Kreativität fördern 8 Tipps, wie Sie lernen, kreativer zu denken

Sie halten sich für nicht besonders kreativ? Das lässt sich ändern! Im Standardwerk „The Creative Habit“ erklärt eine Choreografin, wie Sie Ihre Kreativität mit cleveren Routinen und Selbstreflexion stärken.

Kreativität fördern

© OsakaWayne Studios / Getty Images

Große Ideen entstehen selten, weil ein genialer Geist spontan von der Muse geküsst wird – davon ist Twyla Tharp überzeugt. „Kreativität ist das Ergebnis eines Prozesses“, schreibt die US-amerikanische Tänzerin und Choreografin in ihrem Buch „The Creative Habit – Learn it and use it for life“. Ihr Mantra lautet: Jeder kann lernen, kreativ zu denken. Kreativität könne für jeden zur Gewohnheit werden – ganz egal, ob es darum geht, Kunst zu erschaffen oder kreative Lösungen im Geschäftsleben zu finden. Tharps Buch war ein Bestseller und gilt vielen auch gut 20 Jahre nach Erscheinen als Kreativitätsbibel. Eine Auswahl der besten Tipps und Übungen:

1. Finden Sie eine Routine, die zu Ihnen passt

Sie müssen nicht gleich so rigoros sein wie Twyla Tharp. Die inzwischen 81 Jahre alte Tänzerin und Choreografin steht jeden Morgen um 5.30 Uhr auf, fährt mit dem Taxi zum Fitnessstudio und trainiert für zwei Stunden. Dieser immer gleiche Ablauf sei ihr Ritual und ihre Vorbereitung auf die kreative Arbeit, die folgt.

Entscheidend ist, ein Ritual zu finden, dass Sie automatisch dazu bringt, mit Ihrem kreativen Vorhaben zu beginnen. Gehen Sie zum Beispiel immer in Ihr Lieblingscafé, wenn Sie einen Text für Ihren Newsletter schreiben müssen. Spitzen Sie alle Ihre Bleistifte an, bevor Sie den ersten Entwurf eines neuen Produkts skizzieren. Hören Sie vor jedem Brainstorming laut „Eye of the Tiger“ aus dem Rocky-Film. Was es auch sein mag: Suchen Sie sich ein Ritual, das Ihnen leichtfällt und Sie in eine gute Stimmung versetzt. „Haben Sie dieses Ritual einmal etabliert, können Sie gar nicht anders, als danach loszulegen“, schreibt Tharp.

2. Stellen Sie sich Ihren Ängsten

Wer nach kreativen Lösungen sucht und neue Wege geht, wird irgendwann Angst bekommen. Das gehört laut Tharp dazu. Entscheidend sei, dass einen diese Ängste nicht lähmen und davon abhalten, den Weg weiterzugehen. Die Autorin rät, seine größten Ängste in Bezug auf das kreative Projekt so spezifisch wie möglich aufzulisten. Etwa:

  • Die Leute werden über mich lachen.
  • Das gab es schon einmal.
  • Meine Idee wird in der Umsetzung nie so gut sein, wie ich sie mir vorgestellt habe.

Im nächsten Schritt stellen Sie sich diesen Ängsten. „Wie ein Boxer, der seinem Kontrahenten vor dem Kampf direkt in die Augen schaut“, so Tharp. Finden Sie konkrete Antworten, die Sie Ihren Ängsten entgegensetzen können. Zum Beispiel:

Die Leute werden über mich lachen? Nicht die Menschen, die ich respektiere. Die haben das noch nie getan und sie werden es auch nicht tun.

Die Idee gab es schon einmal? Mach dich locker, nichts ist wirklich originell. Es gab alles schon einmal. Komm darüber hinweg und leg einfach los!

Die Umsetzung kann nie so gut werden wie der eigentliche Plan? Na und! Es ist besser, ein Produkt mit kleinen Fehlern entwickelt zu haben (die sich immer noch beheben lassen), als nur Luftschlösser zu bauen.

3. Machen Sie eine Ablenkungs-Diät

Fragen Sie sich, womit Sie sehr viel Zeit verbringen. Versacken Sie abends gern mal vor dem Fernseher und schauen stundenlang Serien? Sind Sie ein Nachrichten-Junkie? Lieben Sie Podcasts? Sharp empfiehlt, alles aufzulisten, was einen im Alltag ablenkt. Dann wählen Sie eine dieser Ablenkungen aus und schließen einen Pakt mit sich selbst: Verzichten Sie eine Woche konsequent darauf – und schauen Sie, was passiert.

4. Packen Sie einen Pappkarton

Jedes neue Projekt beginnt bei Tharp mit einem Pappkarton. Darin sammelt sie alles, was sie inspiriert: Zeitungsausschnitte, Musikaufnahmen auf CD, Notizen, Fotos. Das hilft ihr zum einen dabei, sich gut organisiert zu fühlen. Es nehme sie aber auch in die Pflicht. „Allein die Tatsache, dass ich einen Namen für das Projekt auf die Box geschrieben habe, bedeutet, dass ich angefangen habe zu arbeiten“, schreibt sie.

Jeder hat sein eigenes Ablagesystem für Ideen und Inspirationen. Doch egal, welches Sie nutzen, ob digital oder analog in Form eines Pappkartons: Diese Sammlung ist Ihr Ausgangspunkt. Sie können darauf zurückgreifen, wenn Ihr Projekt ins Stocken gerät und Sie nicht weiterwissen.

5. Schauen Sie genau hin

Eine einfache Übung, um die eigene Beobachtungsgabe zu schulen: Gehen Sie nach draußen, setzen Sie sich auf eine Bank oder in ein Café und wählen Sie zwei Menschen aus, die Sie eine Weile beobachten. Schreiben Sie alles auf, was die beiden tun – so lange, bis Sie 20 Dinge notiert haben. Vielleicht fährt sich der Mann durchs Haar? Die Frau kramt ihr Handy aus der Handtasche? Dann schauen Sie auf die Liste und lassen Ihrer Fantasie freien Lauf. Welche Geschichte verbindet die beiden? Sind sie Freunde, ein Paar, heimlich verliebt? Besprechen sie, was es zum Abendessen geben soll – oder stehen sie kurz vor der Trennung?

Im nächsten Schritt wählen Sie ein zweites Paar, das Sie beobachten. Doch dieses Mal notieren Sie nur das, was Sie interessant oder ansprechend finden. Die Art, wie die Frau beim Lachen den Kopf in den Nacken legt etwa. Es wird länger dauern, bis Ihre Liste voll ist. Sie sind vom reinen Beobachten zum Auswählen übergegangen. Vergleichen Sie Ihre beiden Listen. Worauf haben Sie besonders geachtet? Was ist Ihnen wichtig? „Was Sie aufgelistet haben und was nicht, sagt viel darüber aus, wie Sie die Welt sehen“, schreibt Tharp.

6. Erkunden Sie Ihre kreative DNA

Woran liegt es, dass Sie immer wieder bei den gleichen Lösungen für Probleme landen? Warum bringt die Kollegin regelmäßig so kreative Vorschläge ein, auf die Sie niemals gekommen wären? Wer kreativ arbeiten will, sollte sich laut Tharp intensiv mit sich selbst, seinen Erfahrungen und Prägungen auseinandersetzen. Das gelingt durch Selbstreflexion. Beantworten Sie dafür etwa diese Fragen – schriftlich, ohne zu lange darüber zu grübeln:

  • Was war die beste Idee, die Sie je hatten?
  • Was machte diese Idee so gut?
  • Was war Ihre bisher dümmste Idee?
  • Was genau daran machte sie dumm?
  • Wenn Sie arbeiten: Lieben Sie den Prozess oder das Ergebnis?
  • Wenn Sie auf jemanden treffen, der klüger oder talentierter ist als Sie: Wie reagieren Sie?
  • Wen bewundern Sie?
  • Warum genau sind diese Menschen Ihre Vorbilder?

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7. Gehen Sie auf Zeitreise

Auch in dieser kleinen Übung geht es darum, sich selbst besser kennenzulernen und das eigene „kreative Vokabular“ zu erweitern, wie es Tharp ausdrückt. Dabei spielen Erinnerungen eine große Rolle. Suchen Sie ein altes Familienfoto von sich und betrachten Sie es genau. Was auf dem Bild ist heute noch genauso wie damals, worin erkennen Sie sich wieder? Welche Ihrer Eigenschaften hat sich nur leicht verändert? Was kommt Ihnen heute völlig fremd vor? Was hat sich ins Gegenteil verkehrt? Welche Menschen (Verwandte, Freunde, Lehrerinnen, Nachbarn) kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Bild anschauen? Wann haben Sie das letzte Mal an sie gedacht? „Das Ziel ist es, eine Verbindung zu etwas Altem herzustellen, so dass daraus etwas Neues entstehen kann“, erklärt die Autorin. Wer sein Erinnerungsvermögen so schärft, kann für künftige Ideen aus einem größeren Fundus schöpfen.

8. Bauen Sie sich eine Brücke für den nächsten Tag

Gestern lief es super, die Ideen sprudelten – aber heute stecken Sie total fest und Ihnen will gar nichts einfallen. Solche Unterschiede im Flow sind ganz normal. Einen einfachen Trick, wie man die Erfolgschancen für den nächsten Tag erhöhen kann, hat sich Tharp bei Ernest Hemingway abgeschaut. Der berühmte Autor soll immer dann mit dem Schreiben aufgehört haben, wenn er genau wusste, wie er am nächsten Tag weitermachen wollte.

Tharps Rat: Quälen Sie sich mit einer kreativen Aufgabe nicht so lange, bis Sie vor Erschöpfung nicht mehr können. Beenden Sie die Arbeit zu einem fixen Zeitpunkt, wenn Sie genau wissen, wo Sie die Fäden am nächsten Tag wieder aufnehmen können. So könne man seinen „kreativen Groove“ verlängern. Ein Beispiel: Sie entwickeln einen Plan für Ihr Content Marketing und haben im Laufe des Nachmittags fünf Themenfelder erarbeitet, über die Sie Blogbeiträge schreiben möchten. Machen Sie an dieser Stelle Schluss. Ihr nächster Schritt für den folgenden Tag ist klar: Sie überlegen sich für jedes der fünf Themenfelder fünf Überschriften für mögliche Artikel.

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