Urlaubsrecht 7 rechtliche Irrtümer rund um Urlaub

Ihr Mitarbeiter will an den Strand, aber Sie lehnen ab, weil Sie ihn maximal ein paar Tage entbehren können? Das geht nicht: Laut Urlaubsrecht haben Angestellte Anspruch auf zwei Wochen Urlaub am Stück.

Ihr Mitarbeiter will an den Strand, aber Sie lehnen ab, weil Sie ihn maximal ein paar Tage entbehren können? Das geht nicht: Laut Urlaubsrecht haben Angestellte Anspruch auf zwei Wochen Urlaub am Stück.© Ruslan Grumble / Fotolia.com

Rund ums Urlaubsrecht kursieren viele Irrtümer. Ob gesetzlicher Mindesturlaub, Probezeit oder lange Krankheiten: Wir klären auf, was Arbeitgeber beachten müssen.

Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 24 Tage pro Jahr, das sind fast fünf Wochen.

Jein. Zwar ist im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) in Paragraf 3 von mindestens 24 Werktagen Urlaub die Rede. Diese Bestimmung geht aber von einer Sechs-Tage-Woche aus. Übertragen auf die weit verbreitete Fünf-Tage-Woche heißt das: 20 Tage Urlaub – also nur vier Arbeitswochen.

Mitarbeiter in der Probezeit haben keinen Urlaubsanspruch.

Irrtum! Zwar haben Mitarbeiter erst nach sechs Monaten im neuen Job Anspruch auf ihren gesamten Jahresurlaub. Einen anteiligen Urlaubsanspruch haben sie aber schon vorher – und zwar auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs pro Monat (§ 4, BurlG). Bei beispielsweise 24 Tagen Jahresurlaub wären das zwei Tage pro Monat. Auch wer Ferienjobber einstellt, muss ihnen Urlaub geben – je nach dem, wie lange der Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt ist.

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Arbeitnehmer können sich ihren Urlaub auszahlen lassen.

Irrtum! Urlaub soll der Erholung dienen – also letztlich dazu beitragen, dass die Arbeitskraft des Arbeitnehmers erhalten bleibt.  Zusätzliches Geld auf dem Konto trägt nicht zur Erholung bei, folglich ist eine Auszahlung des Urlaubs im Bundesurlaubsgesetz nicht vorgesehen. Eine Ausnahme gibt es jedoch: „Kann der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht mehr gewährt werden, so ist er abzugelten.“ (§ 7, Abs. 4, BurlG)

Der Arbeitgeber entscheidet über die Dauer des Urlaubs.

Irrtum! Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf mindestens zwei Wochen (zwölf Werktage) Urlaub am Stück – das steht im Bundesurlaubsgesetz in Paragraf 7, Absatz 2. Grundsätzlich ist der Urlaub „zusammenhängend zu gewähren“, heißt es im Gesetz – es sei denn, der Chef kann „dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe“ für eine Teilung des Urlaubs geltend machen. Mehr darüber erfahren Sie in dem Artikel „Urlaubsplanung: Diese Rechte haben Arbeitgeber beim Thema Urlaub“.

Mit denselben Gründen kann der Arbeitgeber übrigens auch Betriebsferien ankündigen. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Artikel: „Betriebsferien: Kann der Arbeitgeber Zwangsurlaub anordnen?“

Heiligabend und Silvester gelten als halbe Urlaubstage.

Irrtum! Halbe Urlaubstage sind – nicht nur an Heiligabend und Silvester – in vielen Firmen üblich, im Gesetz sind sie allerdings nicht vorgesehen. Da Heiligabend und Silvester keine gesetzlichen Feiertage sind, müssen die Arbeitnehmer dafür einen ganzen Tag Urlaub einreichen – alles andere ist Entgegenkommen des Arbeitgebers. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Artikel „Müssen Angestellte für Heiligabend und Silvester Urlaub einreichen?“

Resturlaub verfällt am 31. März des Folgejahres.

Irrtum! Laut Bundesurlaubsgesetz muss der Urlaub im laufenden Kalenderjahr genommen werden. Andernfalls verfällt er am 31. Dezember – es sei denn, im Arbeits- oder Tarifvertrag steht etwas anderes. Ins nächste Jahr mit rübernehmen können Arbeitnehmer Urlaubstage nur, wenn es gute Gründe gibt: etwa eine Urlaubssperre wegen eines Großauftrags oder eine lange Krankheit (siehe unten). Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Artikel „Alles, was Sie über den Resturlaub Ihrer Mitarbeiter wissen müssen“.

Bei langer Krankheit verfällt der Urlaub.

Jein. Kann ein Arbeitnehmer seinen Urlaub wegen Krankheit nicht nehmen, verfällt er zwar nicht wie sonst bereits am Jahresende – das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) 2009 entschieden (C-350/06, C-520/06). Allerdings hat der EuGH dieses Urteil 2011 eingeschränkt und eine tarifvertragliche Regelung für rechtens erklärt, derzufolge der in der Krankheit angesparte Urlaub 15 Monate nach Ende des Urlaubsjahres verfällt (Az. C-214/10). Bezugnehmend auf dieses Urteil hat der Bundesgerichtshof 2012 entschieden, dass Urlaub nach langer Krankheit am 31. März des übernächsten Jahres verfällt. (9 AZR 983/07).

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2 Kommentare
  • Norbert Kaczmarek 14. Mai 2018 12:18

    Hallo,

    dieses Beispiel könnte von allgemeinen Interesse sein.
    Ein Arbeitnehmer meldet sich nach der Probezeit regelmäßig Krank in 6 Monaten 47 Tage und wird fristgerecht gekündigt. Der Resturlaub soll in der Kündigungsfrist abgeleistet werden aber mit der Kündigung meldet sich der AN wieder Krank und möchte nun den Urlaub ausgezahlt bekommen.
    Davor befand sich der AN in einer Vollzeitmaßnahme Ausbildung mit 11 Tage Ferien in der Praktikumszeit, der AN beansprucht den volle Jahresurlaub ohne Berücksichtigung der Vorbeschäftigung?

    • Lisa Büntemeyer
      Lisa Büntemeyer 14. Mai 2018 13:01

      Hallo Herr Kaczmarek,

      Rechtsberatung im Einzelfall können und dürfen wir als Redaktion leider nicht geben.

      Herzliche Grüße von der impulse-Redaktion
      Lisa Büntemeyer

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