Sie diese aktiv ein.

6. Sie kommunizieren wenig mit Ihrem Team

Geheimniskrämerei kann bei Teams für schlechte Stimmung sorgen. Sätze wie „Wofür wir das machen, ist egal, mach einfach deinen Job“ können laut Führungstrainerin Miciecki Hinweise auf toxisches Verhalten sein. „Sie schränken die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in ihrem eigenen Denken ein, wenn Sie Ihnen Informationen vorenthalten, und ersticken jegliches Engagement im Keim.“

Lösung: Miciecki empfiehlt, regelmäßig die Mitarbeiter über Veränderungen und Neuerungen zu informieren. „Niemand ist gern außen vor, vor allem wenn es um seinen Job geht.“ Es könne auch helfen, ein Leitbild oder eine Vision mit dem Team zu teilen oder gemeinsam zu erarbeiten.

Was Sie sonst noch tun können:

Insgesamt empfiehlt Miciecki das, was in vielen der oben genannten Lösungen steckt: offene Kommunikation und Selbstreflexion. „Als Führungskraft sollten Sie Ihr eigenes Verhalten regelmäßig kontrollieren und überprüfen.“ Sie empfiehlt dafür, vergangene Situationen mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Revue passieren zu lassen und das eigene Verhalten zu hinterfragen.

Miciecki rät außerdem, dem Team mitzuteilen, dass auch Sie sich weiterentwickeln wollen und Sie vorhaben, an sich und Ihrem Führungsverhalten zu arbeiten. „Wenn sich Ihr Verhalten von heute auf morgen verändert, merken das Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sofort“, so Miciecki, „ohne Erklärung wissen sie dann nicht, wie sie darauf reagieren sollen.“

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