Fachkräftebindung Was ist wichtig, um gute Mitarbeiter zu halten?

Wer gute Mitarbeiter halten will, muss sie nicht gleich am Bürostuhl festbinden.

Wer gute Mitarbeiter halten will, muss sie nicht gleich am Bürostuhl festbinden.© CreativaImages / Fotolia.com

Betriebsklima oder Gehalt: Worauf kommt es an, wenn Unternehmen gute Leute halten wollen? Für eine Studie zur Fachkräftebindung wurden Arbeitgeber und Angestellte befragt – mit überraschendem Ergebnis.

Die Suche nach den richtigen Mitarbeitern ist oft eine echte Herausforderung: 2014 hatte ein gutes Viertel der deutschen Unternehmen Probleme dabei, Stellen für Fachkräfte zu besetzen. Umso wichtiger ist es, gute Mitarbeiter im Unternehmen zu halten.

Für den Forschungsbericht „Fachkräftesicherung und -bindung“ hat das Bundesarbeitsministerium untersucht, welche Faktoren deutsche Betriebe bei der Mitarbeiterbindung für entscheidend halten – und welche wiederum Mitarbeiter zum Jobwechsel bewegen.

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Das Wichtigste: ein gutes Betriebsklima?

Was also ist wichtig, um gute Mitarbeiter im Unternehmen zu halten? Fragt man die Unternehmen, ist es das Betriebsklima. Auf einer Skala von eins (Aspekt ist unwichtig für die Mitarbeiterbindung) bis fünf (Aspekt ist sehr wichtig für die Mitarbeiterbindung) messen die 740 befragten Unternehmen dem Betriebsklima im Schnitt eine Bedeutung von 4,3 zu – der Spitzenwert im Vergleich zu anderen Aspekten.

Eine angemessene und zufriedenstellende Vergütung schätzen die Unternehmen als etwas weniger wichtig ein (Wert: 4,1). An dritter Stelle steht der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern (3,8), dicht gefolgt von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (3,6). Weitere wichtige Aspekte für die Fachkräftebindung aus Unternehmenssicht: Aufstiegs- und Entwicklungschancen (3,5), flexible Arbeitszeiten (3,5) und das Angebot freiwilliger Zusatzleistungen (3,4).

Wechselwillige denken vor allem ans Geld

Auf diese Weise also glauben Unternehmen, gute Mitarbeiter halten zu können. Aber deckt sich diese Annahme überhaupt mit dem, was Arbeitnehmern wirklich wichtig ist? Um dies zu untersuchen, wurden Mitarbeiter befragt, die zumindest einige Male im Jahr über einen Jobwechsel nachgedacht haben.

Das Ergebnis: Anders als die Unternehmen glauben, ist für Wechselwillige das Geld der entscheidende Grund, den Job zu wechseln: 59 Prozent der Befragten gaben eine bessere Bezahlung und Zusatzleistungen an. Antworten rund ums Betriebsklima, etwa bessere Vorgesetzte (44 Prozent) oder faire Behandlung durch Kollegen und Vorgesetzte (34 Prozent), spielten dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Wer tatsächlich wechselt, hofft auf bessere Vorgesetzte

Unterschätzen also Unternehmen die Wichtigkeit von Geld für die Fachkräftebindung? Nicht unbedingt, denn ein etwas anderes Bild entsteht bei denjenigen Angestellten, die tatsächlich den Job gewechselt haben: 78 Prozent von ihnen gaben an, sie hätten sich von einem Wechsel bessere Vorgesetzte versprochen. Auf Platz zwei (73 Prozent) folgen der Wunsch nach fairer Behandlung durch Kollegen und Vorgesetzte, an dritter Stelle (72 Prozent) der Wunsch nach veränderten Arbeitsinhalten. Die bessere Bezahlung landete mit 61 Prozent Zustimmung nur auf Platz 5.

Unzufriedenheit mit dem eigenen Gehalt lässt offenbar Mitarbeiter von einem neuen Job träumen – die häufigsten Gründe für den tatsächlichen Jobwechsel sind aber dann doch andere.

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