Tipps gegen Prokrastination So lernen Sie, Dinge nicht mehr aufzuschieben

"Morgen ist auch noch ein Tag": Menschen, die unter Prokrastination leiden, sagen diesen Satz häufig.

"Morgen ist auch noch ein Tag": Menschen, die unter Prokrastination leiden, sagen diesen Satz häufig.© zettberlin / photocase.de

Prokrastination, so nennt man es, wenn jemand wichtige Aufgaben ständig aufschiebt. Mit diesen Tipps kriegen Sie die eigene Aufschieberitis in den Griff  - und helfen prokrastinierenden Mitarbeitern, produktiver zu arbeiten.

Die Ordner häufen sich auf dem Schreibtisch, Termine für die nächsten Mitarbeitergespräche müssen gemacht werden und die Umsatzsteuervoranmeldung ist eigentlich schon längst überfällig. Prokrastination, so heißt es, wenn man langweilige und große Aufgaben regelmäßig bis zur letzten Minute aufschiebt – in der Hoffnung, dass sich die Aufgabe von allein klärt oder jemand anderes sie erledigt.

Menschen prokrastinieren aus unterschiedlichen Gründen: „Im schlimmsten Fall haben sie Depressionen oder Erwachsenen-ADHS“, weiß Daniel Hoch,  Experte für Prokrastination. Oft sei aber die natürliche Faulheit des Menschen der Grund und der Hintergedanke, dass man ja eigentlich noch ganz viel Zeit hat – bis die Deadline plötzlich ganz nah ist. „Es kann aber auch die Angst vor den Auswirkungen und möglichen Veränderungen sein, die das Erledigen der Aufgabe mit sich bringt“, sagt Hoch: „Zum Beispiel, wenn man einen Arztbesuch vor sich her schiebt.“

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Was aber kann man gegen Prokrastination tun? Die folgenden Tipps helfen Betroffenen und Vorgesetzten.

Woran Sie merken, dass Sie zu viel aufschieben

Die folgenden Punkte sind Anzeichen dafür, dass Sie unter Aufschieberitis leiden, wie Daniel Hoch erklärt:

  • Sie ärgern sich ständig über sich selbst, weil Sie nicht immer alles umsetzen, was Sie sich vorgenommen haben.
  • Sie wollen es nicht wahrhaben, dass Sie ständig darauf angesprochen werden, dass Sie zu oft Dinge vor sich herschieben.
  • Sie sind Meister im Finden von Ausreden.
  • Sie haben Angst vor Veränderungen und die möglichen Folgen.
  • Sie sind schon nach kleinen erledigten Aufgaben mit sich selbst zufrieden.
  • Sie können schlecht etwas durchhalten oder probieren ungern neue Dinge aus.
  • Sie sagen oft: „Disziplin ist nicht mein bester Freund.“

Diese Tipps helfen gegen Prokrastination

1. Hören Sie auf, sich was vorzumachen.
Der erste Schritt zur Besserung Ihrer Aufschieberitis ist die eigene Einsicht. Wenn Sie zugeben, dass Sie Dinge zu oft aufschieben, ist der erste Schritt bereits getan. Jetzt müssen Sie am Ball bleiben, denn nur Sie allein sind für Ihr Verhalten verantwortlich.

2. Erledigen Sie das Unangenehmste zuerst.
Beginnen Sie morgens mit der Aufgabe, die für Sie am unangenehmsten oder schlimmsten ist. So haben Sie diese schon so gut wie vor dem Frühstück erledigt und können sich auf die schönen Dinge am Tag konzentrieren.

3. Suchen Sie sich keine Verbündeten.
Ihre Mitarbeiter, Freunde oder Geschäftspartner schieben auch gern mal etwas auf? Zumindest wenn es um das Erledigen wichtiger Aufgaben geht, meiden Sie diese Menschen, bevor die Sie noch zum Feierabend-Bier überreden können. Suchen Sie sich eine vertraute Person, die Sie mit klaren Worten an Ihre Aufgaben erinnert, Ihnen aber gleichzeitig nicht böse ist, wenn Sie die Aufgabe doch nicht erledigt haben. „Die eigene Frau wäre allerdings nicht so optimal, da im schlimmsten Fall dann die Beziehung darunter leiden kann“, sagt der Experte.

4. Machen Sie sich einen Plan.
Machen Sie sich am besten am Abend vorher schon eine Liste mit den Aufgaben, die Sie am nächsten Tag erledigen müssen. Es ist ein gutes Gefühl, jedes mal einen Haken setzen zu können. So kommen Sie Ihrem Feierabend sichtlich näher.

5. Lassen Sie sich nicht ablenken.
Ein Schwätzchen auf dem Flur und noch eben checken, was bei Facebook so los ist: Wir alle lassen uns gern mal für ein paar Minuten ablenken und schieben Aufgaben immer weiter hinaus. Anders, als viele vielleicht denken, sind das Handy und die sozialen Medien nicht der Grund, warum man abgelenkt wird, sondern einfach eine weitere – ja auch sehr verlockende – Möglichkeit, seine Aufgaben erst einmal hinten an zu stellen. „Das Internet deckt nur noch einmal mehr auf, was vorher schon da war: nämlich dass man unter Prokrastination leidet. Die Ursachen dafür sind nicht die sozialen Medien, sondern liegen immer bei einem selbst“, sagt Daniel Hoch.

6. Hören Sie auf, Ausreden zu suchen.
„Da habe ich ja noch ewig Zeit für“, „So wichtig ist das gar nicht“, „Ich glaube, das ist zu schwer“, „Ich mache das auf jeden Fall morgen“ – hören Sie auf damit, nach Ausreden zu suchen, warum Sie genau diese Aufgabe nicht jetzt erledigen können. Glauben Sie an sich, legen Sie ein wenig Disziplin an den Tag und erledigen Sie die Aufgabe jetzt. Danach werden Sie sehen, wie erleichtert Sie sein werden.

Das können Sie als Chef machen, wenn Ihr Mitarbeiter Dinge aufschiebt

Sind es nicht Sie selbst, der ständig Dinge vor sich herschiebt, sondern Ihr Mitarbeiter, können Sie ihm natürlich nicht alle Aufgaben abnehmen. Sie können ihm aber einen Rahmen bieten, der es ihm leicht macht, etwas gegen das Prokrastinieren zu unternehmen.

1. Sensibilisieren Sie den Betroffenen.
Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Mitarbeiter und reden Sie offen darüber, was Ihnen aufgefallen ist. Machen Sie ihm aber keine Vorwürfe („Sie haben Ihre Aufgaben schon wieder nicht rechtzeitig erledigt“). Fragen Sie ihn dann, ob er das genauso sieht und ob er selbst glaubt, dass er an Prokrastination leiden könnte.

2. Betreiben Sie gemeinsam Ursachenforschung.
Bieten Sie Ihrem Mitarbeiter Ihre Unterstützung an. Finden Sie gemeinsam heraus, woran es liegt, dass er oder sie die Aufgaben vor sich herschiebt. Sind es zu viele Aufgaben? Sind die Aufgaben zu schwer? Gibt es andere Probleme, weshalb er oder sie sich nicht konzentrieren kann und sich leicht ablenken lässt?

3. Lösungswege erörtern.
Natürlich gilt auch bei ihrem Mitarbeiter, dass nur er allein etwas an seiner Situation ändern kann. Sie können mit ihm gemeinsam die oben genannten Tipps durchgehen und diskutieren, was ihm am besten helfen könnte. Machen Sie sich darüber Gedanken, ob die Möglichkeiten in der Praxis effektiv und auf langer Sicht gesehen umsetzbar sind. Und was nach wie vor dagegen spricht.

4. Mögliche Auswirkungen aufzeigen.
Was passiert, wenn Ihr Mitarbeiter etwa Lieferantenrechnungen zu spät zahlt? Möglicherweise verlieren Sie einen wichtigen Geschäftspartner oder haben im schlimmsten Fall eine Klage am Hals. Wer ist dann Schuld? Zeigen Sie Ihrem Mitarbeiter auf, was mögliche Auswirkungen für seinen Job oder Ihr Unternehmen sind, wenn er seine Aufgaben gar nicht oder nicht rechtzeitig erledigt. Überlegen Sie sich gemeinsam, ob beide Seiten mit diesen Auswirkungen leben könnten.

2 Kommentare
  • Marian 28. Oktober 2017 09:17

    Und Tipp Nummer sieben (: Was ich auch noch gerne mache um ins Tun zu kommen, ist sich die Aufgabe mental kleiner zu machen [Link entfernt – bitte keine Werbung, siehe auch unsere Nettikette]. Dadurch fängt man viel eher an und wenn man mal angefangen hat geht’s meist eh relativ schnell :).

  • Daniel Hoch 13. Dezember 2016 10:13

    Sehr gut geschrieben!

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