Unternehmensphilosophie 7 Sätze, die uns helfen, auf Kurs zu bleiben

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Unübersehbar: Die Unternehmensphilosophie von Werkzeug Weber ziert die Wand im Besprechungszimmer.

Unübersehbar: Die Unternehmensphilosophie von Werkzeug Weber ziert die Wand im Besprechungszimmer.© Vanessa Weber

Die Unternehmensphilosophie? Verstaubt in vielen Firmen in der Schublade. Dass es auch anders geht, zeigt Vanessa Weber: Sie hat ihre Werte mit ganz einfachen und konkreten Ideen in die Firma gebracht.

Sie ist das erste, was auffällt, wenn man bei uns in der Firma ins Besprechungszimmer kommt: die knallrote Wanddeko mit der weißen Schrift. „Mit unseren Kunden gestalten wir die Zukunft“ steht da beispielsweise, „Flexibilität, Schnelligkeit und Qualität sind unsere Stärken“ und „Mit starken Marken und Partnern im Markt“.

Die insgesamt sieben Sätze an der Wand, die bilden unsere Unternehmensphilosophie. Viele Menschen halten Firmenphilosophien für leere Worte, gar für Wichtigtuerei. Und in einem stimme ich den Skeptikern zu: Wenn man seine Werte nur in einem hässlichen Bilderrahmen an die Wand hängt oder in einer Schublade verschwinden lässt, kann man sich die Mühe gleich sparen. Wer will, dass sie gelebt werden, muss etwas dafür tun.

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So habe ich es geschafft, die Unternehmensphilosophie in meiner Firma zu verankern:

1. Unsere Unternehmensphilosophie ist in Leitsätzen formuliert.

Vertrauen“, „Zuverlässigkeit“, „Exzellenz“: Darunter stellt sich jeder was anderes vor – erst recht, wenn sich die Führungsebene die Werte im stillen Kämmerlein ausdenkt und dem Team dann vorsetzt. Aus diesem Grund sollte unsere Unternehmensphilosophie nicht nur aus ein paar abstrakten Begriffen bestehen. Und meine Leute wollte ich unbedingt mit einbeziehen.

Also haben wir uns vor zehn Jahren für einen Tag in einem Hotel eingebucht und gemeinsam mit einen Coach herausgearbeitet, was den Mitarbeitern und Führungskräften wichtig ist. Diese Gedanken hat der Coach dann zu einprägsamen Sätzen ausformuliert – nämlich genau die, die jetzt im Besprechungszimmer an der Wand stehen.

Zu jedem der Leitsätze gibt es auch noch eine kleine Erläuterung. So weiß jeder Mitarbeiter, wohin die Reise gehen soll.

2. Unsere Leitsätze sind für alle sichtbar.

Die Wand im Besprechungsraum habe ich für unsere Leitsätze bewusst gewählt. Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter – sie alle sollen regelmäßig daran erinnert werden, wofür wir stehen. In diesem Raum führe ich auch meine Vorstellungsgespräche. Meine Werte habe ich dabei immer als Stärkung im Rücken.

Natürlich findet sich die Firmenphilosophie auch auf unserer Webseite. Und in diesem Jahr habe ich noch eine Neuerung eingeführt: Zielkarten, die jeder Mitarbeiter auf seinen Schreibtisch stellt. Sie listen unsere Werte kompakt auf – damit unsere Werte im Arbeitsalltag noch präsenter werden.

3. Ich erarbeite mit Hilfe der Leitsätze konkrete Ziele mit meinen Mitarbeitern.

Auf der Zielkarte ist Platz für Notizen – unter dem Satz: „Um das Leitbild mit Leben zu füllen, nehme ich mir Folgendes vor“. Denn ertragsorientiert sein, das heißt ja für einen Lagerarbeiter etwas anderes als für die Buchhaltung. Die Buchhalter müssen beispielsweise darauf achten, dass Rechnungen pünktlich gezahlt werden; der Lagerarbeiter muss drauf achten, dass wir keine Fehllieferungen haben und kein Verpackungsmaterial verschwenden.

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Jeder meiner Mitarbeiter hat eine solche Zielkarte bekommen – und inzwischen hat auch jeder sie ausgefüllt. Ganz von allein ist das natürlich nicht passiert: Nachdem ich die Karten ausgeteilt hatte, blieben sie bei einigen Mitarbeiter ziemlich lange leer. Denen habe ich dann gesagt: „Wenn es dir schwer fällt, unser Leitbild auf deine Arbeit zu übertragen, komm zu mir. Dann überlegen wir gemeinsam, was es für dich und deinen Arbeitsalltag konkret bedeutet.“

4. Ich nutze die Unternehmensphilosophie als inneren Kompass.

Unsere Leitsätze sind für mich zu einer Art innerem Kompass geworden. Vor größeren Veränderungen frage ich mich: Trägt diese Veränderung dazu bei, dass wir unsere Werte weiterhin oder sogar besser leben können?

Auch in ganz alltäglichen Situationen hilft mir unsere Firmenphilosophie weiter. Ich frage beispielsweise meine Leute in jedem Mitarbeitergespräch: „Welche Fortbildungen möchtest du besuchen?“ Schließlich heißt einer unserer Leitsätze: „Mit der höchsten Kundenzufriedenheit, perfektem Service, kompetentem Personal und hochwertigen Markenprodukten werden wir Marktführer“ – und wenn ich kompetentes Personal will, muss ich dazu bereit sein, in Fortbildungen zu investieren.

Die Unternehmenswerte helfen mir auch bei der Personalauswahl. Wenn ein Vertriebsmitarbeiter im Vorstellungsgespräch sagt: „Ich bringe Kunden meines jetzigen Arbeitgebers mit zu euch“, dann weiß ich sofort: Den stelle ich nicht ein, denn sein Verhalten passt nicht zu meinem Wert Loyalität.

5. Ich verknüpfe die Leitsätze mit Geschichten.

„Mit unseren Kunden gestalten wir die Zukunft“ – bei diesem Leitsatz muss ich sofort an einen ehemaligen Kunden denken, den wir 30 Jahre lang begleitet haben. Er hat als Ein-Mann-Butze angefangen, konnte damals noch nicht viel zahlen. „Ich brauche ein längeres Valuta“, hat er zu meinem Vater gesagt. Mein Vater hat Ja gesagt – und das hat sich ausgezahlt. Als er sein Unternehmen schließlich verkauft hat, hatte es 800 Mitarbeiter. Und wir haben den kompletten Aufbau begleitet.

Geschichten wie diese erzähle ich auch meinen Mitarbeitern. Das hilft uns, ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln, was hinter den Leitsätzen steckt.

 

Wie stehen Sie zum Thema Unternehmensphilosophie? Haben Sie selbst eine – und was tun Sie, um sie mit Leben zu füllen? Schreiben Sie gern einen Kommentar. Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen. 

4 Kommentare
  • Thomas Erb 5. Juli 2017 07:37

    Unternehmensphilosophie und Unternehmensleitsätze

    Leider sind dies in der Unternehmung wo ich arbeite sehr strapazierte Ausdrücke. Denn zum Wohle des Kunden wird alles und jedes einem imaginären Druck unterworfen. Da sollen innerhalb kürzester zeit 15% und mehr an Einkaufskosten eingespart werden. Wie wird dies nun realisiert? Nun die Einkäufe werden einfach zeitlich nach Hinten geschoben und die nötigen Instandhaltungs-Arbeiten werden gestrichen. Dadurch gibt es dann risikoreiche ungeplante Ausfälle von Verbindungen. Die Weichenbrücke in Luzern und Bern sind sicherlich nur der Auftakt von weiteren ausfällen.
    Somit wird die Unternehmensphilosophie ad absurdum geführt und von den Leitsätzen bleibt leider auch nicht mehr viel übrig.

    Danke und Gruss
    TE

    • Vanessa Weber 5. Juli 2017 12:40

      Lieber Herr Erb,

      Da kann ich Ihnen nur beipflichten, wir haben leider selbst auf der anderen Seite als Lieferant mit diesem Druck zu kämpfen. Ich weiß auch, dass der Einkauf den Forderungen der Konzerne oft gar nicht nachkommen kann, selbst wenn er wollte. So erhöht sich der Druck für beide Seiten. Zumal es nie die beste Lösung fürs Unternehmen ist. Ich hoffe doch sehr, dass dieses Denken bald eine Kehrtwende nimmt, und andere Werte wie Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Partnerschaft wieder in den Vordergrund rücken. Denn am Ende ist der günstigste Preis meist der teure.

      Herzliche Grüße

      • Thomas Erb 5. Juli 2017 16:38

        Guten Tag Frau Weber
        Ja nicht nur die Lieferanten leiden, sondern ich als Besteller auch. Denn es ist nicht einfach als normaler Mitarbeiter mit diesen Konzernauflagen um zu gehen. Besonders wenn man früher aus der Wirtschaft kam (bei einer KMU) und den täglichen Kampf um Arbeit und Überleben selber erlebt hat.
        Ein wahres Wort von ihnen: Partnerschaft und partnerschaftlicher Umgang mit einander sollte das Konzernziel sein, besonders wenn man über die Nasenspitze rausdenkt und in die nähere und fernere Zukunft sieht.
        Aber scheinbar haben viele Leute vergessen, dass nicht der kurzfristige Erfolg zählt, sondern das Langfrist-Ergebnis.
        danke und herzlicher Grüsse aus der Schweiz
        TE

        • Vanessa Weber 10. August 2017 15:30

          Genauso ist es!

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