Toxische Mitarbeiter So schützen Sie Ihre Firma vor Mitarbeitern, die die Stimmung vergiften
Toxische Mitarbeiter können einem Unternehmen schaden. Das können Sie dagegen tun.

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Toxische Mitarbeiter vermiesen das Betriebsklima und gefährden Unternehmen. Psychologin Heidrun Schüler-Lubienetzki erklärt, wie Sie sie erkennen - und was Sie tun können, um sich zu schützen.

impulse: Frau Schüler-Lubienetzki, was sind toxische Menschen?

Heidrun Schüler-Lubienetzki: Sie zeigen häufig wenig Mitleid, sind nicht empathiefähig und sehr machtorientiert. In unserem Buch lautet die Definition: Toxiker streben nach Macht, um ihre egoistischen Motive um jeden Preis zu verwirklichen.

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Gibt es verschiedene Typen von toxischen Menschen?

Ja. In der Psychologie spricht man von der dunklen Triade, drei Persönlichkeitstypen, die sich überlappen können und zu nichts Gutem führen: Narzisst, Psychopath und Machiavellist. Der Narzisst benutzt andere Menschen als Mittel zum Zweck. Sie sind nur dazu da, ihn in einem besseren Licht dastehen zu lassen. Dem Psychopathen geht es um Macht, um Nervenkitzel. Er hat keine Empathie und fühlt keine Reue. Der Machiavellist ist ein kühler Machtmensch. Er verfolgt skrupellos und ganz opportunistisch seine eigenen Ziele. Mal hat er diese und mal jene Haltung, Hauptsache, er schwimmt ganz oben mit.

Haben Sie ein konkretes Beispiel, wie sich das im betrieblichen Umfeld äußern kann?

Eine HR-Direktorin hat mir von einem Bewerber erzählt, der sich perfekt verkauft hat. Nach dem Vorstellungsgespräch haben sie gesagt: „Das ist ja der beste Kandidat, den wir jemals hatten!“ – und ihm direkt einen Vertrag geschickt. Am Ende kam heraus, dass er das Vertragsangebot benutzt hat, um bei seinem aktuellen Arbeitgeber ein höheres Gehalt auszuhandeln. Er hat sie komplett hingehalten. Das ist typisch toxisches Verhalten.

Das ist ärgerlich.

Anderes typisch toxisches Verhalten, das wir erlebt haben, ist die Stärkung der eigenen Machtposition durch Belohnung und Bestrafung. Das sieht man dann bei Toxikern, die Teamleiter sind. Sie beeinflussen ihr Team, indem sie bestimmte Leistungen belohnen, um ihre Machtposition zu stärken.

Wie äußert sich toxisches Verhalten bei neuen Mitarbeitern?

Häufig machen sie erstmal den bestmöglichen Eindruck und alle sind fasziniert von ihnen. Dann beginnt das, was wir im Buch den toxischen Prozess nennen: Der neue Mitarbeiter kommt mit vielen Kollegen ins Gespräch und findet so heraus, wo es Unzufriedenheiten gibt. Er schaut sich das soziale Machtgefüge im Unternehmen an und sucht nach einem Weg, es auszuhebeln. Er redet zum Beispiel den Chef in Abwesenheit schlecht, zweifelt seine Kompetenz an mit Sätzen wie „Naja, der hat das ja auch nicht im Griff. Weiß der eigentlich, wie das hier in unserer Abteilung aussieht?“ Die anderen Mitarbeiter sind dadurch desorientiert. Sie fragen sich, wem sie glauben sollen: Dem Toxiker mit seinen Horrornachrichten oder dem Unternehmer? Das ist gefährlich für das Unternehmen.

Kann man einen toxischen Mitarbeiter schon im Vorstellungsgespräch erkennen?

Das ist die Eine-Million-Dollar-Frage. Im Grunde sind es die Kandidaten, die zu gut sind, um wahr zu sein. Die können ein gewissen toxisches Potenzial haben. Psychopathen zum Beispiel sind begnadete Menschenleser, die genau wissen, wie sie sich geben müssen, um den anderen zu begeistern.

Es heißt, dass Toxiker oft sehr leistungsorientiert sind. Würden Sie das bestätigen?

Ja. Natürlich ist nicht jeder Toxiker ein High-Performer, aber grundsätzlich sind sie schon dazu in der Lage, gute Leistungen zu bringen.

Aber solche leistungsstarken Mitarbeiter sind doch gut für das Unternehmen?

Die Frage ist, in welchen Dienst sie ihre Leistungsfähigkeit stellen. Es kann große Schnittmengen geben zwischen dem Unternehmensziel und dem, was sich der Toxiker wünscht. In diesen Phasen kann das ein wertvoller Mitarbeiter sein, der etwas für das Unternehmen erreichen kann.

Wann zum Beispiel?

Bei einer Umstrukturierungsphase oder Sanierung. Da sind harte Entscheidungen zu treffen und zu verkünden. Das kann ein Toxiker. Aber wenn es darum geht, Personal zu gewinnen, zu halten, zu pflegen, weiterzuentwickeln? Wenn es nicht um persönliche Ziele geht, sondern darum, wie ich anderen helfen kann? Da kann ein Toxiker nichts beitragen.

Und wer wird fälschlicherweise als toxisch wahrgenommen?

Der Begriff wird inzwischen inflationär benutzt. Manchmal auch für Menschen, die nur in schwierigen Lebensphasen sind. Zum Beispiel Suchtkranke oder Menschen, die in einer Scheidung stecken oder kranke Angehörige pflegen. Die sind nicht toxisch, ihre Erkrankung oder Belastung färbt nur auf ihr Verhalten ab. Manchmal werden auch Mitarbeiter, die nicht so viel Feingefühl besitzen, als toxisch abgestempelt. Oder wenn jemand mal ein Gerücht verbreitet, muss das noch nicht gleich toxisch sein. Der Unterschied zu anderem schwierigen Verhalten im Berufsleben ist die Absicht. Das absichtsvolle Verfolgen egoistischer Motive. Insgesamt ist „toxisch“ ein starkes Etikett und ohne Not würde ich das niemandem umhängen wollen.

Kann ein toxischer Mitarbeiter ein Unternehmen kaputt machen?

Auf jeden Fall. Er agiert ohne Rücksicht auf Kollateralschäden. Das ist eine Belastung für Teams. Es sorgt für Demotivation, Leute kündigen und der Krankenstand steigt.

Wieso das?

Die Kollegen werden krank, weil sie sich mit nichts anderem mehr beschäftigen als mit dem toxischen Verhalten.

Was kann ich als Chef tun?

Zuerst einmal muss ich überprüfen, wie genau sich der Mitarbeiter verhält. Ist er in einer schwierigen persönlichen Phase? Oder geht es hier um das Spiel, Macht und Einfluss zu gewinnen, um persönliche Ziele zu erreichen? Dann hilft nur eine klare und enge Führung. Das heißt, dem Mitarbeiter klares Feedback zu geben: „Das habe ich beobachtet, das weicht von dem ab, wie wir in diesem Unternehmen miteinander arbeiten und umgehen. Und ich erwarte von dir folgendes Verhalten.“

Und wenn das nichts bringt?

Wenn der Mitarbeiter sein Verhalten nicht verändert und den Regeln am Arbeitsplatz widerspricht, hilft nach unserer Erfahrung nur die Trennung. Wenn ich bereit bin, mich von schwierigen Mitarbeitern zu trennen, habe ich es danach leichter mit meiner Firma.

Agiert ein solcher Mitarbeiter im nächsten Unternehmen wieder toxisch?

Ja, leider. Es sei denn, es gibt eine Phase, in der seine Ziele mit den Unternehmenszielen deckungsgleich sind.

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3 Kommentare
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    Anonymous 11. Mai 2020 10:06

    Dieses sensible Thema wird hier nur an der Oberfläche diskutiert. Weit informativer und fundierter sind die Veröffentlichungen des Standford-Professors Robert I. Sutton.

    Außerdem, da hier von Typen gesprochen wird, sollte ich noch erwähnen, dass es einen Typ ganz außer acht lässt. Dieser Typ hatte nie Managementaufgaben, ist aber fachlich hochkompetent. Allerdings sind diese Personen durch schlechtes Management und diverse Formen des Mobbing schwer traumatisiert, so dass sie bei jedem Missverständnis (und die gibt es ständig) sofort vom Schlimmsten ausgehen. Sie belasten ihre Peers damit, dass sie vom gesamten Team erwarten, die unflexiblen starren Prozesse und Strukturen einzuhalten, ohne die sie selbst nicht arbeiten können. Jedes Teammeeting wird zur Höllentour durch ihre pessimistische und manchmal sogar fatalistische Einstellung. So gibt es sogar eine sekundäre Wirkung toxischen Verhaltens,

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    Ein Mitarbeiter 12. März 2020 00:14

    Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass due Aussagen zu den sogenannten toxischen Mitarbeitern eine sehr pauschalierte Aussage und bisweilen sogar eine Umkehr von Ursache und Wirkung darstellen.
    Es heißt der Mensch sei auch das Produkt seiner Umwelt. Also was treibt einen Menschen dazu an, aus Sicht eines Arbeitgebers sich toxisch zu verhalten?
    Ist es nicht auch eine Begründung unliebsame oder aufstrebsame Menschen über solche Begründungen quasi „kalt“ zu stellen. In einer überspitzten Form könnte man bei den genannten Begründungen jede Form von Emanzipation und sogar die #me-too-Debatte quasi toxisch wäre. Stört sie doch den Betriebsfrieden und den Status-quo mancher Menschen.
    ich denke nicht so – aber was ich sagen kann, ist das ein Mensch, der nicht zufrieden ist und etwas versucht daran etwas zu ändern, nicht zwangsläufig als machtbesessen, narzisstisch oder auf den eigenen Vorteil bedacht sein muss.
    Manchmal ist es einfach so, dass Menschen etwas zu sagen haben und nicht gehört werden wollen.
    Sie verhalten sich vielleicht aus Sicht von Arbeitgebern toxisch – tatsächlich werden sie gemobbt.
    es ist halt leichter zu sagen, dass ein oder eine Einzeln(r) ein Problem hat, als eine Firma.
    Zum beschriebenen Beispiel mit dem toxischen Mitarbeiter: Dieses Beispiel liefert die Marktwirtschaft selbst. Das Gift fängt aus den Management-Etagen an zu wirken. Jemand der sich so verhält, macht nur das nach, was in anderen Management-Ebenen wohl eher gelebte Praxis ist. Daher mag sich manch einer beim Durchlesen gedacht haben – ohne die Firma und deren Einstellung zu Mitarbeitern gedacht haben- recht so! Auch wenn man hier durchaus einen fairen Umgang unterstellen mag.

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    Seraphine 11. März 2020 06:12

    Wenn ich das hier lese sind 90% der arbeitenden Bevölkerung toxische Mitarbeiter.

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