Stresstest für die Firma Stellen Sie Ihr Unternehmen krisensicher auf – mit diesem 5-Punkte-Plan

Inflation, Energiekrise, Lieferprobleme: Aktuell gibt es viele Faktoren, die Unternehmen unter Druck setzen. Die gute Nachricht ist: Auf viele Krisenszenarien können Sie sich vorbereiten.

Stresstest für die Firma

© Gajus/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Die Verwerfungen infolge von Corona-Pandemie, Energiepolitik und Ukrainekrieg stellen viele Unternehmerinnen und Unternehmer vor große Herausforderungen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen leiden unter explodierenden Energiekosten, enormen Preissteigerungen im Einkauf und Engpässen bei Material und Ersatzteilen. Hinzu kommt die zunehmende Kaufzurückhaltung der Kunden.

Nur: Was lässt sich dagegen tun? Wie lässt sich die Firma krisensicher aufstellen? Und: Welche Möglichkeiten gibt es, sich gegen steigende Preise abzusichern?

Welche Maßnahmen Firmenchefs in der heraufziehenden Wirtschaftskrise ergreifen sollten, erklärt Felix Schwabedal, Partner bei der auf Change-Prozesse spezialisierten Unternehmensberatung Struktur Management Partner (SMP). Der Volkswirt nennt fünf Punkte, die jeder Geschäftsführer angehen sollte, um sein Unternehmen krisensicher aufzustellen.

1. Liquiditätsmanagement verbessern

„In solchen volatilen Zeiten ist es entscheidend, dass man genug Wasser unterm Kiel hat“, sagt Schwabedal, der selbst Geschäftsführer eines Herstellers von E-Bikes ist. Inhaber sollten daher rechtzeitig einen Liquiditätspuffer aufbauen. Ohne Ertrag könne die Firma noch eine Weile überleben. „Aber ohne Liquidität ist es sofort aus.“

Wie viel Liquidität konkret benötigt wird, hängt immer von der Branche und vom Geschäftsmodell ab. Die Einbrüche kommen oft plötzlich: So sei die Nachfrage nach E-Bikes im April noch groß gewesen, berichtet Schwabedal – einen Monat später wäre sie im unteren Preissegment bereits eingebrochen. Ähnliches vollziehe sich aktuell im E-Commerce, da die Kunden wieder verstärkt vor Ort einkaufen, oder in der Baubranche, die unter den drastisch gestiegenen Zinsen leidet.

Der Berater rät Unternehmerinnen und Unternehmern deshalb zu einem Stresstest. Also dazu, einmal durchzuspielen: Könnte es sein, dass es auch mich trifft? Was könnte im schlimmsten Fall passieren? Zum Beispiel, wenn ein wichtiger Kunde wegbricht, der Lieferant pleitegeht oder die Produktionskosten explodieren.

Firmenchefs und -chefinnen sollten sich fragen: Was bedeutet das für meine Liquidität? Und dann für eben diesen Fall Vorsorge treffen. Ein solches Gedankenspiel könne helfen, Schwachstellen im Geschäftsmodell zu entdecken und Lücken zu schließen.

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2. Beziehungen zu Stakeholdern pflegen

„Vertrauen ist die wichtigste Ressource in Krisenzeiten“, sagt Schwabedal. Gut durch die Krise kommt ihm zufolge, wer gute Beziehungen zu den wichtigsten Stakeholdern unterhält: Das gelte für Kundenbeziehungen, aber auch für das Verhältnis zu den Mitarbeitern und dem Betriebsrat, zu Lieferanten oder Geldgebern. „Wer hier nicht ehrlich kommuniziert, kann Vertrauen schnell verspielen.“

Der Unternehmensberater und Geschäftsführer rät deshalb: „Man sollte in alle Richtungen mit offenen Karten spielen.“ Zwar sei es aufwändig, über aktuelle Entwicklungen mit allen im Gespräch zu bleiben, so Schwabedal. „Aber es zahlt sich langfristig extrem aus, weil man ständig auf den guten Willen seiner Partner angewiesen ist.“

Die Kommunikation sollte deshalb ins Zentrum des unternehmerischen Handelns gestellt werden. Es sollte zur Chefsache erklärt werden, mit den wichtigsten Lieferanten und Kunden zu sprechen. Und dabei nicht vergessen: „Auch mal durch den Laden laufen und die eigenen Leute fragen, wie es ihnen eigentlich gerade geht“.

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Bei alledem sollten natürlich auch die Finanzierer mitgedacht werden: „Auch die Banken sind derzeit leiderprobt und können mit schlechten Nachrichten besser umgehen als man denkt“, sagt Schwabedal. So werde es durchaus honoriert, wenn man an diese nicht nur mit Problemen, sondern auch mit Lösungen und konstruktiven Ansätzen herantrete.

Den Gang zur Bank sollte man daher nicht scheuen, so Schwabedal. Um eventuellen Zahlungsschwierigkeiten vorzubeugen, könne es eine Maßnahme sein, die Kreditlinien bei der Bank zu erweitern – und zwar bevor der Bedarf akut ist.

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„Außerdem sollte man seiner Buchhaltung sagen, wann die roten Lampen angehen sollten und die Geschäftsführung unmittelbar informiert werden muss“, rät Schwabedal. Das sei beispielsweise der Fall, wenn Lieferanten plötzlich auf Vorkasse umstellen, weil Rechnungen in der Vergangenheit mit Verzug bezahlt worden sind. Ein Alarmsignal seien auch Sätze wie: Da müssen wir erst noch Rücksprache mit dem Kreditversicherer halten. „Spätestens dann muss der Geschäftsführer sich persönlich einschalten.“

Zur Person

Felix SchwabedalDer Volkswirt Felix Schwabedal ist Partner bei der auf Change-Prozesse spezialisierten Unternehmensberatung Struktur Management Partner (SMP) in Köln. Mit mehr als 100 Beratern und Beraterinnen deutschlandweit zählt SMP zu den profiliertesten Beratungshäusern für den Mittelstand. Als Geschäftsführer eines E-Bike-Herstellers kennt Schwabedal die aktuellen Herausforderungen in Beschaffung und Absatz zudem aus eigener Erfahrung.

3. Nach Alternativen suchen

Um Schwierigkeiten in der Lieferkette vorzubeugen, sollten Unternehmerinnen und Unternehmer auch über alternative Lieferanten, Materialien und Vorprodukte – wie zum Beispiel Elektronikkomponenten – nachdenken. Eine regelmäßige Lieferantenrecherche lohne sich immer, so Schwabedal. „Oft erhält man nur sechs Monate später ganz andere Ergebnisse, weil es neue Teilnehmer am Markt gibt.“ Manche Lieferanten hätten ihr Sortiment erweitert, andere eine Nische verlassen oder wären neu als Anbieter hinzugekommen.

Lässt sich ein Teil einmal wirklich nicht über einen anderen Lieferanten beziehen, so bleibt immer noch die Möglichkeit, eine andere Komponente zu verwenden oder auf einen anderen Rohstoff zu setzen. Auch, wenn das mit etwas Aufwand verbunden ist, gilt doch: „Wenn es wirklich sein muss, machen die Entwickler das auch möglich.“

Auch die eigene Produktpalette sollte auf den Prüfstand, rät Schwabedal: „Wenn ich schon nicht das verkaufen kann, was ich verkaufen will – was kann ich dann stattdessen verkaufen?“ Vielleicht gibt es ein Alternativprodukt, das einen ähnlichen Nutzen stiftet. „Jedem Kunden ist die zweitbeste Lösung lieber als gar keine Lösung.“

Der Berater empfiehlt, in solchen Situationen immer deckungsbeitragsorientiert zu arbeiten, also die Frage zu stellen: An welcher Lösung verdiene ich noch, auch wenn sie vielleicht nicht optimal ist?

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4. Sicherheitsbestände aufbauen

Eine Strategie, um sich vor Problemen in der Lieferkette zu schützen, besteht darin, gezielt Sicherheitsbestände aufzubauen. „Das eigene Lager zu füllen, kann dabei helfen, Lieferengpässe auszugleichen“, sagt Schwabedal. Das gelte besonders für Komponenten, die für die Produktion unverzichtbar sind. Lagerbestände aufzubauen, mache in Zeiten starker Inflation auch finanziell Sinn, da dieselben Güter in Zukunft mehr kosten.

Allerdings warnt der Experte auch: „Viele Preise brechen derzeit auch ein, weil die Nachfrage sinkt.“ Zumindest der Kostenvorteil der Bevorratung ist damit dahin. Außerdem bindet ein volles Lager natürlich wiederum Liquidität, die der Firma dann nicht mehr zur Verfügung steht. Hier gilt es also gut abzuwägen, wie viele Mittel tatsächlich in die Vorratshaltung fließen sollen.

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5. Preiserhöhungen weitergeben

Um gut durch die Krise zu kommen, ist es essentiell, höhere Preise im Einkauf auch an die Kunden weiterzugeben. Mindestens ebenso wichtig ist es allerdings, die Preiserhöhungen auch richtig zu kommunizieren. Dafür sollten Chefs und Chefinnen einen Argumentationsleitfaden erstellen: „Oft kennen nur der Einkäufer und der Ingenieur die konkreten Gründe, warum die Preise steigen“, sagt Schwabedal. Es sei aber enorm wichtig, dafür zu sorgen, dass dieses Wissen auch im Vertrieb vorhanden ist.

Mit den höheren Preisen sollte auch kommuniziert werden, welche Veränderungen mit der Preiserhöhung einhergehen. Unternehmerinnen und Unternehmer sollten nach Mehrwerten suchen, bevor sie eine Preiserhöhung weiterreichen, rät Schwabedal. Möglicherweise gibt es ja einen Zusatznutzen für den Kunden, der sich unkompliziert umsetzen lässt? „Selbst ganz kleine Verbesserungen am Produkt können in der Kommunikation wahre Wunder bewirken.“

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