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Geldanlagen funktionieren nach zwei Prinzipien: Die Anleger wollen entweder Zinsen oder Wertsteigerung. Wer Gold, Uhren, Luxusartikel oder Kunst kauft, setzt ausschließlich auf die Wertsteigerung: „Sachanlagen werfen keine Zinsen ab“, sagt der Wertpapier- und Devisenhändler Jürgen Nowacki. Das bedeutet: Anleger müssen später jemanden finden, der bereit ist, mehr dafür zu bezahlen. Ob sich ein Investment rechnet oder nicht, entscheidet sich also erst beim Verkauf – oft Jahrzehnte später.
Gerade bei Sammlerstücken lässt sich der Erfolg nur schwer abschätzen: „Der Markt ist völlig intransparent“, warnt Nowacki, Autor des Buches „In Sachwerte investieren für Dummies“ und Inhaber des Unternehmens My Broker. Anders als bei Wertpapieren fehlt häufig ein breiter Käuferkreis. Ein Goldbarren lässt sich noch vergleichsweise leicht bewerten. Bei einem Gemälde oder einem seltenen Auto ist das anders: Einzelne Auktionsergebnisse sagen nur wenig darüber aus, ob der Besitzer diese Preise später selbst erzielen kann.
Sachwerte unterliegen Moden, Hypes und einer schwankenden Nachfrage: Spektakuläre Wertsteigerungen konzentrieren sich meist auf bestimmte Produzenten, Jahrgänge, Künstler, Modelle oder Ausführungen. Seltenheit allein genügt nicht. Das erlebt Konstantin Kerle vom Hamburger Auktionshaus Stahl tagtäglich: „Was früher begehrt war – wie Barock- oder Biedermeier-Möbel –, lässt sich heute oft kaum noch verkaufen.“ Ein knappes Gut muss also auch künftig gefragt sein.
Beim Einstieg auf die Kosten achten
Hinzu kommen die Kosten für Lagerung, Wartung, Restaurierung und Versicherung. Die gängigen Preisindizes berücksichtigen normalerweise auch keine Käufer- und Verkäuferprovisionen. Ein teurer gewordener Oldtimer kann nach Abzug aller Rechnungen also trotzdem ein Verlustgeschäft sein.
„Sachwerte sind kein passives Investieren, sondern machen Arbeit“, sagt Nowacki. Wer kauft, muss Angebote vergleichen, die Herkunft prüfen, Zeit für Instandsetzung einplanen und später den Verkauf vorbereiten.
Trotzdem kann sich der Einstieg für Anleger lohnen – nicht nur mit Blick auf die Rendite: „Der Markt kann einfach sehr viel mehr Spaß machen, wenn man nicht täglich auf den Kurszettel schauen muss, sondern stattdessen etwas sammelt, für das man sich selbst interessiert“, sagt Nowacki. Statt modischen Trends hinterherzulaufen, sollten Anleger den eigenen Interessen und Neigungen folgen.
Der Volkswirt und Weinexperte Valentin Brodbecker sieht das ähnlich: „Sachwerte wie Wein, Oldtimer oder Uhren sind für mich Emotional Assets. Da investiert man auch immer viel Herz“, sagt er. Ein Wagen lässt sich fahren, eine Uhr tragen, ein Bild betrachten. Die Leidenschaft für die Sache kann zugleich ein Informationsvorteil sein: Wer Originalteile an einem Auto erkennt, einen Wein beurteilen kann oder die Modellgeschichte einer Uhr kennt, kann Angebote besser einschätzen.
Damit das Hobby nicht zur Renditefalle wird, sollten sich Anleger allerdings davor hüten, Liebhaberpreise zu bezahlen. Auch hier gilt: „Der Gewinn wird im Einkauf gemacht“, sagt Nowacki. Und: Wer in Sachwerte investiert, sollte genauso Risikostreuung betreiben wie jemand, der am Aktienmarkt investiert.
5 Anlagemöglichkeiten – und was du dazu wissen solltest
1. Edelmetalle: Gold als Krisenreserve
Markt: Wer Gold, Silber oder Platin erwerben möchte, hat die Qual der Wahl: Anleger können die Edelmetalle physisch kaufen oder über die Börse. Edelmetallhändler bieten Gold etwa als Münzen und Barren in unterschiedlichen Größen an. Wer dagegen vor allem an der Preisentwicklung teilhaben und flexibel über sein Depot handeln möchte, kann Rohstoffpapiere nutzen. Entscheidend ist also, ob man Metall tatsächlich besitzen oder lediglich auf dessen Preisentwicklung setzen möchte.
Potenzial: Vor allem Gold ist für viele Anleger ein „Notgroschen für schlechte Zeiten“, so Nowacki. Die Idee: Wenn ein Teil des Vermögens außerhalb des Finanzsystems liegt, ist es vor Krisen geschützt. Tatsächlich kann Gold ein Portfolio stabilisieren, weil sich der Goldpreis in Krisen oft anders entwickelt als Aktien oder Anleihen. Auf lange Sicht hat Gold die Kaufkraft gesteigert: Laut UBS legte sein Preis von 1900 bis 2025 nach US-Inflation um 1,3 Prozent jährlich zu. Seit dem Ende der Goldpreisbindung 1971 waren es 4,7 Prozent.
Risiken: Auf kürzere Sicht kann die Rechnung ganz anders aussehen. Nowacki erinnert an den Goldboom Anfang der 1980er-Jahre: Danach „kam eine 25-jährige Flaute und manche Anleger haben den Anstieg der letzten 20 Jahre nicht mehr erlebt“. Anleger müssen deshalb lange Durststrecken und starke Schwankungen aushalten können. Hinzu kommen Kosten für Lagerung und Versicherung und Preisunterschiede zwischen An- und Verkauf.
Einstieg: Nowacki empfiehlt zunächst den Anlagehorizont zu klären: „Wollen Sie kurzfristig handeln und Tageskurs-Schwankungen nutzen, oder planen Sie für das Familienvermögen der nächsten Generation?“ Wer häufig handeln möchte, ist mit Börsenpapieren flexibler. Wer Gold physisch halten will, muss die passende Stückelung wählen: Große Barren sind je Gramm günstiger, kleinere Barren und Münzen lassen sich dafür leichter verkaufen.
2. Autos: Rendite aus der Werkstatt
Markt: Einen einheitlichen Oldtimermarkt gibt es nicht. Millionenpreise für seltene Rennwagen sagen wenig darüber aus, wie sich ein Youngtimer in der Garage entwickelt. In der Preisdatenbank des britischen Spezialversicherers Hagerty stagnierten oder sanken 2025 knapp 80 Prozent der Modellwerte. Jüngere Klassiker aus den Achtziger- und Neunzigerjahren schnitten teilweise besser ab. Wer ein gefragtes Modell günstig findet oder bereits einen gut erhaltenen Youngtimer besitzt, kann also auf eine spätere Preissteigerung hoffen – garantiert ist sie nicht.
Potenzial: Zustand, Originalität und eine belegbare Historie entscheiden darüber, was Käufer zahlen. Wer technische Mängel einschätzen und fachgerecht beheben kann, muss nicht allein auf steigende Marktpreise hoffen. „Wer bei Autos Werte heben möchte, braucht Sachverstand und entsprechendes handwerkliches Geschick“, sagt Nowacki. Letztlich gelte der Satz: „Werte entstehen in der Werkstatt.“ Doch nicht jede Schrauber-Rechnung lässt sich beim Verkauf zurückholen. Ein gut erhaltenes Original kann begehrter sein als ein aufwendig, aber historisch falsch restaurierter Wagen.
Risiken: Ein Auto kann im Marktwert steigen und trotzdem Geld kosten. Stellplatz, Versicherung, Wartung und Reparaturen laufen weiter; Preisübersichten ziehen diese Ausgaben nicht ab. Beim Fahren kommen noch Verschleiß und Unfallrisiko hinzu. Vor dem Kauf sollten Anleger deshalb Fahrzeug und Unterlagen prüfen: Was ist original, was wurde ersetzt, welche Arbeiten stehen an? Wer das nicht selbst beurteilen kann, sollte einen unabhängigen Sachverständigen hinzuziehen. Rücklagen für Reparaturen gehören zum Kaufbudget.
Einstieg: „Bei Oldtimern ist das Bauen und Basteln doch schon die halbe Freude“, sagt Nowacki. Nur sollte man diese Freude nicht mit Gewinn verwechseln. Bei einem gewerblichen Händler haben Käufer mehr gesetzliche Rechte. Privatverkäufer können die Haftung für Mängel dagegen weitgehend ausschließen. Wer einen Wagen auf diesem Weg erwirbt, sollte das Angebot daher besonders gründlich prüfen. Einsteiger müssen nicht sofort nach Porsche oder Ferrari suchen. Nowacki verweist auf Nischen wie alte DDR-Motorroller vom Typ Simson Schwalbe. Sogar für Matchbox-Autos gebe es Sammlermärkte, die schon mit kleinen Beträgen beginnen.
3. Uhren: Gefragte Zeitmesser
Markt: Eine Uhr kann gebraucht mehr kosten als neu – oder deutlich weniger. Entscheidend ist, welches Modell man kauft und zu welchem Preis. Konstantin Kerle, Juniorchef beim Hamburger Auktionshaus Stahl, sieht vor allem drei Marken im Fokus: „Die ‚Holy Trinity‘ der Luxusuhren besteht aus Patek Philippe als begehrtester Sammlermarke sowie Audemars Piguet und Vacheron Constantin.“ Vor allem Sportmodelle wie die Nautilus oder die Royal Oak erzielen Rekordpreise. Rolex zählt zwar nicht zu der Dreiergruppe, spielt am Markt aber ebenfalls eine zentrale Rolle. Neben Marke und Modell entscheiden Seltenheit, Originalität und Zustand darüber, was Sammler zahlen.
Potenzial: Die Hersteller der Luxusuhren setzen gezielt auf limitierte Auflagen und knappe Verfügbarkeit. Statusdenken und Social Media haben die Preise in den Jahren bis 2022 zusätzlich stark nach oben getrieben. „Gefühlt haben Uhren jeden Tag prozentual zugelegt. Das war keine gesunde Entwicklung“, sagt Kerle. Nach dem Boom kam die Korrektur. Doch bei begehrten Uhren kann der Abstand zum Listenpreis weiterhin enorm sein: „Begehrte Stahl-Sportmodelle mit einem Listenpreis von 40.000 bis 60.000 Euro können auf dem Sekundärmarkt teilweise zum Doppelten gehandelt werden.“
Risiken: Im Hype liegt zugleich das größte Risiko: Wer im Boom eingekauft hat, muss womöglich Jahre warten, bis der Markt den Einstiegspreis wieder erreicht. Auch ein hoher Ladenpreis garantiert keinen entsprechenden Wiederverkaufswert. Bei regulär verfügbaren Modellen liegt der Gebrauchtpreis meist deutlich darunter. Kerle bevorzugt daher bewährte Modelle statt kurzfristiger Moden: „Ich würde nicht auf Hype-Modelle setzen“, sagt er. Wartung, Versicherung und Handelsgebühren schmälern die Rendite zusätzlich. Auch Kratzer oder ersetzte Teile können den Preis drücken. Bei Sammlern besonders gefragt sind ältere Uhren im originalen Zustand.
Einstieg: „Das Erste ist immer die Recherche“, sagt Kerle. Angebote und tatsächlich erzielte Auktionspreise helfen, ein Modell einzuordnen. Große Online-Plattformen wie Chrono24 geben erste Hinweise auf den Preis. Auf dem Gebrauchtmarkt lassen sich teils günstigere Einstiege finden als beim Neukauf. Aber auch Auktionen sind kein Schnäppchengarant. Käufer sollten Echtheit, Werk und Originalteile vorab prüfen lassen. Box und Papiere helfen, sind laut Kerle bei außergewöhnlichen Stücken aber nicht entscheidend. Für ihn persönlich geht der Nutzen ohnehin über den Wiederverkaufswert hinaus: „Ich bin jemand, ich trage alle Uhren und freue mich auch daran.“
4. Kunstinvestments: Künstler mit Potenzial
Markt: Kaum ein Sachwerte-Markt ist so vielfältig wie der für Kunst. Anleger können Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Drucke oder Lithografien erwerben – zeitgenössische Arbeiten ebenso wie Antiquitäten. Die Preise reichen von wenigen Hundert Euro bis zu Millionenbeträgen. „Trotzdem kann man auch am Kunstmarkt für 20.000 bis 30.000 Euro bereits systematisch investieren“, sagt der Finanzplaner Klaus Porwoll, der mit seinem Unternehmen Pecuniars auch Kunstinvestments begleitet.
Potenzial: Rekordpreise auf internationalen Auktionen sagen wenig über den Gesamtmarkt aus. Selbst Werke desselben Künstlers können sehr unterschiedlich bewertet werden. Eine wissenschaftliche Studie zu mehr als 30.000 Gemälden zeigt: Werke mit hohen Wertzuwächsen gelangen überproportional häufig erneut auf den Markt. Berücksichtigt man diesen Effekt, sinkt die jährliche Durchschnittsrendite von 1960 bis 2013 von 8,7 auf 6,3 Prozent. Generell sollte man Kunst nicht nur aus Spekulationsgründen kaufen, argumentiert Jürgen Nowacki: „Ein Bild, an dem man sich jeden Tag erfreut, ist als Dividende unschlagbar.“
Risiken: „Wer einen großen Meister kauft, investiert sofort einen großen Betrag. Das ist spekulativ und mit Risiken verbunden“, warnt Porwoll. Auch ein bekannter Künstler kann sich anders entwickeln als erwartet. Deshalb rät er zur Streuung: „Ich empfehle, mit kleineren Summen breiter zu investieren, zum Beispiel in Fotografien.“ Auch Fälschungen, ungeklärte Herkunft und wechselnder Geschmack können ein Kunstinvestment gefährden. Dazu kommen Kosten für Lagerung, Versicherung und Händlerprovisionen.
Einstieg: Nowacki empfiehlt Einsteigern, sich Auktionskataloge schicken zu lassen oder sich in die Verteiler von Auktionshäusern einzutragen: „Solche Informationen kosten nicht viel. Sie sind allerdings viel wert.“ Viele Häuser bieten Objekte für Kleinanleger an für Investitionssummen bis 5000 Euro. „Da ist schon mal eine Lithografie von Picasso dabei.“ Wer antizyklisch investiert, könne auch Nischen prüfen. Nowacki verweist etwa auf alte Meister, die aktuell weniger gefragt seien als abstrakte Kunst. Eine andere Strategie: gezielt junge Künstler aufspüren, bevor sie teuer werden.
5. Sammlerweine: Werte im Keller
Markt: Ein guter Wein ist noch keine gute Wertanlage. „Man muss klar unterscheiden zwischen Konsumweinen und Investmentweinen“, sagt Valentin Brodbecker, Autor des Buches „Wein als Investment“. Bei Sammlern gefragt ist nur eine kleine Spitze des Marktes: gute Jahrgänge aus Bordeaux, Burgund und der Champagne von bekannten Produzenten wie Rothschild oder Dom Pérignon, aber auch einzelne Gewächse aus Italien und Spanien. „Spitzenweine sind so ausgebaut, dass sie mindestens 20 und in Ausnahmefällen 50 bis 60 Jahre halten“, sagt Brodbecker. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich das Produkt überhaupt für lange Anlagezeiträume eignet.
Potenzial: Ein begehrter Jahrgang lässt sich nicht nachproduzieren – Reife und Seltenheit können den Preis weiter treiben. Brodbecker, der auch Weinsammlungen begutachtet und mit seinem Unternehmen Wine-Land Käufer für Weingüter vermittelt, hält langfristig 7 Prozent Wertzuwachs pro Jahr für realistisch. Eine Langfriststudie zu fünf berühmten Bordeaux-Weinen kommt für 1900 bis 2012 auf rund 4,1 Prozent reale Rendite jährlich nach Lagerkosten. Die Zahlen zeigen: Entscheidend ist die Auswahl – eine einheitliche Rendite auf Wein als Anlageklasse gibt es nicht.
Risiken: „Natürlich gibt es auch immer ein Risiko, dass das Produkt verdirbt“, sagt der Weinexperte Brodbecker. Schon falsche Lagerung kann den Wert ruinieren. Optimal sind dem Experten zufolge 12 bis 15 Grad sowie 60 bis 75 Prozent Luftfeuchtigkeit. Anleger müssen dafür keinen eigenen Weinkeller besitzen: Speziallager übernehmen Lagerung und Versicherung, die Kosten dafür liegen pro Flasche und Jahr im niedrigen einstelligen Eurobereich. Füllstand, Farbe und Etikett liefern Hinweise auf den Zustand einer Flasche. Bei Spitzenweinen kommt noch das Risiko von Fälschungen hinzu. Deshalb zählt der „Lebenslauf“ der Flasche: Wer hat sie gekauft, gelagert und weiterverkauft?
Einstieg: Brodbecker würde „bei einem Startbudget von circa 20.000 Euro anfangen“ und dafür etablierte Bordeaux-Weine kaufen – am besten direkt ab Château oder bei einem seriösen Fachhändler. Für den Wiederverkauf sind Originalgebinde attraktiv – etwa sechs oder zwölf Flaschen in der Holzkiste; auch Magnumflaschen gefragter Spitzenweine können interessant sein. Für Einsteiger eignen sich Jahrgänge, deren Entwicklung sich bereits über einige Jahre beobachten lässt. Daten dazu liefert etwa die Londoner Weinbörse Liv-ex. Am Ende bleibt die Frage: verkaufen oder trinken? „Viele hocken wie die Glucken auf ihrer Sammlung“, hat Brodbecker beobachtet. Doch wer Wein als Geldanlage kauft, muss sich auch irgendwann von Flaschen trennen können.
