Liquidität erhöhen Mit diesen Fragen müssen Sie im Bankgespräch rechnen
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Sie benötigen dringend Liquidität, um die Corona-Krise zu überstehen? Dann sollten Sie sich auf das Gespräch mit Ihrer Hausbank detailliert vorbereiten. Für diese Fragen sollten Sie Antworten parat haben.

Egal, ob Sie jetzt Fördermittel von der KfW beantragen oder ob Sie einen klassischen Bankkredit wollen: Beides erhalten Sie bei Ihrer Hausbank. Um finanzielle Unterstützung zu erhalten, müssen Sie gegenüber dem Geldhaus genau darlegen können, wie Ihre Situation ist. Wichtig ist, dass klar wird: Ihr aktueller Engpass hat seinen Grund in der Corona-Krise und nicht im Unternehmen. Firmen, die bereits vor Beginn der Corona-Krise in Problemen waren, werden geringe Chancen auf Hilfe haben. Das gilt für Kredite von der Hausbank genauso wie für Fördermittel vom Staat.

„Das Gespräch mit der Bank sollten Sie so schnell wie möglich suchen“, sagt Carl-Dietrich Sander, Unternehmerberater aus dem nordrhein-westfälischen Kaarst und Leiter der Fachgruppe Finanzierung-Rating im Bundesverband „Die KMU-Berater“. Selbst dann, wenn die Liquidität aktuell noch ausreicht oder eine bestehende Kreditlinie noch nicht ausgeschöpft ist.

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Es sei immer besser, in einer starken Position mit der Hausbank zu sprechen, als in einer Notsituation, empfiehlt Sander, der mehr als 20 Jahre für Kreditinstitute gearbeitet hat. Doch auch wenn die Lage bereits prekär ist, haben Unternehmer mitunter gute Chancen, Hilfe von einem Geldhaus zu bekommen – wenn eine realistische Chance besteht, nach der Corona-Krise wieder erfolgreich zu sein. Berater Sander hat für Bankgespräche einen Stufenplan erstellt. Diesen können Sie hier abrufen.

Gute Vorbereitung ist entscheidend

Das Wichtigste: Der Banker muss sich ein möglichst exaktes Bild von Ihrem Geschäft machen können. Entscheidend ist, dass Sie auf Fragen zu Ihrer Lage Auskunft geben können. Auch sollten Sie bereits Maßnahmen zur Verbesserung Ihrer Liquiditätslage ergriffen oder wenigstens geprüft haben. „Je schlechter vorbereitet ich in so ein Gespräch gehe, desto mehr Nachfragen hat die Bank. Dann drehen wir nochmal eine Runde. Und desto mehr rutscht der eigene Antrag im Bearbeitungsstapel nach unten“, warnt Sander.

Auf die folgenden Fragen sollten Sie antworten können, um im Gespräch mit der Bank zu überzeugen:

1. Wie hoch sind reale und erwartete Umsatzeinbußen?

Wie viele Umsatzeinbußen mussten Sie nach Beginn der Corona-Krise bereits verzeichnen? Mit welchen weiteren Einbußen rechnen Sie für die kommenden drei und sechs Monate?

Gehen Sie von verschiedenen Szenarien aus: Einschränkungen des öffentlichen Lebens für wenige Wochen und für mehrere Monate.

2. Wie lassen sich Kosten reduzieren?

Gehen Sie Ihre größten laufenden Kostenblöcke durch! Welche lassen sich reduzieren?

Gehälter

Haben Sie bereits Kurzarbeit geprüft oder beantragt? Durch Kurzarbeit lassen sich die Lohnkosten deutlich reduzieren (siehe Artikel: Wie Sie jetzt auf Kurzarbeit umstellen können). „Das sollte auf jeden Fall gemacht werden“, rät Sander.

Ist der Antrag bereits bewilligt, sollte man den Bescheid zur Bank mitnehmen. Ist er noch nicht bewilligt, sollte eine Kopie des Antrags der Bank vorgelegt werden. Dazu sollte man auch ein Szenario entwickeln für die Wochen ohne Kurzarbeit. Sander: „Dann kann man sagen: Wenn die Kurzarbeit greift, gibt es eine zusätzliche Liquiditätsentlastung um X Euro. Aber ich habe noch keinen Bescheid.“

Miete

Sprechen Sie Ihren Vermieter an, ob er zu einer kompletten oder teilweisen Stundung der Miete bereit ist. Waren Sie bisher ein zuverlässiger Mieter, wird er ein Interesse daran haben, Sie zu behalten.

Leasingraten

Wenn Sie aufgrund der Corona-Krise Fahrzeuge oder andere Leasinggüter aktuell ohnehin nicht nutzen, fragen Sie die Leasinggesellschaft, ob eine kurzfristige Kündigung oder Unterbrechung des Vertrags möglich ist.

Steuern

Viele Unternehmer haben zuletzt hohe Steuervorauszahlungen geleistet, weil die vergangenen Jahre gut gelaufen sind. Es ist möglich, einen Antrag zu stellen auf Herabsetzung der Steuervorauszahlung. Dafür sollte plausibel sein, mit welchem Umsatzrückgang zu rechnen ist.

Wie wirkt sich das dann auf den Gewinn aus? Bei den meisten Unternehmern dürfte klar sein, dass auf gar keinen Fall der gleiche Gewinn möglich ist wie 2018 oder 2019.

Problematisch ist, dass viele vermutlich in der ersten März-Hälfte bereits eine Vorauszahlung an das Finanzamt überwiesen haben. Das Geld ist also weg. Die nächste Vorauszahlung steht bei vielen erst im Juni an. Wichtig ist, hier den Steuerberater einzubeziehen.

Kredite

Welche Beträge fallen monatlich für Zins und Tilgungen an? Welchen monatlichen Betrag können Sie einsparen, wenn Ihre Bank sich auf eine Aussetzung der Tilgung für einige Monate einlässt?

Außerdem: Investieren Sie aktuell in neue Anlagen, Büroausstattung, eine Firmenimmobilie oder etwas anderes für Ihr Geschäft? Oder planen Sie Investitionen. Prüfen Sie eine Verschiebung!

Auf unserem Unternehmer-Infoportal zur Corona-Krise erhalten Sie weitere Hinweise fürs Bankgespräch in der Corona-Krise. Das Portal ist exklusiv für impulse-Mitglieder.

Corona-Abbinder Sie sind impulse-Mitglied? Dann können Sie sich hier im Unternehmer-Infoportal zur Corona-Krise einloggen.
1 Kommentar
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    Anonymous 2. April 2020 08:03

    Der Artikel ist sicher sinnvoll und gut gemeint. Leider nützt aber derzeit auch die intesivste Vorbereitung oftmals nichts, insbesondere wenn man ein Geschäft hat, das atypisch ist. In dem beispeilsweise Umsätze von Haus aus schwanken u.ä.
    Das Problem in vielen Banken: Es werden nur einfache Parameter angeschaut, passen die nicht, gibt es keinen Kredit. Dabei sprechen junge und vielleicht unerfahrene Banker mit Kunden, die sie persönlich nie kennengelernt haben, dessen Geschäft sie nicht verstehen etc. Und noch schlimmer: Das Ausweichen auf andere Banken ist auch nicht möglich, weil keine es derzeit schafft, alle eigenen Kunden zu bedienen.

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