Narzisstische Mitarbeiter führen
Diese 5 goldenen Regeln helfen beim Umgang mit Narzissten im Team

Narzisstische Mitarbeiter führen, das ist nicht leicht, aber möglich. Aber woran erkennt man überhaupt einen Narzissten im Team? Und wie geht man am besten mit ihm um? Das Wichtigste im Überblick.

Aktualisiert am 22. Mai 2026, 10:10 Uhr, von Verena Bast, Wirtschaftsredakteurin

© impulse

Donald Trump wird in der Öffentlichkeit häufig als Paradebeispiel für einen Menschen mit einer besonders stark ausgeprägten Form des Narzissmus herangezogen. Doch sind Narzissten tatsächlich immer wie der US-Präsident? Woran erkennt man einen Narzissten? Und wie können Chefs narzisstische Mitarbeiter führen? Ein Überblick.

Woran erkennt man einen Narzissten?

Narzissten zu erkennen, ist mitunter nicht leicht. „Narzissmus ist ein Kaleidoskop an Eigenschaften und Verhaltensweisen“, sagt Psychologe Ramzi Fatfouta, der jahrelang zum Thema Narzissmus geforscht hat und dessen Buch „Ego first!: Führen in Zeiten Narzissmus, Machtspielen und Manipulation“ im März 2026 im Haufe Verlag erschienen ist. Narzissten seien oft Personen, die über den Tellerrand blicken können. Die Ideen haben und diese auch gegen Widerstände verteidigen können. Die Trends aufspüren, eine Vision haben und durch ihr charismatisches Auftreten Menschen begeistern, überzeugen und mitnehmen. Narzissten seien außerdem oft sehr risikobereit.

Eine hohe Ausprägung könne jedoch auch dazu führen, dass sie nicht auf das Team hören und ihr Vorhaben einfach durchziehen. Menschen mit einem höheren Narzissmuswert könnten zudem oft schlecht mit negativem Feedback umgehen und werteten Kritik sofort als Angriff gegen sich selbst.

Narzissmus-Expertin Marion Thiel geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie sagt: Das schwäbische Sprichwort „Nicht geschimpft ist genug gelobt“ greife bei Narzissten nicht. „Kein Lob oder keine Zustimmung wird als Kritik oder sogar als Angriff gedeutet“, sagt Thiel, deren Buch „Die Narzissmus-Bilanz. Vom Schaden und Nutzen toxischer Charaktere in Organisationen“ 2024 im Vahlen-Verlag erschienen ist.

Bei einer hohen Ausprägung kann es auch vorkommen, dass narzisstische Mitarbeiter Kolleginnen und Kollegen schikanieren, sich arrogant oder rücksichtslos verhalten und Erfolge von anderen für sich reklamieren. „Je narzisstischer jemand ist, desto stärker werden seine Strategien und Taktiken außerdem dazu neigen, andere Menschen zu manipulieren und vor den eigenen Karren zu spannen, um zu bekommen, was man will“, sagt Thiel. Narzisstische Mitarbeiter zu führen, sei ein Drahtseilakt. „Das ist kein Job für Menschen ohne innere Sicherheit und gutes Selbstwertgefühl.“

Dabei ist wichtig zu wissen: Es gibt nicht nur den lauten, grandiosen Narzissten. Verdeckte Spielarten, introvertiert, dauergekränkt, passiv-aggressiv, sind schwerer zu erkennen und in der Führung oft genauso herausfordernd.

Auf Motive von potenziellen Narzissten im Team achten

Aber wie findet man heraus, ob man tatsächlich einen Narzissten oder eine Narzisstin im Team hat? Wichtig dabei: Narzisstische Verhaltensweisen und echter Narzissmus sind nicht dasselbe. Echten Narzissmus zu erkennen, sei selbst für Fachleute schwer, trotz ihres Wissens, sagt Thiel. Ramzi Fatfouta empfiehlt Chefs und Chefinnen, sowohl auf das Verhalten als auch auf die Motive von potenziell narzisstischen Mitarbeitern zu achten. Bei Menschen mit ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitszügen gibt es dem Experten zufolge meist drei prominente Motive:

  • Grandiosität: Ein Narzisst denkt, der Beste, Tollste, Erfolgreichste, Schönste zu sein.
  • Anspruchshaltung: „Narzissten haben oft das Gefühl, dass ihnen mehr oder bessere Dinge als anderen zustehen, und wollen beispielsweise am liebsten Prestigeprojekte übernehmen“, sagt Fatfouta.
  • Status: Narzissten streben nach Anerkennung und Macht, denn das stärkt ihr Ego. Sie haben einen Drang nach Bewunderung und Applaus.

Thiel rät Chefs und Chefinnen, die narzisstische Mitarbeiter führen müssen, sich tief ins Thema einzuarbeiten und ausführlich mit ihm oder ihr zu sprechen, um ein Gefühl zu bekommen, ob es sich wirklich um einen toxischen Mitarbeiter beziehungsweise Charakter handelt. Oder eher um einen Menschen, der beispielsweise in einer schwierigen Lebensphase ist, aber normalerweise sozialverträglich.

Für welche Aufgaben sind narzisstische Mitarbeiter besonders geeignet?

„Alle Aufgaben, bei denen er oder sie glänzen kann, ohne Schaden anzurichten“, sagt Thiel. Dabei warnt sie davor, Narzissten im Unternehmenskontext grundsätzlich rausdrängen zu wollen: Sie bringen oft Kompetenzen mit, die für den Unternehmenserfolg entscheidend sein können, etwa im Vertrieb oder Einkauf. Wichtig sei, den richtigen Platz zu finden und eine Führungskraft zu haben, die klar Grenzen setzt. Wird ein narzisstischer Mitarbeiter im Vertrieb eingesetzt, sei es wichtig, die Kundenmeinung regelmäßig zu erfragen und ein exzellentes Beschwerdemanagement aufzusetzen. Für ungeeignet hält Thiel Narzissten dagegen in Arbeitsfeldern, die ein echtes Mitgefühl erfordern.

Narzisstische Mitarbeiter führen: 5 goldene Regeln

1. Negatives Feedback am besten unter vier Augen geben

Wer narzisstische Mitarbeiter führen muss, sollte beim Feedback penibel auf die Worte, das Timing und den Ort achten. Eine der wichtigsten Regeln lautet: möglichst keine Kritik vor anderen Leuten. „Als Führungskraft sollte ich Kritik an Menschen mit einem ausgeprägteren Narzissmus, wann immer es möglich ist, unter vier Augen äußern“, sagt die Wissenschaftlerin Victoria Willcke-Berg, die seit vielen Jahren zu Narzissmus in Unternehmen forscht und Betroffene coacht. Solche Menschen können typischerweise nicht gut mit Kritik umgehen. „Dadurch wird ihr Selbstwert angegriffen und sie fühlen sich maximal gekränkt, wenn auch noch andere zuhören.“

Die zweite Regel sollte ebenfalls bei allen Mitarbeitenden, aber insbesondere bei Narzissten befolgt werden: Argumentiere als Führungskraft mit dem Dreischritt Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch. Erläutere zuerst, was du wahrgenommen hast. Sage als Nächstes, wie es auf dich gewirkt hat. Und äußere dann einen Wunsch im Hinblick auf das künftige Verhalten des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin. Hilfreich sei in einem Kritikgespräch mit Narzissten außerdem, auf positive Dinge einzugehen. Sie stabilisieren laut Willcke-Berg den Selbstwert und verdienen es ebenfalls, genannt zu werden.

Grundsätzlich gilt: Verhalten kritisieren, nicht die Person. Also nicht „Du bist schwierig“, sondern „Dein Verhalten in Situation X hatte folgende Wirkung, ich bitte dich, künftig Y zu tun.“ Narzissten wollen bewundert werden, was dazu führt, dass sie konkrete Verhaltensänderungen umsetzen, wenn die Rückmeldung von der richtigen Person kommt. Die wirksamste Formel bleibt: wertschätzend-konsequent. „Bei Narzissten ist die Konsequenz wichtiger als die Wertschätzung. Wobei die Wertschätzung narzisstischen Menschen hilft sich weniger gekränkt zu fühlen“, erläutert Expertin Thiel.

2. Wertschätzen, Grenzen setzen und auf Fairness achten

Narzisstische Mitarbeiter haben oft den Anspruch, herausragende Projekte oder Aufgaben zu übernehmen. „Das sind Personen, die ich ständig damit bedienen muss“, sagt der Psychologe Ramzi Fatfouta. Außerdem bräuchten sie viel Anerkennung, ob in Form von einer gehobenen Position, mehr Geld oder wertschätzendem Feedback. „Narzissten brauchen dieses Schulterklopfen, und zwar regelmäßig.“

Um Konflikte mit Teamkollegen zu vermeiden, dürften Chefs und Chefinnen diesem Drang aber nicht ständig nachgeben und dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin beispielsweise ständig Boni geben, anderen jedoch nicht. Wer einen narzisstischen Mitarbeiter führen muss, sollte in der Lage sein, sich zu positionieren, und auch öfters mal „Nein“ sagen. Als Führungskraft müsse man quasi ständig zwischen Lob und Grenzen setzen hin- und herschwingen, sagt Fatfouta. „Das kann sehr herausfordernd sein.“ Chefs und Chefinnen sollten daher auch bereit sein, Konflikte auszutragen, wenn sie narzisstische Mitarbeiter führen.

3. Aus der Perspektive des Narzissten argumentieren

Aber wie vermitteln Führungskräfte beispielsweise einem Mitarbeiter mit einer höheren narzisstischen Ausprägung, dass er ein Projekt nicht übernehmen kann? Eine einfache, aber wirkungsvolle Strategie ist laut dem Narzissmus-Experten Fatfouta, aus der Perspektive des Teammitglieds zu argumentieren und Entscheidungen selbstwertdienlich zu begründen.

Ein Beispiel: Ein narzisstischer Mitarbeiter möchte ein weiteres besonders prestigeträchtiges Projekt übernehmen. Das wäre jedoch unfair gegenüber Kollegen und Kolleginnen.

Fatfouta empfiehlt in solchen Situationen, die Entscheidung so zu verkaufen, dass sie für ihn oder sie vorteilhaft erscheint. Die erste wichtige Zutat sei dabei, zunächst Wertschätzung zu äußern. Beispiel: „Ich finde es toll, wie engagiert und motiviert du bist und jetzt auch noch dieses Projekt übernehmen möchtest.“ Anschließend sind Vorteile zu nennen, wenn der narzisstische Mitarbeiter die Aufgabe nicht übernimmt. Etwa so: „Mir ist es wichtig, dass du langfristig leistungsfähig bleibst. Wenn du jetzt auch noch dieses Projekt übernimmst, hast du weniger Zeit für dein anderes. Deswegen wäre es gut, wenn du dich darauf fokussierst.“

Von Argumenten wie dem folgenden rät Fatfouta dagegen ab: „Tut mir leid, das ist gegenüber den anderen unfair“. Der Narzisst würde sich dadurch in seiner vermeintlichen Überlegenheit bedroht fühlen und eine Abwehrhaltung einnehmen.

4. Andere Teammitglieder vor Schikane und Mobbing schützen

Typisch für Menschen mit einem ausgeprägten Narzissmus kann rücksichtsloses Verhalten sein. Zum Beispiel, indem sie andere Teammitglieder schlechtmachen oder sogar schikanieren, um selbst gut dazustehen. „Das sind Leute, die andere nicht als gleichwertig betrachten, in Meetings und sogar in Kundengesprächen leicht ausfallend werden und Beziehungen damit ruinieren können“, sagt Fatfouta. Hat man einen Narzissten im Team, sei es wichtig, die anderen Mitarbeitenden zu schützen und das Verhalten zu unterbinden, beispielsweise mit dem Satz: „Ich wünsche mir, dass hier respektvoll miteinander umgegangen wird“.

Bei Narzissten sei die Wahrscheinlichkeit jedoch relativ hoch, dass sie ihr Verhalten beibehalten. Ist das der Fall oder handelt es sich sogar um eine Art Mobbing am Arbeitsplatz, können im Ernstfall arbeitsrechtliche Schritte wie eine Ermahnung, Abmahnung bis hin zur Kündigung notwendig sein, um die anderen Mitarbeitenden zu schützen.

5. Gemeinsame Werte im Umgang miteinander entwickeln

Um Konflikte zwischen Teammitgliedern und narzisstischen Mitarbeitern zu vermeiden, sind Werte hilfreich, die für alle gelten. Die Wissenschaftlerin Victoria Willcke-Berg empfiehlt, diese möglichst gemeinsam im Team zu erarbeiten: Nach welchen Werten und Prinzipien möchten wir zusammenarbeiten? „Wenn jemand dann dagegen verstößt – und die Gefahr besteht, wenn eine hoch narzisstische Person im Team ist –, habe ich als Führungskraft das Mandat aller aus dem Team, darauf hinzuweisen“, sagt Willcke-Berg.

Haben sich alle etwa auf eine wertschätzende Kommunikation verständigt, wird sehr wahrscheinlich bewusster darauf geachtet. Und Verhalten, das diesen Wert untergräbt, weniger geduldet und eher angesprochen.

Fazit: Wer narzisstische Mitarbeiter führen muss, sollte Kritik möglichst nur unter vier Augen äußern und bereit sein, Konflikte auszutragen. Außerdem ist es wichtig, dem narzisstischen Mitarbeiter Grenzen aufzuzeigen, etwa, wenn dieser häufig fordert, eine Prestigeaufgabe übernehmen zu dürfen.

Die Expertinnen und Experten
Ramzi Fatfouta hat jahrelang zum Thema Narzissmus geforscht und publiziert. Der Psychologe ist im Recruiting, in der Diagnostik und Entwicklung von Führungskräften im Topmanagement tätig. Passende Bücher: „Zwischen Egoismus und Exzellenz: Wie Narzissmus unsere Arbeitswelt verändert und was wir tun können“ und „Ego first!: Führen in Zeiten von Narzissmus, Machtspielen und Manipulation“ (jeweils im Haufe Verlag erschienen).
 
Victoria Willcke-Berg forscht und lehrt zu Management-, Führungs-, und Innovationsthemen an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und hat mehrere großangelegte Studien über Narzissmus in Unternehmen und New Ventures durchgeführt. Als Beraterin für Führungskräfte bringt sie die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um Führung, Innovation und Management in die Praxis.
 
Marion Thiel ist Unternehmensberaterin, beschäftigt sich seit sehr vielen Jahren mit narzisstischen Menschen und ist Mit-Autorin des Buches „Die Narzissmus-Bilanz. Vom Schaden und Nutzen toxischer Charaktere in Organisationen“ (Vahlen-Verlag).

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