Maskenpflicht im Betrieb Diese Regeln gelten jetzt für Masken am Arbeitsplatz
Wie können Chefs die Maskenpflicht im Betrieb umsetzen?

© Eliza / photocase.de

Wann müssen Beschäftigte einen Mundschutz am Arbeitsplatz tragen? Welche Masken sind Pflicht? Und müssen Arbeitgeber die Masken zur Verfügung stellen? Ein aktueller Überblick.

Die von Bund und Ländern beschlossene neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung ist am 27. Januar bundesweit in Kraft getreten – vorerst befristet bis zum 15. März. Neben der neu eingeführten Homeoffice-Pflicht wurde auch die Maskenpflicht am Arbeitsplatz ausgeweitet. „Die neue Verordnung hat die bereits bestehenden Regeln noch einmal deutlich verschärft“, sagt Ricarda Müller, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Wirtschaftskanzlei CMS.

Was Unternehmerinnen und Unternehmer darüber wissen sollten:

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Unter welchen Voraussetzungen gilt Maskenpflicht am Arbeitsplatz?

Laut der neuen Arbeitsschutzverordnung müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer dann einen Mundschutz tragen, wenn

  • sich in einem Raum mehr als eine Person pro 10 Quadratmetern aufhält,
  • der Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann oder
  • es bei der Arbeit zu einem erhöhten Aerosolausstoß kommt

„Zu einem erhöhten Aerosolausstoß kommt es beispielsweise bei körperlich anstrengender Arbeit oder auch durch sehr lautes Sprechen am Telefon“, erklärt die Arbeitsrechtlerin.

Wer übernimmt die Kosten für die Mas­ken?

„Der Arbeitgeber muss für die Arbeitssicherheit im Betrieb sorgen. Das heißt, er muss ausreichend Masken zur Verfügung stellen“, sagt Anwältin Müller. Genauso wie der Arbeitgeber auch für die Kosten von Sicherheitshelmen oder Feuerlöschern aufkommen muss.

Nach Schätzungen des Bundesarbeitsministeriums müssen Unternehmen mit wöchentlichen Mehrkosten von maximal 31,50 Euro pro Mitarbeiter rechnen.

Welche Masken müssen getragen werden?

Laut Verordnung muss eine medizinische Gesichtsmaske, FFP2-Maske oder vergleichbare Atemschutzmaske getragen werden. „Das ist auch eine wichtige Änderung: Sogenannte Alltagsmasken aus Stoff erfüllen die Anforderungen der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung nicht“, sagt Müller.

Eine Übersicht über alle Maskentypen und die genauen Unterschiede gibt es auf der Homepage des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Was ist bei der Ver­wen­dung von FFP-Mas­ken zu be­ach­ten?

Partikelfiltrierende Halbmasken, sogenannte FFP-Masken, dienen vor allem dem Schutz des Maskenträgers vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen. Es gibt sie in drei Schutzstufen: FFP1, FFP2 und FFP3. Die WHO und das Robert Koch-Institut empfehlen mindestens die Schutzstufe 2.

Wichtig ist vor allem die Unterscheidung zwischen FFP-Masken mit und ohne Ausatemventil. Masken ohne Ventil dienen dem Schutz Dritter, da nicht nur die Einatemluft, sondern auch die Ausatemluft des Trägers gefiltert wird. Atemschutzmasken mit Ausatemventil dürfen daher nur getragen werden, wenn alle anwesenden Personen ebenfalls eine solche Atemschutzmaske tragen.

Um sich vor Fälschungen zu schützen, sollten Arbeitgeber beim Kauf auf die Zertifizierung achten. Das CE-Kennzeichen mit einer vierstelligen Kennnummer ist auf der Verpackung zu finden. Es zeigt an, dass die Maske ein erfolgreiches Nachweisverfahren durchlaufen hat und welche Behörde geprüft hat. In der Nando-Datenbank der Europäischen Union können Sie überprüfen, zu welcher Prüfstelle die jeweilige Nummer gehört. Die 0158 steht beispielsweise für die Dekra.

Außerdem finden Sie die Buchstaben „R“ oder „NR“ auf der Maske. „R“ bedeutet, dass die Maske wiederverwendet werden kann. Masken mit dem Aufdruck „NR“ sollten Sie nur einmal tragen.

Was ist bei der Ver­wen­dung von me­di­zi­ni­schen Ge­sichts­mas­ken zu be­ach­ten?

Medizinische Gesichtsmasken, manchmal auch OP-Masken genannt, dienen vorwiegend dem Fremdschutz. Sie reduzieren das Ausscheiden von Tröpfchen beim Sprechen oder Husten.

Zwar schützen sie nicht vor dem Einatmen von Aerosolen, verhindern aber das direkte Auftreffen von ausgeatmeten Tröpfchen des Gegenübers. Außerdem schützen sie vor einer Übertragung durch kontaminierte Hände.

Auch bei medizinischen Masken sollten Sie auf die CE-Kennzeichnung achten. Im Gegensatz zu den FFP-Masken wird das Zertifikat bei medizinischen Masken vom Hersteller selbst ausgestellt und hat daher keine Kennnummer eines Prüfinstituts.

Wann müssen Erholungspausen eingelegt werden?

Da die Masken das Atmen erschweren, sollten Mitarbeiter regelmäßige Erholungspausen einlegen. „Damit sind aber keine Arbeitspausen gemeint, sondern lediglich Trage-Pausen“, erklärt die Arbeitsrechtlerin. Tätigkeiten, die ohne Maske durchgeführt werden können, sind also weiterhin möglich. Es gibt keine Pflicht, zusätzliche Erholungspausen zu gewähren.

Die Deutsche Unfallversicherung empfiehlt folgende Tragezeiten bei mittelschwerer körperlicher Arbeit:

  • FFP-Masken ohne Atemventil: 75 Minuten Tragezeit und anschließend eine Pause von 30 Minuten.
  • FFP-Masken mit Atemventil: zwei Stunden Tragezeit und anschließend eine Pause von 30 Minuten.
  • OP-Masken: zwei Stunden Tragezeit und anschließend eine Pause von 30 Minuten.

Bei leichter Arbeit ist eine Verlängerung der Tragedauer auf 3 Stunden möglich.

Wie häufig sollten die Masken gewechselt werden?

Die Mund-Nase-Bedeckungen sollten gewechselt werden, wenn sie feucht geworden sind – spätestens aber täglich. Bei körpernahen Kontakten (zum Beispiel bei Therapiestunden) muss die Maske vor jedem neuen Kunden ausgetauscht werden.

Was, wenn Teammitglieder sich weigern, eine Maske zu tragen?

Weigert sich ein Arbeitnehmer auch nach wiederholter Aufforderung, einen Mundschutz zu tragen, verstößt er gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten. Damit riskiert er eine Abmahnung – und im wiederholten Fall eventuell sogar eine Kündigung. „So etwas darf natürlich nicht aus heiterem Himmel kommen. Wenn ein Chef einen Maskenmuffel abmahnt, kann er das nicht vorher ständig durchgehen lassen“, erklärt Anwältin Müller. Sie empfiehlt, dass Chefs und Chefinnen selbst mit gutem Beispiel vorangehen

Was gilt bei einem Attest?

Kann jemand aus dem Team den Mundschutz aus gesundheitlichen Gründen nicht tragen, handelt er nicht gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten. „Da muss man dann kreativ werden und dafür sorgen, dass derjenige nicht mit anderen Personen in Kontakt kommt – beispielsweise durch andere Raumbelegungen“, sagt Müller.

Muss kontrolliert werden, ob sich alle im Team an die Maskenpflicht halten?

Arbeitgeber sind arbeitsschutzrechtlich verpflichtet, die Sicherheitsvorkehrungen im Unternehmen zu kontrollieren – und dazu zählen auch die Masken. „Selbstverständlich kann niemand sein Team acht Stunden lang überwachen, ob der Mundschutz nicht unter der Nase hängt“, sagt die Anwältin. „Grundsätzlich sollte es reichen, ab und zu stichprobenartig nachzuschauen“, sagt sie.

„Wir empfehlen unseren Mandanten, den ganzen Prozess schriftlich zu dokumentieren“, sagt die Anwältin. So könne man nachweisen, dass die Masken besorgt wurden und das Team über den richtigen Umgang damit informiert wurde.

Welche Sanktionen drohen Arbeitgebern bei Missachtung der Vorschriften?

Für die Kontrolle der Corona-Maßnahmen in Betrieben sind die Arbeitsschutzbehörden der Länder zuständig. „Wir hören von Mandanten, dass es in letzter Zeit auch einige unangekündigte Kontrollen gegeben hat“, sagt Anwältin Müller. Verstöße können grundsätzlich auch sanktioniert werden. Die Höhe der Sanktion hängt von Art und Umfang des Verstoßes ab. Das Arbeitsschutzgesetz sieht Bußgelder in Höhe von mehreren tausend Euro vor.

Darüber hinaus können Unternehmer, die Corona-Vorschriften im Betrieb nachweislich missachten, unter Umständen für mögliche Gesundheitsschäden ihrer Mitarbeiter infolge einer Infektion haften.

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24 Kommentare
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    XXX 22. Februar 2021 09:43

    Wie verhät es sich mit Haftung des Arbeitnehmers gegenüber , wenn der Arbeitgeber nicht genügen FP2 Masken zur verfügungstellt, ist der Arbeitnehmer ( Kundenkontake )verflichte sich auf eigene Kosten täglich mit einer neuen Maske auszustatten, ? das geht schnell mal ins Geld ja Mask 2 € täglich sind bei 23 Arbeitstagen ca. 400,-€ im Corona Jahr. Oder er riskiert erkrankungen von verkeimten FP2 Masken. ? wie ist heir die Rechtslage

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    Annonym 21. Februar 2021 08:10

    TRAGEPAUSE, keine Arbeitszeitpause

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    Annonym 21. Februar 2021 08:10

    Sich selber schützen, die Kaffeerunde verlassen oder eben eine Maske tragen…. Natürlich ist der AG in der Sorgfaltspflicht, aber wenn du dich dran hältst, bist du schon fein raus….

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    Annonym 21. Februar 2021 08:08

    Dad medizinische produkterecht ist seit letztem Jahr eine Verordnung. Alles was im med. Bereich eingesetzt wird, wird ein Medizinprodukt…. Es kommt auf die Art der Anwendung an…. Auch ein Handtuch kann ein med. Produkt werden…

    Eine FFP2 Maske ist mittlerweile auch ein med. Produkt….

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    Michael 4. Februar 2021 10:57

    Hallo,
    keiner muss den Laden zu machen. Es ist nur eine „Empfehlung“ der Berufsgenossenschaft und der Unfallversicherung. Es gibt deshalb auch kein Recht auf zusätzliche Pausen.
    Deshalb heißt es ja „Sollten Mitarbeiter regelmäßige Erholungspausen einlegen“ und „empfiehlt folgende Tragezeiten“
    Wer keine gesundheitlichen Einschränkungen hat, kann im Prinzip auch wie bisher weiterarbeiten wenn sich AG und AN einig sind.

    Viele Grüße
    Michael

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    Friedegund 2. Februar 2021 17:12

    Du musst keine zusätzlichen Pausen machen und dein Laden kann auch auf bleiben man muss ebend 2 oder sogar 3 masken am Tag benutzen anders ist es nicht möglich. Ist nur so eine idee

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    Siegfried Rehm 1. Februar 2021 12:02

    Ich arbeite im Lager,und heute morgen wo ich auf Arbeit kam,war das erste was ich hörte,wir haben Maskenpflicht und wir müssen 8 Stunden die Masken auf haben,da ich aber COPD erkrankt bin,kann ich nicht so lange die Maske auf haben,so hat der Arzt mich heute morgen für eine Woche krankgeschrieben,und was neste Woche ist, muss ich abwarten.

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    Dirk Wagner 1. Februar 2021 10:21

    Leider sind zahlreiche fehlerhafte Angaben in dem Artikel. OP-Masken / medizinische Masken unterliegen dem Medizinprodukterecht. Sie tragen ein CE-Kennzeichen ohne Prüfziffer (herstellerseitige Erklärung zur Einhaltung der europäischer Vorschriften RICHTLINIE 93/42EWG). Die FFP2-Masken sind Arbeitsschutzmasken und unterliegen der PSA-Verordnung (EU) 2016/425. Es erfolgt eine Baumusterprüfung durch eine zugelassene Prüfstelle. Daher CE-Kennzeichen + Prüfstellennummer.
    Des Weiteren sollten Sie beim Tragen von FFP2 Masken auf das Thema Fürsorgepflicht des Arbeitsgebers im Bezug zur arbeitsmedizinischen Vorsorge eingehen.

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    Margarete 1. Februar 2021 07:26

    Was kann man tun, wenn der Arbeitgeber nichts unternimmt wenn die Arbeitnehmer mit 5-6 Personen zusammen stehen ohne Abstand und ohne Maske in einem relativ kleinen Raum bzw. gemeinsam um den Kaffeetresen stehen. Wenn dann vom Chef belächelt wird, dass eine Maskenpflicht gilt. Die Hinweisschilder werden ignoriert. Alle rund um einen so tun als gäbe es kein Corona.

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    Blümchen 31. Januar 2021 23:17

    Bitte wie soll man das umsetzen zb. im Einzelhandel ??? OP Maske 2 std. tragen danach 30 min. Pause . Welcher Arbeitgeber macht das, oder besser kann das machen?? Geht nicht ,mach ich dann für 30 min. den Laden zu oder wie

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    Heidi 30. Januar 2021 13:17

    Richtig so !!
    Bei so einer unüberlegten Einführung

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    L. Mahlberg 30. Januar 2021 10:20

    [Kommentar gelöscht wegen eines Verstoßes gegen unsere Netikette – die Redaktion]

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    Uwe Hirche 30. Januar 2021 09:51

    [Kommentar gelöscht wegen eines Verstoßes gegen unsere Netikette – die Redaktion]

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    Anja 30. Januar 2021 09:36

    Was ist mit Menschen die auf dem Bauarbeiten. Dort können wir nicht den ganzen tag Maske tragen, weil so viele Masken gar keine Firma kaufen kann die wir dort brauchen.

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    Aga 30. Januar 2021 09:34

    Stimme dem voll und ganz zu. Arbeite schwer körperlich und bin deshalb froh, dass wir „nur“ OP-Masken tragen müssen, die ebenfalls anstrengend sind.

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    Pauli Karola 30. Januar 2021 09:04

    [Der erste Satz des Kommentars wurde wegen eines Verstoßes gegen unsere Netikette gelöscht – die Redaktion]…ich als Asthmapatientin mit Attest werde beim Einkaufen behandelt wie eine Aussätzige weil ich nur eine normale Maske trage… werde beleidigt und beschimpft.Vielen lieben Dank

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    Elke Pretor 30. Januar 2021 08:59

    [Kommentar gelöscht wegen eines Verstoßes gegen unsere Netikette – die Redaktion]

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    Angela Daniel 30. Januar 2021 07:01

    Wenn ich die FFP Maske trage ist diese bereits nach einer halben Stunde feucht und ich kann nicht mehr richtig atmen…..
    Wie kann das jemand aushalten bei jeglicher Art von Arbeit. Medizinische Masken wären die richtige Entscheidung.

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    Ilona Lange 30. Januar 2021 06:45

    [Bezieht sich auf einen Kommentar, der wegen eines Verstoßes gegen unsere Netikette gelöscht wurde – die Redaktion] Vielen vielen Dank für diese tolle Antwort endlich jemand der nachdenkt sich nicht alles gefallen lässt

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    Anonymous 29. Januar 2021 20:52

    Woe ist es denn auf Baustellen im Freien? Da wird ja oft Hand in Hand gearbeitet und es kann auch kein Abstand eingehalten werden. Also die, die ich sehe haben keine Masken auf. Ich könnte sogar Firmennamen nennen

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    Marina 29. Januar 2021 18:47

    Ich kann durch mein asthma keine enganliegende Maske (medizienische Maske) tragen. Dafuer habe ich ein arthest von meinem Arzt. Meine frage:darf ich eine stoffmaske tragen.

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    Stefan Buchner 29. Januar 2021 17:59

    Toller Beitrag & tolle Zusammenfassung zum Thema „Mund-Nasen-Schutz im Betrieb“ vor allem für Arbeitgeber! :)

    Danke dafür!

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    Leonhard Hüttner 29. Januar 2021 13:07

    Die Mund und Nasenschutzmaske auf „Mundschutz“ zu verkürzen wird von vielen Menschen wörtlich genommen, manche targen sie auch als Kinnschutz.

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    Michael Braun 29. Januar 2021 09:46

    [Kommentar gelöscht wegen eines Verstoßes gegen unsere Netikette – die Redaktion]

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